Editorial
Trumps Republikaner werden für die USA zunehmend zur Belastung
Das Hickhack um die Wahl von Kevin McCarthy (Mitte) zum „Speaker of the House“ ist ein Desaster für die US-Republikaner Foto: Nathan Howard/Getty Images via AFP
Am gestrigen 6. Januar erinnerten in Washington vor allem die US-Demokraten an den Sturm eines zwei Jahre zuvor vom damaligen Präsidenten Donald Trump aufgewiegelten Mobs auf das US-Kapitol. Mittlerweile sitzen die Vertreter der Randalierer im Repräsentantenhaus und zeigen dort im Rahmen der Wahl des „Speaker of the House“, also des Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, wozu sie fähig sind. Mit ihrer Vorstellung, denen in Washington es einmal so richtig zu zeigen, haben sie den politischen Betrieb in der Volksvertretung lahmgelegt, indem sie dem von ihrer Partei vorgesehenen Kevin McCarthy bei dessen Wahl zum Speaker die Gefolgschaft verweigerten. Damit setzten die eigentlich Trump-hörigen Rebellen der zumindest gefühlten Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen im vergangenen November – sie gewannen zwar die Mehrheit, allerdings nicht in dem Maße, wie es Umfragen angekündigt hatten – noch einen drauf. Sie lassen die republikanische Partei als ungeeinten Haufen dastehen, der nicht einmal fähig ist, sich auf eine parteiinterne Personalie zu einigen. Kann man von so einer Partei dann noch erwarten, dass sie den Wählern eine Vision für das Land anbieten kann, die sie geschlossen vertritt?