Editorial

Der IPCC-Bericht macht klar: Wir alle müssen unsere Gewohnheiten ändern

Der IPCC-Bericht macht klar: Wir alle müssen unsere Gewohnheiten ändern

Symbolfoto: Editpress/Julien Garroy

Die große Klimakatastrophe steht bevor – falls wir jetzt nichts unternehmen. Das geht aus dem neuesten Bericht des Weltklimarats IPCC hervor. „Es wird also höchste Zeit, dass diese verdammten Politiker endlich etwas tun und mit ihrer warmen Luft nicht noch zusätzlich zur Erderwärmung beitragen.“ So die Reaktion von verschiedenen Menschen beim Überfliegen der Schlagzeilen, die seit ein paar Tagen die Zeitungen schmücken. Stimmt: Die weltweite Umweltpolitik hat bisher kläglich versagt – wenn es sie denn überhaupt gibt. Vor allem die großen Unternehmen und Verschmutzer müssten gesetzlich zu ihrem Glück gezwungen oder eben zur Kasse gebeten werden.

Doch da ist noch ein anderes, winziges Detail, das die meisten Menschen gerne vergessen, verharmlosen oder verdrängen: „Verhaltensveränderungen können laut dem Bericht schon allein zwischen 40 und 50 Prozent der Ziele, die wir benötigen, erreichen – unser Verhalten ist also wichtig“, hat der Meteorologe Andrew Ferrone am Dienstag gegenüber dem Tageblatt gesagt. Das Thema Eigeninitiative taucht regelmäßig im Klimabericht auf – und ist ein wunder Punkt für viele. Verständlich: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, das nur ungern von seinem antrainierten Konsumverhalten abweicht. Abwarten ist aber jetzt laut Klimabericht keine Option mehr.

Also, wo ansetzen? Die meisten Menschen kennen die Angriffspunkte wohl mittlerweile: Stärker auf den öffentlichen Verkehr zurückgreifen, das Flugzeug durch den Zug ersetzen – und wesentlich weniger Fleisch essen. „Es ist klar, dass der Fleischkonsum in unserer Region zurückgehen muss, damit wir die Klimaziele erreichen“, hat auch Ferrone gesagt. Doch vor allem das Fleisch scheint ein emotionales Thema in Luxemburg zu sein. Dabei war es noch nie so einfach, sich für eine Fleischalternative zu entscheiden. Und wenn der Geldbeutel bei den Imitaten nicht mitspielen kann: Hülsenfrüchte gehören zu den preisgünstigsten Proteinquellen, die es gibt.

Jetzt könnte man argumentieren, dass es an der Regierung und den Unternehmen ist, umweltfreundliche Alternativen anzubieten, die sich nahtlos in das bereits bestehende Konsumverhalten integrieren lassen. In einer Idealwelt: stimmt. Das ist aber nicht die momentane Situation und wir müssen jetzt mit dem, was uns zur Verfügung steht, handeln. Schließlich bestücken wir die Regierung – und in den vergangenen 30 Jahren wurden umweltfreundliche Visionen meistens mit einem Sitzplatz auf der Oppositionsbank belohnt.

Die Unternehmen passen sich auch an uns an, denn der Konsument steuert letztendlich über lange Dauer das Angebot. Das erkennt man auch eindeutig beim Gang durch den Supermarkt. Fleischalternativen haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Platz in den Regalen erkämpft. Firmen wie „Rügenwalder Mühle“ – eine Traditionsfleischerei – erwirtschaften mittlerweile mehr Geld mit ihren fleischlosen Produkten als mit Wurst und Co.

Der IPCC-Bericht macht klar: Wir befinden uns in einer Notsituation. Wenn die Wissenschaftler sagen, dass wir jetzt handeln müssen, dann kann man auch als Einzelperson nicht mehr nur mit dem Finger auf die anderen zeigen.

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