Bâtiment4 in Esch

Richtung22 muss bis Ende April raus 

Noch bis Monatsende bleibt Richtung22 Zeit, das Bâtiment4 zu räumen. Dabei schien sich die Lage nach zwei Jahren endlich beruhigt zu haben. Doch die Mediation zwischen „frEsch“ und Richtung22 führte zu keiner Einigung.

Über den Rauswurf des Kollektivs aus dem Kulturzentrum wird seit 2024 diskutiert 

Über den Rauswurf des Kollektivs aus dem Kulturzentrum wird seit 2024 diskutiert  Foto: Editpress/Julien Garroy

„Im Bâtiment4 bleibt Richtung22 nicht“, stellt Loïc Clairet, Direktor von „frEsch“, dem Tageblatt gegenüber klar. „Das Kollektiv muss die Räumlichkeiten zum Monatsende verlassen. Andernfalls sieht sich der Verwaltungsrat gezwungen, weitere Schritte einzuleiten.“ Damit bestätigt Clairet kursierende Gerüchte. Er bietet Unterstützung bei der Suche einer Notunterkunft für ein, zwei Monate an. Das Kollektiv habe den Bescheid heute erhalten, was ein Mitglied des Kollektivs auf Nachfrage bejaht – das Hilfsangebot hingegen nicht.

Über den Rauswurf des Kollektivs aus dem Kulturzentrum „Bâtiment4“ (B4) wird seit 2024 diskutiert: Der Nutzungsvertrag lief Ende Mai 2024 aus und wurde nicht verlängert. „frEsch“ begründete dies u.a. mit der Inaktivität des Kollektivs, das sich gegen den Vorwurf wehrte und ein Gespräch forderte. Nach Angabe von Richtung22, das in der Vergangenheit mehrfach scharfe Kritik an Eschs Kulturpolitik äußerte, fand jenes nur unter einer Bedingung statt: ein festes Umzugsdatum vorzuschlagen. Das Kollektiv entschied sich für den 31. Dezember 2029 und argumentierte: „Bis dahin haben wir voraussichtlich eine Alternative, und ohne eine solche würden wir als Gruppe kaum überleben.“

Die Hoffnung ist jetzt geplatzt. Der Verwaltungsrat kommt der Bitte nicht nach und verschließt sich trotz Mediation – diese fand im März 2025 statt – einer Vertragsverlängerung. Letztere scheint zumindest aufseiten von „frEsch“ nie die Absicht gewesen zu sein. „Das Ziel der Mediation war es, gemeinsam ein Ausziehdatum festzulegen, das allen entgegenkommt“, beteuert Clairet. „Das ist uns misslungen. Richtung22 durfte das ‚Bâtiment4‘ jedoch bis zum Abschluss der Mediation benutzen. Jetzt ist es Zeit, Platz für neue Nutzer zu schaffen.“ Die Nachfolge von Richtung22 steht noch aus. „Es gibt eine Warteliste“, so Clairet. „Wir treffen zeitig eine Entscheidung.“

„Nur eine Farce“

„Dies ist der Versuch, uns möglichst viel zu schaden, uns loszuwerden und zu verhindern, dass wir weiter auf Missstände der Escher Kulturpolitik hinweisen“, schreibt Richtung22 in einer Stellungnahme am Dienstagabend. Mit dem Rauswurf versuche die Gemeinde Esch, das Kollektiv zu zensieren und mundtot zu machen.

Nach monatelangem Warten hätte es eigentlich den Anschein gehabt, dass die Lage sich verbessern würde. Denn: Nach zwei Jahren habe „frEsch“ sich bereit erklärt, sich mit Richtung22 an einen Tisch zu setzen. Dabei sei dem Kollektiv erstmals der offizielle Grund für ihre Verdrängung genannt worden: „Eine Reihe an falschen Anschuldigungen und Gerüchten“, die Richtung22 schnell widerlegen konnte, heißt es in dem Schreiben. „Die Gründe, die ‚frEsch‘ sich ausgedacht hat, um ihre Entscheidungen zu legitimieren, zielen darauf ab, uns zu diskreditieren“, heißt es weiter. So habe „frEsch“ die Mediation auch einseitig beendet.

Zwar wurde ein Treffen mit Josée Hansen, der neuen Direktorin der Escher Kulturabteilung, ermöglicht, um weitere Schritte zu bereden, doch „das war offensichtlich nur eine Farce“, kritisiert das Kollektiv weiter. 

Richtung22 wolle aber nicht aufgeben und weiterhin Missstände zur Sprache bringen. Das Kollektiv sei zudem nicht das erste Projekt, das versuchte, eine alternative Kunstszene in Esch zu etablieren – und anschließend von Gemeindeverantwortlichen „platt gemacht“ wurde. Richtung22 plane nun seine nächsten Schritte und bittet dabei um die Unterstützung der Bevölkerung.

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