Sidney Wiltgen
Der Horror aus den Augen eines Siebenjährigen
Das Bügelbrett im Wohnzimmer, die Schockstarre der Mutter und die Live-Bilder aus Manhattan: Wie Redakteur Sidney Wiltgen das Unfassbare erlebte, als die Türme fielen.
Fußgänger rennen vom Ort des Geschehens davon, während einer der Türme des World Trade Centers in New York City einstürzt ADAM GRAY
Ich war sieben Jahre und sechs Monate alt, als die beiden Türme fielen. Ich erinnere mich noch genau an die ersten Bilder, deren Tragweite sich mir erst sehr viel später erschließen sollte. Meine Mutter stand damals am Bügelbrett, am Telefon ihre Schwester, den Blick ungläubig auf den Fernseher gerichtet. Sie hatte gerade eingeschaltet, als das zweite Flugzeug einschlug.
Dichte Rauchschwaden hüllten ganz Manhattan ein, während Reporter auf Live-Schalte versuchten, das Unfassbare einzuordnen. Ich konnte gar nicht begreifen, was ich in dem Moment sah. Der Moment prägte sich mir wohl nur aufgrund der offensichtlichen Schockstarre meiner Mutter dermaßen ein. Und während im Hintergrund „Only Time“ von Enya lief, sprangen Menschen aus Verzweiflung in den sicheren Tod. Als großer Fan der irischen Sängerin Enya schaltete ich noch jahrelang das Radio aus, wenn der Song gespielt wurde.