Forum von Michael Jäckel
Wann war die letzte Normalität? Der Konsum und die Krisen
Foto: dpa/Sebastian Kahnert
Wenn eine Stimmung dauerhaft schlecht ist, kann einem dann noch etwas Gutes einfallen oder zufallen? Wenn die Normalität dauerhaft auf den Pausenhof geschickt wird, werden Krisenphasen zum Bezugspunkt für andere Krisenphasen. Es dürfte sich nicht um ein Länderspezifikum handeln, wenn Vergleiche wie die folgenden angestellt werden: Zu Beginn des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine gingen die Energiepreise schneller nach oben als in den ersten Tagen des Iran-Kriegs, die Sparneigung war im März 2026 noch nie so hoch wie seit der Finanzkrise 2008 usw. Die Rückschau macht uns bewusst, dass die Zeit der Unbeschwertheit lange vorbei ist. Versprechungen, dass im Schmelztiegel der Wohlstandsgesellschaft die Klassenunterschiede verschwimmen und die Teilhabe an den Annehmlichkeiten des Lebens die Gesellschaft über den Konsum vereint, werden zunehmend angezweifelt. Da mag noch so viel Vielfalt, Differenzierung und Lebensstil sein: Was einmal im Taumel der Konsumlaune verschwommen ist, kehrt nun als handfester Unterschied zurück. Das Geld wird knapp(er).