Mehr als 25.000 Menschen evakuiert
Kampf gegen Waldbrände in Frankreich dauert an – Paris bittet um Hilfe
Feuerwehrkräfte, Soldaten, Löschflugzeuge und hunderte Fahrzeuge sind im Kampf gegen die Flammen mobilisiert. An der Atlantikküste und im Süden Frankreichs sind die Brände noch nicht unter Kontrolle. Auch in Spanien und Italien brennen Wälder.
Ein Waldbrand breiten sich in der Nähe der Region Le Proge im Westen Frankreichs aus Foto: Caroline Blumberg/AP/dpa
In Frankreich kämpft die Feuerwehr weiterhin mit einem Großaufgebot gegen mehrere große Waldbrände an der Atlantikküste und im Süden des Landes. Bedrohlich blieb die Lage an der bei Touristen beliebten Küste bei Bordeaux, wo seit Mittwoch rund 20.000 Menschen vor allem von Campingplätzen und Ferienanlagen evakuiert wurden. Wann sie in ihre Urlaubsquartiere zurückkönnen, ist noch vollkommen offen.
Vorläufig kamen die Betroffenen in Notunterkünften und Ausweichquartieren in angrenzenden Urlaubsorten unter. In Bordeaux wurde auch eine Messehalle zur Einquartierung evakuierter Touristen geöffnet. Die Gendarmerie koordinierte die Evakuierungen und bewacht die verwaisten Campingplätze und Ferienzentren, wo viele Menschen Wohnwagen und Zelte zurücklassen mussten.
Lage an Atlantikküste bleibt ungünstig
Wie die Präfektur in Bordeaux am Abend mitteilte, hat der Brand sich inzwischen auf 4.800 Hektar ausgedehnt. Die Lage bleibe weiterhin ungünstig, da das Feuer im gesamten betroffenen Gebiet nach wie vor sehr aktiv sei. Auch heute wurden erneut Temperaturen von bis zu 39 Grad in der Region erwartet. Ein Feuerwehrmann wurde bislang verletzt, ansonsten kam niemand ernsthaft zu Schaden.
Die Feuerwehr war mit 800 Kräften, 260 Fahrzeugen, fünf Löschflugzeugen und einem Löschhubschrauber im Einsatz. Drei weitere Löschflugzeuge sollten über den Hilfsmechanismus der Europäischen Union in die Region entsendet werden, hieß es gegen Abend aus Brüssel. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte auf der Plattform X, es kämen zur Unterstützung unter anderem zwei Löschflugzeuge aus Kroatien sowie Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei.
Ein weiterer Brand breitete sich ebenfalls an der Atlantikküste südlich von Bordeaux im Bereich des Ortes Biscarrosse aus. Dort hatte ein Lieferwagen Feuer gefangen und die Flammen griffen schnell auf die Natur über. 1.200 Hektar Fläche brannten bis zum späten Abend bereits nieder und 5.000 Menschen wurden evakuiert.
Brand in Südfrankreich flammt wieder auf
In Südfrankreich flammte unterdessen im bergigen Hinterland nordöstlich von Marseille rund um den Ort Pontevès ein Waldbrand wieder auf, den die Einsatzkräfte zwischenzeitlich einigermaßen in den Griff bekommen hatten. Rund 500 Einwohner aus mehreren Orten wurden am Nachmittag vorsorglich evakuiert, ein Teil von ihnen konnte am Abend wieder zurückkehren, teilte das Département Var mit. 800 Feuerwehrleute kämpften unterstützt von mehr als 100 Soldaten gegen den Brand. Löschflugzeuge waren auch hier im Einsatz.
„Heute Abend liefern sich unsere Einsatzkräfte einen regelrechten Kampf gegen die Waldbrände“, sagte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez und hob den Einsatz aller Beteiligten hervor. „An alle, die gegen die Flammen kämpfen, um die Franzosen, ihr Eigentum und unsere Wälder zu schützen: Die Nation steht hinter euch“, sagte der Minister.
Frankreich rüstet Militärtransportflieger zum Löschflugzeug um
Angesichts der verheerenden Waldbrände rüstet Frankreich nun kurzfristig ein großes Militärtransportflugzeug des Typs Airbus A400M für Löscheinsätze um. Die entsprechend ausgerüstete Maschine, die 20 Tonnen Wasser auf einen Schlag abwerfen kann, werde binnen zehn Tagen einsatzklar sein, kündigte das Verteidigungsministerium in Paris an. Die technischen Vorbereitungen, die Ausbildung des Militärpersonals und Testflüge hätten am Montag begonnen.
Der Transportflieger fasst doppelt so viel Wasser wie ein herkömmliches Löschflugzeug. Insgesamt verfügt Frankreich über 67 Löschflugzeuge und Löschhubschrauber. Diese sind seit kurzem angesichts zahlreicher Brände im Dauereinsatz. Erstmals überhaupt fassten Löschflugzeuge kürzlich auch auf der Seine südlich von Paris Wasser, um einen großen Brand im Wald von Fontainebleau zu bekämpfen.
Hilfe aus der EU
Frankreich stehe „unter hoher Spannung“, erklärte Präsident Emmanuel Macron. Er gab in der Nacht zum Freitag bekannt, dass er die Europäische Union um Hilfe gebeten habe. Es sei die Auslösung des europäischen Zivilschutzmechanismus‘ beantragt worden. Frankreich werde damit „schnell“ Hilfe aus anderen Ländern für die Brandbekämpfung aus der Luft bekommen.
„Wir werden bald auf Verstärkung zählen können“, erklärte Macron im Onlinedienst X. Unter anderem sollten Löschflugzeuge und Schwerlast-Hubschrauber aus Kroatien, Portugal, Tschechien und der Slowakei die französischen Einsatzkräfte unterstützen.
Auch Spanien und Italien betroffen
Wegen der verheerenden Waldbrände in Spanien hat die Regierung für zwei Regionen den „Notstand nationaler Tragweite“ ausgerufen. Dieser gelte ab sofort für die Hauptstadtregion Madrid sowie in der nahegelegenen Provinz Ávila, teilte das Innenministerium in der Nacht zum Freitag mit.
Durch die Ausrufung des Notstands kann der Staat mehr Mittel und Gelder im Kampf gegen die Flammen mobilisieren. Unter anderem wird die Leitung der Einsätze automatisch in die Hände einer militärischen Kriseneinheit gelegt.
In den vergangenen Tagen sind in Spanien zahlreiche Brände ausgebrochen. Vor allem ein außer Kontrolle geratener Waldbrand westlich von Madrid besorgt Einsatzkräfte und Anwohner. Am Donnerstag wurde deshalb für 3500 Menschen eine Evakuierung angeordnet. Bereits am Vortag hatten die Behörden in Gemeinden südwestlich der spanischen Hauptstadt wegen eines weiteren Brandes Evakuierungen verfügt. Insgesamt mussten rings um Madrid bereits 10.000 Menschen ihre Häuser verlassen.
Auch in Italien kämpfte die Feuerwehr gegen zahlreiche Flächenbrände. Auf der Mittelmeerinsel Sizilien wurden etwa 100 Bewohner und 22 Patienten aus einem Krankenhaus evakuiert, dort waren die Temperaturen in den vergangenen Tagen auf mehr als 40 Grad gestiegen. In der süditalienischen Region Kalabrien kam es zu 160 Feuern. Nach Angaben des Zivilschutzes gehen einige von ihnen auf das Konto von Brandstiftern.