Tiefe Trauer um Brandopfer

Großherzog Henri legt Blumenkranz für die Opfer aus Crans-Montana nieder

Im Land läuten die Glocken. Vielerorts ruht das öffentliche Leben. Die Zeit scheint stillzustehen. Die Trauerfeier für die 40 Toten von Crans-Montana ist auch ein Appell, Konsequenzen zu ziehen.

Großherzog Henri legt feierlich Blumenkranz bei Trauerfeier nieder, symbolische Geste des Gedenkens und Respekts

Großherzog Henri legte einen Blumenkranz bei der Trauerfeier nieder Foto: Michael Buholzer

In einer bewegenden Trauerfeier haben die Schweiz und andere Nationen der 40 Toten der Brandkatastrophe von Crans-Montana gedacht. Die Träume vieler junger Menschen seien vorzeitig in der Asche einer Nacht des Grauens zunichtegemacht worden, sagte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin. Zugleich forderte das Staatsoberhaupt eine lückenlose Aufklärung des Geschehens. Verfehlungen seien „ohne Verzögerung und ohne Nachsicht“ aufzudecken.

„Undenkbar“ – mit diesem Wort beschrieb Parmelin in seiner Rede das Inferno. „Undenkbar, weil ein Land, dass sich als Hort der Korrektheit und der Zuverlässigkeit versteht, in der Lage sein muss, das Risiko zu erkennen, diesen allgegenwärtigen Schatten, der immer auf der Suche nach Schwachstellen auf der Lauer liegt“, sagte der Politiker. Es gelte, Lehren zu ziehen und künftig für die größtmögliche Sicherheit in öffentlichen Einrichtungen zu sorgen.

Der Regierungschef des Schweizer Kantons Wallis, Mathias Reynard, bat bei der Trauerfeier die Angehörigen um Entschuldigung. Aus Luxemburg war Großherzog Henri angereist.

In der Silvesternacht wurden bei dem Brand in der Bar „Le Constellation“ 40 Menschen getötet. Knapp 120 wurden großteils schwer verletzt. Fast alle Todesopfer waren Teenager und junge Erwachsene – die jüngsten waren erst 14 Jahre alt. Unter den Toten sind auch neun junge Schweizer Fußballer aus Regionalvereinen. Das gab der Schweizer Fußball-Verband (SFV) am nationalen Trauertag für die Tragödie in einem Post auf der Plattform X bekannt.

„Bilder waren unerträglich“

Bei der Trauerfeier mit rund 1.000 Gästen, darunter der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, schilderten drei jugendliche Augenzeugen die furchtbaren Momente der Silvesternacht. „Es war eine apokalyptische Szene“, sagte eine junge Frau. „Die Bilder, die sich uns boten, waren unerträglich.“ Die drei gehörten zu den Menschen, die in einer Bar gegenüber vom Brandort gefeiert hatten.

Bei dem Feuer, bei dem laut Ermittlern eine funkensprühende Partyfontäne eine Schaumstoff-Verkleidung an der Decke der Bar in Brand gesetzt hatte, wurden neben vielen Schweizern auch Dutzende Menschen aus den Nachbarländern Frankreich und Italien getötet und verletzt. Die Brandverletzten werden in mehreren europäischen Ländern behandelt.

Meloni thematisiert schwere Verdachtsmomente

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni sprach bei einer Pressekonferenz in Rom einen von Medien verbreiteten Verdacht an: „Ich lese, dass es Videos geben soll, auf denen die Verantwortliche dieses Lokals zu sehen ist, wie sie mit der Kasse flieht.“ Wenn das stimme, müssten die Konsequenzen schonungslos sein. Die Staatsanwaltschaft wollte bisher auf Anfrage der dpa keine Stellung dazu nehmen.

„Was in Crans-Montana passiert ist, ist kein Unglück. Was in Crans-Montana passiert ist, ist das Ergebnis davon, dass zu viele Menschen ihre Arbeit nicht gemacht oder geglaubt haben, sie könnten leichtes Geld machen“, sagte Meloni weiter. Es gebe viele „Warum“-Fragen: „Warum wurde die Musik nicht gestoppt? Warum wurde diesen Jugendlichen nicht gesagt, dass sie rausgehen sollen? Warum hat die Gemeinde keine Kontrollen durchgeführt?“, sagte Meloni.

Sechs italienische Teenager sind im Feuer ums Leben gekommen. Elf Menschen werden wegen schwerer Brandwunden in Mailand behandelt.

Auch die Behörden sind mit Vorwürfen konfrontiert. Denn die Gemeinde Crans-Montana hat eingeräumt, dass der Brandschutz der Bar jahrelang nicht kontrolliert worden war, obwohl jährliche Überprüfungen vorgeschrieben sind.

Appell der Jugend: mehr Leben ins Leben

Die Tragödie nahmen die drei Augenzeugen zum Anlass für einen Appell speziell an die jungen Menschen. „Wir sind eine Generation, die in einer fragilen, manchmal harten, oft ungerechten Welt aufwächst“, sagte einer der Jugendlichen. Aber trotz aller Zweifel und Ängste kämpfe die Generation um das, woran sie glaube. Und: „Genießt jeden Augenblick, so zerbrechlich er auch sein mag.“ Denn wichtig sei, nicht unbedingt dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben hinzuzufügen.

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