Flashback
Frau Marx heiratet Herrn Coca-Cola: Jean-Luc Godards „Masculin féminin“ wird 60
Das Tageblatt präsentiert in der losen Film-Serie „Flashback“ Meisterwerke der Filmgeschichte, die 2026 ein Jubiläum feiern – so wie Jean-Luc Godards „Masculin féminin“ von 1966, ein Übergangswerk im Schaffen des Regisseurs von der Nouvelle Vague zum politischen Aktivismus.
Jean-Pierre Léaud, Chantal Goya und Catherine-Isabelle Duport Foto: IMDb
Paris, Dezember 1965: Paul klebt, nachdem er seinen Militärdienst beendet hat, zusammen mit einem Freund Plakate gegen den Vietnamkrieg. Der 21-Jährige spricht viel über Politik sowie über Ausbeutung und Entfremdung. Kurz arbeitet er in der Redaktion einer Zeitschrift und lernt Madeleine (Chantal Goya) kennen, die davon träumt, Sängerin zu werden. Paul verliebt sich in sie. Nachdem er aus seiner Wohnung geworfen wurde, zieht er bei ihr und ihren Freundinnen Catherine (Marlène Jobert) und Elisabeth (Catherine-Isabelle Duport) ein. Er findet einen Job bei einem Meinungsforschungsinstitut und muss Jugendliche nach deren Interessen und Kaufverhalten befragen, obwohl er den Kapitalismus eigentlich ablehnt. Derweil ist Madeleine wegen ihrer Karriere als Sängerin längere Zeit unterwegs. Trotzdem geht sie mit Paul eine Beziehung ein und erwartet ein Kind. Beide wollen zusammenziehen. In der letzten Szene treffen sich die drei jungen Frauen auf einer Polizeiwache und erzählen, wie Paul vom Balkon der Wohnung gestürzt ist, die er gerade mit seinem Erbe gekauft hatte und in die er sich zusammen mit Madeleine einziehen wollte. Sie bestreiten, dass sein Tod ein Suizid war. Er habe sich nur zu weit hinausgelehnt.
„Masculin féminin“ kann als Liebesdrama bezeichnet werden, das frei auf zwei Erzählungen von Guy de Maupassant basiert. Der Film, der im März 1966 in Paris Premiere hatte, bildet eine Art Schnittstelle in der Karriere Jean-Luc Godards, ein Übergangswerk. Der französisch-schweizerische Regisseur (1930-2022) will fortan „politisch Filme machen“, wie er betont, nicht etwa politische Filme drehen. Auf der Berlinale 1966 wurde „Masculin féminin“ für den Goldenen Bären nominiert. Der Silberne Bär für den besten Schauspieler ging an Jean-Pierre Léaud, der Paul spielt – und der als eines der Gesichter der Nouvelle Vague gilt.