Waldbrand
Leichte Entspannung im Hohen Venn – Dienstag droht aber starker Wind
Regenfälle und günstiger Wind haben die Lage im Brandgebiet an der belgisch-deutschen Grenze vorerst beruhigt. Das Feuer im Naturschutzgebiet Hohes Venn ist jedoch weiterhin nicht unter Kontrolle, während sich die Einsatzkräfte auf neue Windböen einstellen.
Belgische Feuerwehrleute stehen in einem Wald in der Ortschaft Sourbrodt und löschen immer wieder aufflammende kleine Glutnester ab Foto: Christoph Reichwein/dpa
Regen und eine günstige Windsituation haben die Situation im Brandgebiet im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn am Montag etwas beruhigt. Entwarnung für den teilweise evakuierten deutschen Eifelort Monschau gab es aber noch nicht, wie Bürgermeisterin Carmen Krämer sagte. „Der Regen hat zwar ein bisschen gut getan, aber der hat natürlich nicht das Feuer gelöscht.“
In dem von Hochmooren geprägten Naturschutzgebiet nahe der deutschen Grenze wütet der größte Waldbrand in Belgien seit dem Jahr 1911. Seit Freitag wurden mehr als 3000 Hektar Fläche vernichtet. In Monschau, von wo aus sich das Hohe Venn von Osten hin öffnet, mussten zwei Straßenzüge mit etwa 30 Bewohnern evakuiert werden.
Bürgermeisterin Krämer wollte sich trotz der leichten Entspannung nicht dazu äußern, ab wann die Menschen dort in ihre Häuser zurück können. „Wir werden alle auf dem Laufenden halten.“ Sobald sich etwas ändere, werde dies bekannt gemacht.
Sorge vor auffrischendem Wind
Der Leiter der örtlichen Feuerwehr, Philipp Krüger, sagte, die Feuerwehr betreibe ein enges Monitoring der Situation. Dazu zählten auch Überflüge der betroffenen Region, um mit einer Spezialkamera Brandherde genau zu lokalisieren. Der Regen sei zwar gut zur Brandbekämpfung gewesen, er habe aber zu einer sehr hohen Rauchbelastung geführt.
Für Dienstag wurden laut Krüger von den Meteorologen starke Winde mit einzelnen starken Böen aus Südwest vorhergesagt. „Das ist eine ganz neue Lage, die hatten wir aktuell noch nicht.“ Darauf bereite sich die Feuerwehr nun vor. Dem Feuerwehrverantwortlichen zufolge kam es auf belgischer Seite zu einem Unfall. Ein Feuerwehrmann sei mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus gebracht worden.
Nach offiziellen Angaben aus Belgien breitete sich der Wind nicht mehr in Richtung deutscher Grenze aus. „Der Wind weht günstig, und die derzeitigen Regenfälle tragen dazu bei, die Ausbreitung einzudämmen“, teilte der Leiter der Krisenkommunikation des Gouverneurs der Provinz Lüttich, Tony Hosmans, mit. Das Feuer sei allerdings noch nicht unter Kontrolle.
Internationale Unterstützung aus der Luft
Aufklärung aus der Luft sollte ein umfassendes Bild der Lage bringen, erklärte der Sprecher. Die Einsätze zur Eindämmung des Brands seien die gesamte Nacht fortgesetzt worden, teilten die örtlichen Behörden mit. Dabei seien die Einsatzkräfte von Landwirten unterstützt worden, insbesondere bei der Wasserversorgung für die Löscharbeiten.
Das Feuer im auch bei Wanderern und Fahrradfahrern beliebten Hohen Venn vernichtete seit Freitag rund 3000 Hektar Vegetation. Das grenzüberschreitende Gebiet besteht aus sumpfigen Torfmooren und Kiefernwäldern. Der belgische König Philippe machte sich am Montag vor Ort persönlich ein Bild.
Zudem sollte weitere Hilfe aus der Luft die Krisenregion erreichen. Vorgesehen waren zwei belgische Polizeihubschrauber, ein niederländischer, zwei deutsche und zwei norwegische Hubschrauber sowie zwei schwedische Flugzeuge, wie die örtlichen Behörden erklärten. Die Hubschrauber und Flugzeuge seien insbesondere im Osten des Brandgebiets von Bedeutung, wo das Gelände keinen Einsatz am Boden zulässt.
Auch elf Luxemburger Feuerwehrleute waren von Samstag bis Montag im Hohen Venn im Einsatz.
Rauchwolke zieht bis nach Luxemburg
Die Rauchwolke durch die Brände erreichte auch Luxemburg. Der Alarmschwellenwert für Feinstaub mit einem maximalen Durchmesser von zehn Mikrometern wurde am Montag in Luxemburg überschritten. Dieser liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Ab dann herrscht ein Gesundheitsrisiko für gefährdete Personen.
Die „Cellule d‘évaluation interministérielle“ erwartet eine schrittweise Abnahme der Feinstaubwerte ab Dienstag. Verantwortlich für die erhoffte Besserung ist die Wetterlage. Laut den meteorologischen Prognosen kommt der Wind ab Dienstagmorgen deutlich aus Nordwest bis West. Im Anschluss verlagert sich die Strömung und kommt aus West bis Südwest – eine Wetterlage, die mindestens bis einschließlich Donnerstag anhalten soll.