Editorial

Guillaumes erste Worte – und was ungesagt blieb

Guillaumes Thronrede am Freitag vor der Chamber

Guillaumes Thronrede am Freitag vor der Chamber Foto: Editpress/Julien Garroy

Drei Tage Brot und Spiele liegen hinter uns. Guillaume ist neuer Großherzog und Luxemburgs neuer Staatschef. Wie er seine Regentschaft gestalten will, wissen wohl nur die wenigsten mit Sicherheit. Erste Akzente aber lassen sich bereits in seiner Thronrede erahnen.

Politische Neutralität war Guillaumes erstes Versprechen an Luxemburg. Nach den Eskapaden seines Vaters wurde dieser Punkt ganz bewusst in den Mittelpunkt seiner Thronrede gerückt. Das hielt Guillaume jedoch nicht davon ab, einige Herausforderungen der nahen Zukunft zu umreißen: geopolitische Spannungen, eine unberechenbare Globalwirtschaft, eine Spirale der Desinformation, die die Demokratie bedroht, die Auswirkungen des Klimawandels und die Konstante von Krieg und Armut.

Guillaume, der mit über 60 Wirtschaftsmissionen die ganze Welt bereist hat, dürfte sich in einigen dieser Themen wohl auskennen. Allgemein wird dem neuen Luxemburger Staatschef eine große Kompetenz zugeschrieben. Sein ganzes Leben konnte er sich auf diese Rolle vorbereiten. Eine Rolle, die er dann auch mit Ernst – trotz des Wunsches, Koch zu werden – wahrgenommen hat. Sein größtes Manko aus der Sicht eines überzeugten Demokraten: Er wurde in seine Rolle hineingeboren. Dafür kann er jedoch am wenigsten. Wenn er jetzt seine Rolle als Brückenbauer zwischen Gemeinschaften und Generationen und für die soziale Kohäsion angeht, sei ihm demnach eine glückliche Hand gewünscht. Hat er Erfolg bei seinen gesetzten Zielen, wird es Luxemburg künftig nicht schlechter gehen.

Mit der Aufzählung der Kontroversen hat sich Guillaume auch bei weitem nicht in die politische Debatte eingemischt. Es stellt sich jedoch die Frage, warum der Monarch, der eigenem Bekunden zufolge „zuhören“ will, dann nicht genau hingehört hat. Denn obschon dies durchaus wichtige Themen sind: Das Sorgenkind der Luxemburger ist nicht der Klimawandel (auch wenn er es vielleicht sein sollte), nicht die Desinformationsspirale russischer Trollarmeen in den sozialen Medien, sondern die andauernde Wohnungskrise hierzulande. Politische Neutralität wahren heißt nicht, bei den dringendsten gesamtgesellschaftlichen Problemen wegzuschauen.

Dass der Logement hierzulande ein Problem ist, ist Fakt. Ihn auf die Liste der dringlichsten Herausforderungen zu packen, wäre wohl kaum politisch umstritten gewesen. Vielleicht aber wäre die Dichotomie zwischen Gesagtem und Realität dann doch zu groß, wenn der hinter dicken Palastmauern lebende Monarch meint, er wolle das Leben seines Volkes leben und sein Leid teilen.

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