Editorial

Ein Schuss ins Knie: Warum den „Roten Löwinnen“ mit dieser Aktion nicht geholfen wurde

 Die sportlichen Erfolge der Löwinnen hätten mehr Aufmerksamkeit verdient

 Die sportlichen Erfolge der Löwinnen hätten mehr Aufmerksamkeit verdient Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Die „Roten Löwinnen“ sind gefrustet. Und zwar doppelt. Erst am Donnerstag kam nämlich ein weiterer Tiefschlag hinzu. Die Mannschaft traute ihren Augen nicht, als Teile ihres internen (!) Schreibens an die Verantwortliche der Frauen-Kommission der FLF, Carine Nardecchia, in einem Artikel des Le Quotidien nachzulesen waren. Ihre Enttäuschung über die verpasste Chance des Vorstands, die Mannschaft gebührend für ihren Aufstieg in die Liga B der Nations League zu feiern, all das packten sie in die interne Botschaft für die FLF, die zu keinem Zeitpunkt für die Öffentlichkeit gedacht war. Dass diese Zeilen über Umwege in der Presse landeten und später in den sozialen Medien diskutiert worden sind, war nie der Wunsch der Spielerinnen, die sich damit bloß selbst geschadet hätten. So kann nur darüber spekuliert werden, wer diese höchst persönliche Botschaft an den Verwaltungsrat der FLF „geleakt“ hatte.

Vielleicht war es ja sogar mit guten Absichten – um auf die Lage der Damen aufmerksam zu machen –, doch geholfen hat der Absender der Nationalelf damit nicht. Im Gegenteil. Wieder einmal werden sämtliche Debakel der vergangenen Woche neu aufgerollt und damit auch wieder wichtiger als die Leistung der Damen gemacht. Niemand sprach am Donnerstag noch darüber, welche beachtlichen Statistiken mit dem Aufstieg einhergehen. An dieser Stelle sei also deutlich erwähnt: Amy Thompson avancierte vergangenen Dienstag zur Torschützenkönigin der Nations League – und bekam aufgrund der Polemik im Land nicht ansatzweise die verdiente Aufmerksamkeit für ihre sechs Tore in sechs Spielen. Nicht nur sie, sondern alle „Roten Löwinnen“ dürften sich gerade fragen, was sie noch leisten müssen, um einen vergleichbaren medialen Hype zu erleben. „Skandale bekommen mehr Aufmerksamkeit“, beschrieb es Damen-Nationaltrainer Dan Santos, der damit das ganze Problem in einem Satz zusammenfasste. 

Doch es geht viel tiefer. Selbstverständlich wurde in den vergangenen Jahren Platz für Frauen im Luxemburger Fußball gemacht. Stiefmütterlich behandelt – oder belächelt – wird die Bewegung aber (teilweise) auch heute noch, wenn auch gerne hinter vorgehaltener Hand. Der Frauenfußball muss weiterhin um seine Daseinsberechtigung kämpfen: Die Ligue 1 plagt sich national mit undankbaren Ansetzungen am Samstagabend herum, da sonst keine „Slots“ zur Verfügung stehen. Zudem fehlt es generell an einer ordentlichen Vermarktung und medialen Aufmerksamkeit. Und das ist nun einmal jeder (National-)Spielerin bewusst.

Ausgerechnet in Zeiten, in denen es sportlich nicht besser für die „Roten Löwinnen“ laufen könnte, kommt eine derartige Sabotage – was dieser „Leak“ nun definitiv ist – einem höchst überflüssigen Frustfoul gleich. 

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