Sprengstofffund als Wahlkampfhilfe?

Ungarns Opposition wittert eine False-Flag-Operation

Ein Sprengstofffund unweit einer Pipeline im ungarisch-serbischen Grenzgebiet sorgt für Wirbel. Während Würdenträger beider Staaten düster von einem versuchten Terroranschlag sprechen, wittert Ungarns Opposition eine Wahlkampfhilfe für den von der Abwahl bedrohten Dauerpremier Viktor Orban.

Peter Magyar Zitat über Orbán und die Korruption in Ungarn der letzten zwei Jahrzehnte auf weißem Hintergrund

Peter Magyar: „Orban wird nicht vermeiden können, dass Millionen Ungarn einen Punkt hinter die korruptesten zwei Jahrzehnte unserer Geschichte setzen“ Foto: dpa/Denes Erdos

Auch an eigentlich wahlkampffreien Feiertagen muss ein um sein Amt bangender Stimmenjäger nicht untätig sein. Mit der Kunde, dass serbische Sicherheitsdienste an einem „kritischen Knotenpunkt“ der TurkStream-Gaspipeline unweit der Landesgrenze Sprengstoffkörper von verheerender Kraft gefunden hätten, schreckte Ungarns Premier Viktor Orban am Ostersonntag seine Landsleute auf – und rief den nationalen Sicherheitsrat ein.

Am Ostermontag sprach der bei der Parlamentswahl am kommenden Sonntag von der Abwahl bedrohte Rechtsausleger von einem „Sabotageversuch“ und veröffentlichte ein Foto von sich inmitten eilig zusammengetrommelter Soldaten: Der ungarische Abschnitt der Pipeline werde nun „verstärkt militärisch“ geschützt, so seine verstörende Facebookbotschaft.

Es sind zwei von Spürhunden im serbischen Dorf Tresnjevac unweit der ungarischen Grenze aufgefundene Sprengstoffrucksäcke, die Ungarns österliche Wahlkampfstille jäh unterbrochen haben. Der verhinderte „Anschlag“ hätte offenbar dazu dienen sollen, „Orban zu Fall zu bringen“, schlägt aufgeregt Balint Pastor Alarm, in Serbien der Chef der mit Budapest eng verbandelten ungarischen Minderheitenpartei SVM. Es gebe „bestimmte Spuren“, reagierte wiederum Serbiens mit Orban eng befreundeter Staatschef Aleksander Vucic auf den Rucksackfund.

„Panik und Angst“ verbreiten

Dass die mysteriösen Rucksäcke keineswegs zufällig in die Nähe der Pipeline gelangten, ist unbestritten. Doch bei der Frage, welche Agenten und für welchen Zweck ihre explosive Fracht mitten im Stimmenstreit gut auffindbar im Grenzgebiet ablagerten, scheiden sich die Geister.

Ein Sprecher des Außenministeriums in Kiew hat vorsorglich wissen lassen, dass die Ukraine mit den Sprengstoffrucksäcken keineswegs etwas zu tun habe. „Verdacht, dass Orban und Vucic den Angriff auf die Pipeline ersonnen haben“, titelte zu Wochenbeginn gar Serbiens unabhängige Zeitung Nova.

Auch Ungarns Opposition wittert in dem „Fake-Anschlag“ eine von Orbans russischen Beratern orchestrierte „Falsche-Flaggen-Operation“, die „Panik und Angst“ verbreiten oder gar als Vorwand zum Abblasen des Urnengangs dienen solle. Aus mehreren Quellen habe er vorab Signale erhalten, dass an Ostern an der Pipeline „etwas passieren“ könnte, berichtet Peter Magyar, der Chef der in den Umfragen klar führenden Tisza-Partei: Doch Orban werde weder die Wahlen verhindern noch vermeiden können, „dass Millionen Ungarn einen Punkt hinter die korruptesten zwei Jahrzehnte unserer Geschichte setzen“.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Sprengstofffund als Wahlkampfhilfe?

Ungarns Opposition wittert eine False-Flag-Operation