Editorial
Macron will die EU als „dritten Pol“ neben USA und China etablieren
Abwarten und Tee trinken: Chinas Xi Jinping (r.) und sein französischer Gast Emmanuel Macron vergangene Woche in Guangzhou Foto: Thibault Camus/Pool/AFP
Viel Aufregung gab es diese Woche um Aussagen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in einem Interview, das er unmittelbar nach seinem China-Besuch vergangene Woche noch auf der Rückreise gegeben hatte. Im Lichte der sich wegen des Ukraine-Krieges verschärfenden Antagonismen in der Welt sah sich der Franzose schnell dem Vorwurf ausgesetzt, gerade jetzt die transatlantische Verbundenheit zu schwächen, indem er suggeriere, die EU sollte sich aus dem sich zwischen China und den USA anbahnenden Konflikt heraushalten. Die EU laufe Gefahr, sich zum „Vasallen“ machen zu lassen, warnte Macron im Interview. Wobei wie selbstverständlich unterstellt wurde, der französische Präsident habe gemeint, die EU sollte nicht zum Vasallen der USA werden. Was er so nicht gesagt hat, zumindest nicht im Interview mit der französischen Zeitung Les Echos. Manche Kommentatoren interpretierten die Aussagen Macrons sogar als Freibrief für den chinesischen Präsidenten Xi Jinping, sich Taiwan anzueignen.