Corona-Krise

Haushalte im Süden Luxemburgs sollen in den Fokus des Large Scale Testing rücken

Haushalte in den stark betroffenen Gebieten in Luxemburg sollen ab Montag „engmaschiger“ getestet werden. Das kündigte der Direktor des „Luxembourg Institute of Health“ (LIH), Ulf Nehrbass, im RTL-Interview an. 

In Luxemburg soll das Large Scale Testing in besonders betroffenen Gemeinden verstärkt werden

In Luxemburg soll das Large Scale Testing in besonders betroffenen Gemeinden verstärkt werden Symbolbild: AFP/Douglas Magno

Drei Forscher und ein Arzt waren am Samstagnachmittag bei der RTL-Sendung „Background am Gespréich“ eingeladen. Dr. Vic Arendt, Spezialist für Infektionskrankheiten des CHL, Ulf Nehrbass, Direktor des „Luxembourg Institute of Health“, Alexander Skupin und Paul Wilmes, Forscher des „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB), teilten viele Informationen zur aktuellen Coronasituation hierzulande. 

Die wichtigste Ankündigung kam von Nehrbass. Er gab bekannt, dass ab Montag eine zweite Phase des Large Scale Testing beginnen wird. Man wolle nun flexibler und gezielter in den Regionen und Berufsgruppen testen, in denen Cluster festgestellt wurden. Die rezent veröffentlichte Karte hätte bestätigt, dass das Coronavirus in Luxemburg aktuell besonders im Süden des Landes grassiere. Dort sollen die Haushalte nun „engmaschig“ getestet werden. 

Mehr Verbote sind vonnöten

Man gehe davon aus, dass besonders jetzt im Sommer das Virus sich eher „entlang der Familie“ als über die Arbeit verbreiten werde. Deswegen wolle man dort nun auch die Infektionsketten unterbinden. Dabei stehen vor allem Erwachsene im Fokus des Large Scale Testing. „Die Leute müssen sich testen lassen“, betont Nehrbass. Nur so könne man eine zweite Welle im Griff behalten. 

Dass Luxemburg in einer zweiten Welle stecke, streiten die vier geladenen Gäste nicht ab. Wie Vic Arendt erklärt, sind aktuell im CHL 20 Betten für Coronapatienten vorgesehen. Aktuell seien davon 18 belegt. Von vier Intensivbetten seien zwei frei. Dabei sei es wichtig zu betonen, dass die Hälfte der Patienten, die schwer am Virus erkranken, unter 50 Jahre alt sind. 

Der Arzt des CHL spricht sich, entgegen der Forscher, für mehr Verbote und Einschränkungen aus. „Auf den gesunden Menschenverstand können wir uns nicht verlassen“, sagt Arendt. Eine Maskenpflicht sei nötig. Auch fordert der Arzt, dass man gezielter Menschen überprüfen solle, die viele soziale Kontakte pflegen. Er richtet einen dringenden Appell an die Bürger, sich strikt an die Distanz- und Hygieneregeln zu halten. Da das Virus sich vor allem über die Luft übertrage, sei das Tragen einer Maske der beste Schutz vor einer Infektion. 

Eine Frage der Politik

Paul Wilmes vom LCSB bestätigt im Gespräch, dass das Testen am Flughafen sinnvoll sei. Die Prävalenzrate sei relativ hoch. Es sei nun aber „eine Frage der Politik“, ob man einen solchen Test obligatorisch mache. Man solle es allerdings nicht auf die leichte Schulter nehmen, dass viele Urlauber das Coronavirus wieder mit ins Land bringen können, wenn sie aus den Sommerferien zurückkehren. 

Sein Kollege Alexander Skupin äußerte sich zu den Projektionen, die die Covid-19-Taskforce veröffentlicht hat. Man gehe immer noch davon aus, dass es zu Kapazitätsengpässen auf den Intensivstationen kommen könnte. Durch die Verlangsamung der zweiten Welle und die striktere Einhaltung der Hygienemaßnahmen erwarte man aber, dass dies erst im September und nicht schon im August eintreten könne. Auf die Frage, ob man den Bürgern mit den Berechnungen nicht zu viel Angst einjagen würde, erklärt Skupin, dass die Projektionen nur zeigen, wie die Corona-Krise in Luxemburg verlaufen könne. Er betont, dass man von einem Worst-Case-Szenario – also ohne Large Scale Testing und minimalen Contact Tracing – ausgehen würde. Doch selbst im besten Fall, bestätigt der Forscher, könnte Luxemburg am Ende mit mehreren hundert Coronatoten dastehen. 

Laut Ulf Nehrbass seien die jüngsten Ergebnisse der Impfstoffforschung mehr als erfreulich. Wenn sich diese nun in den klinischen Tests bestätigen würden, gebe es „Licht am Ende des Tunnels“. Eventuell könne man dann schon im Frühjahr 2021 mit einem solchen Stoff rechnen. „Das wären noch sechs Monate, die wir überstehen müssten …“, so Nehrbass. 

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