Ausstellung
Was an Luan Lambertys Teebeuteln und Äpfeln politisch ist
Schattenspiele, Teebeutel mit politischer Botschaft und gesichtslose Figuren: Das und mehr präsentiert der Luxemburger Künstler Luan Lamberty in seiner Ausstellung „Gathering“ im „Rainbow Center“ in der Hauptstadt.
Thematisiert soziale und politische Fragen in seiner Kunst: der Luxemburger Luan Lamberty stellt momentan im „Rainbow Center“ aus Foto: Luan Lamberty
„Das Wort ‚Gathering‘ bedeutet nicht nur, dass Menschen zusammenkommen. Es geht darum, Raum zu teilen, einander Aufmerksamkeit zu schenken, zu warten und füreinander da zu sein. Mal durch Nähe, mal mit Distanz“, beschreibt der Künstler Luan Lamberty den Titel seiner aktuellen Ausstellung im „Rainbow Center“ in Luxemburg-Stadt in einer Pressemitteilung. Noch bis zum 22. Mai zeigt er dort 18 Gemälde.
Teebeutel übt Widerstand

Subtile Anerkennung der Rechte von trans Menschen: das Bild „T(ea) for trans rights“ Bild: Luan Lamberty
Lambertys Kunst zeichnet sich durch das Spiel mit Alltagsgegenständen aus – sie sind viel mehr als das, was wir auf den ersten Blick erkennen. So ist im „Rainbow Center“ ein Apfel zu sehen, der den Schatten einer Birne wirft. Oder ein unscheinbares „T“ auf dem Etikett eines Teebeutels, dessen politische Message sich erst durch den Titel des Werks – „T(ea) for trans rights“ – erschließt. In der (fast) gleichnamigen Serie „for trans rights“ werden die Alltagsgegenstände so zu „Trägern des Widerstands“. Mit einem Augenzwinkern. „Die Arbeiten sprechen soziale und politische Themen indirekt an“, schreibt Lamberty, der in Bremen Kunst studierte und 2022/2023 den Kunstpreis Andrea Neumann vom Saarländischen Künstlerhaus Saarbrücken erhielt.
Lambertys Geister

Zwei von Luan Lambertys gesichtslosen Figuren: das Werk „Three Chairs“ ist im „Rainbow Center“ zu sehen Bild: Luan Lamberty
Im „Rainbow Center“ zeigt Lamberty leere Stühle, Krümel auf dem Teller und Kakteen – aber auch geisterhafte Figuren. Gesichtslos, grob skizziert und dennoch ausdrucksstark. Im Interview mit der Wochenzeitung woxxsagte er 2022 dazu: „Ich habe mich selbst herausgefordert: Wie kann ich Emotionen darstellen, ohne Gesichter zu zeichnen? (...) Am Ende habe ich festgestellt, dass gesichtslose Figuren einen größeren Interpretationsspielraum schaffen und die gesamte Bildkomposition stärker zum Ausdruck kommt.“
Die Figuren vermitteln dabei nie nur eine Emotion. Ist eine Szene bedrückend, sorgt Lambertys helle Farbpalette für Leichtigkeit (zum Beispiel „Three Chairs“); wirkt eine Situation beruhigend, weckt er mit Farbtropfen Zweifel am Wohlbefinden der Figuren (zum Beispiel „Cake for 2“). „In der Malerei nutze ich den Kontrast, um das Zusammenspiel zwischen Leichtigkeit und Härte zu vermitteln“, erklärte Lamberty gegenüber der woxx. Auch in einer freudigen Runde könnten schlimme Dinge passieren – und auch in schweren Lebensphasen gebe es Hoffnung.

Eine Szene zwischen Zusammenhalt und Traurigkeit: „Cake for 2“ Bild: Luan Lamberty
Lambertys Kunst ist in jedem Fall eine Herausforderung. Im positiven Sinne. Er legt seinen Werken keinen Interpretationschlüssel bei; lässt ihre Wirkung offen; zeigt, was fehlt. Der Künstler lädt zur Konfrontation ein: Können wir uns auf das Sichtbare verlassen? Was für Emotionen nehmen wir wahr? Und welche nicht? Oder um es mit seinen eigenen Worten auszudrücken: „Hier ist das ‚Gathering’ kein statischer Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Die Ausstellung lädt das Publikum dazu ein, innezuhalten, sich darauf einzulassen und die Szenen durch ihre eigene Wahrnehmung zu vervollständigen.“
Weitere Infos: luanlamberty.com und rosa-letzebuerg.lu