Editorial
Paulette Lenert hat genug von Opposition: Lieber in den Staatsrat
Seit Covid-19 ist Paulette Lenerts Beliebtheit ungebrochen. In der Opposition fühlt sich die frühere Gesundheitsministerin nicht wohl. Jetzt will die letzte LSAP-Spitzenkandidatin vom Parlament in den Staatsrat wechseln.
Lenert am Wahlabend des 8. Oktober 2023 im LSAP-Hauptquartier im Melusina Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Paulette Lenert (57) will ihr Leben zurück. Wie einst Etienne Schneider, der ihren politischen Aufstieg erst ermöglichte. Weil Schneider 2019 im Alter von 48 Jahren die Regierung verließ, um als politischer Berater viel Geld zu verdienen, wurde Paulette Lenert Gesundheitsministerin. Ein Jahr zuvor hatte er die Quereinsteigerin als Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit und Verbraucherschutz in die Regierung geholt. Im Oktober 2019 belegte sie im Politmonitor von Wort und RTL den vorletzten Platz. Dann kam die Covid-Seuche. Mit dem damaligen DP-Premier Xavier Bettel stand sie fast wöchentlich vor Kameras und Mikrofonen, um die neuesten Infektionszahlen zu verkünden, sanitäre Einschränkungen zu verhängen und sie wieder aufzuheben. Innerhalb eines Jahres stieg Paulette Lenert zur beliebtesten Politikerin Luxemburgs auf. Im Februar 2022 kürte die LSAP sie zur nationalen Spitzenkandidatin.
Bevor sie einwilligte, hatte Paulette Lenert lange gezögert. Schon nach der ersten Corona-Welle fühlte sie sich überarbeitet und müde. Obwohl ihre Partei darauf drängte, sie solle gegen Luc Frieden (CSV) und Xavier Bettel im Zentrum antreten, bestand sie darauf, sich mit Friedens Lieutenant Léon Gloden in ihrem Heimatbezirk Osten zu messen. Am Ende gewann die LSAP nur ein Mandat, blieb drei Sitze hinter der DP und musste in die Opposition.