Kopf des Tages
Zum Tod von Armand Drews: Gewerkschafter, Humanist, Mensch
Noch vor zwei Wochen sprachen wir miteinander über die Kooperationsprojekte des OGBL, besonders jenes in Bolivien, und die Probleme, die sich durch das Coronavirus vor Ort stellten. Er hatte bereits als Präsident des „Cercle de coopération des ONG“ die Weichen gestellt, um eine situationsbedingte Verlängerung der Hilfsprojekte beim Ministerium zu erwirken, und war guter Dinge, dass dies gelingen würde. Am Freitag nun verstarb Armand Drews unerwartet und viel zu jung.
Armand Drews vor wenigen Jahren in Ghana, wo die NGO des OGBL ein Projekt der sozialen Absicherung für die Ärmsten durchführte Foto: Robert Schneider
Mit 63 Jahren erlitt er zu Hause einen anaphylaktischen Schock. Noch auf dem Weg ins Krankenhaus blieb sein Herz stehen; er sollte die allergische Reaktion nicht überleben. Armand Drews, der sich selten schonte, jederzeit hilfsbereit anpackte, sich auch klein erscheinender Probleme von jenen annahm, die ihn um einen Gefallen baten, und einmal gegebene Versprechen konsequent einhielt, war ein Mann der Überzeugung. Überzeugt war er von der Bedeutung fortschrittlicher Ideen, für die er sich innerhalb der LSAP einsetzte, einer Partei, in der er 38 Jahre lang Mitglied war, und sich nach einer Zeit im Gemeinderat von Biwer besonders kommunalpolitisch in der Hauptstadt engagierte.
Seine wichtigsten Kämpfe führte er aber in der Gewerkschaft. Er war ein Vierteljahrhundert Präsident der Personaldelegation bei der BGL, arbeitete aber auch intern beim OGBL engagiert mit. Wie die aktuelle Zentralsekretärin für den Finanzsektor, Véronique Eischen, uns gegenüber unterstrich, war er es, der das Bankensyndikat des OGBL auf- und ausbaute. Seine Gewerkschaftsarbeit wurde u.a. durch gute Ergebnisse bei den Wahlen zur Privatbeamtenkammer (eine der Vorgängerorganisationen der CSL) gewürdigt. Er war Vizepräsident der Kammer und arbeitete zu jener Zeit eng mit Präsident Jos Kratochwil zusammen. Damals wurde er intern als „Coming man“ der Gewerkschaft gehandelt, der Genussmensch Drews stand sich allerdings manchmal in seinem Leben selbst im Wege, wie er selbstironisch gerne zugab. Er präsidierte seit dem Kongress 2014 die Kontrollkommission des OGBL, war Mitglied des Wirtschafts- und Sozialrates, war Mitglied des Verwaltungsrates der CNS.
Er war außerdem ein begeisterter Fußballanhänger und präsidierte den Bonneweger Fusionsverein Racing FC Union Lëtzebuerg in den Jahren 2012 bis 2014.
Seit 2013 galt sein Einsatz insbesondere der Kooperation, der konkreten Hilfe für Menschen in benachteiligten Ländern und Regionen dieser Erde. Mit der NGO „OGBL Solidarité“ führte er eine ganze Reihe konkreter Projekte, etwa in Ghana, Burkina Faso, Bolivien und den Kapverden, als Projektleiter durch. Zugang zu arbeitsrechtlicher Kompetenz und zu sozialer Sicherheit war oft das Ziel dieser Arbeit, die – hiervon konnten wir uns gemeinsam in Ghana überzeugen – von Erfolg gekrönt war. Bis zu seinem plötzlichen Tod arbeitete er intensiv am aktuellen Projekt seiner NGO auf den Kapverden. Seine Kompetenz in der Kooperationsarbeit war denn auch nicht umstritten, wie die Wahl zum Präsidenten des Luxemburger „Cercle de coopération des ONG“ im Jahr 2013 verdeutlichte; ein Amt, das er bis zuletzt wahrnahm.
Armand Drews hinterlässt seinen Sohn Frank, zwei Enkelkinder und viele Freunde. Eine religiöse Zeremonie hätte der Freidenker konsequent abgelehnt; Corona-bedingt wird es auch kein ziviles öffentliches Begräbnis geben. Eine Feier zu Ehren des Verstorbenen nach der Krise ist dem Vernehmen nach angedacht. Ein Fest zu seinem Gedenken – eine Initiative, die Armand sicherlich gefallen hätte …