Treffen mit Regierung
UEL-Chef: „Der Index ist ein Mittel gegen Kopfschmerzen – unsere Wirtschaft hat aber Durchfall“
Zweieinhalb Stunden diskutieren Patronatsvertreter und Regierung am Mittwochnachmittag miteinander. Der Präsident des Unternehmerverbandes Michel Reckinger wartet nach der Sitzung mit düsteren Prognosen auf – und meint, dass sich die Diskussion auf der kommenden Tripartite nicht rein um den Index drehen darf.
Premierminister Xavier Bettel begrüßt UEL-Präsident Michel Reckinger Foto: Editpress/Julien Garroy
Großes Treffen im Staatsministerium: Vor den Vertretern der Gewerkschaften sind am Mittwochnachmittag die Patronatsvertreter zu einer bilateralen Gesprächsrunde mit der Regierung vor der Tripartite zusammengekommen. Das nationale Statistikamt Statec präsentierte dabei die neuesten Inflationsprognosen, auf deren Basis die Triaprtite am Wochenende über Lösungen in der derzeitigen Energiekrise diskutieren soll. Michel Reckinger, Präsident des Unternehmerverbandes UEL, deutete im Anschluss an sein Gespräch mit Premierminister Xavier Bettel und anderen Regierungsvertretern darauf hin, dass eine reine Indexdiskussion in der derzeitigen Situation nicht angebracht sei. Die nächste Indextranche wird laut Reckinger wohl im vierten Quartal dieses Jahres fallen.
„Der Index ist ein Mittel gegen Kopfschmerzen – unsere Wirtschaft hat aber Durchfall“, sagt Michel Reckinger nach der Sitzung mit der Regierung. „Einem Mindestlohnbezieher 2,5 Prozent mehr Lohn zu geben, hilft in der derzeitigen Situation nicht viel weiter – einem Bankdirektor weitere 2,5 Prozent auszubezahlen grenzt an Häresie.“ Hoffentlich finde man in der Tripartite andere Lösungen. Der Index sei nicht genug, da stimme er den Gewerkschaften zu. „40 bis 50 Euro mehr beim nächsten Gehalt helfen bei einer monatlichen Energierechnung von 500 Euro nicht weiter“, meinte Reckinger.
„Das Sozialmodell Luxemburgs am Leben erhalten“
Er sei sich wohl bewusst, dass die Unternehmen auch eine gewisse Verantwortung tragen würden. Es gehe aber um so viel mehr als nur den Index – „es geht darum, das Sozialmodell Luxemburgs am Leben zu erhalten, damit wir nach dem Krieg nicht nur verbrannte Erde haben“. Es gehe nicht mehr nur darum, die Kaufkraft zu erhalten, sondern den Krieg zu überstehen. Die Produktionskosten für Unternehmen in Europa und auch Luxemburg würden um ein Vielfaches höher liegen als beispielsweise in China. Die Schlussfolgerung der Regierung sei die gleiche wie die der UEL: „Wir befinden uns einem Energiekrieg mit Russland“, sagte Reckinger. Luxemburg würde als nach außen offene Wirtschaft die Konsequenzen tragen. Das sei in allen Wirtschaftsbereichen so, sei es in der Fonds-, der Versicherungs- oder der Bauindustrie.
Zu den Staatsfinanzen hätte keiner der Regierungsmitglieder viel gesagt, meinte Reckinger – und erklärte auch: „Ich habe die Zahlen gesehen – wir haben wenig bis gar keinen Spielraum.“ Auch das Budget für 2023 sehe „schlecht“ aus.
Die Gewerkschaftsvertreter von OGBL, CGFP und LCGB wollten nach den bilateralen Gesprächen im Ministerium keine Stellungnahme abgeben. „Wir wollen die uns vorgelegten Daten erst mal analysieren“, sagte OGBL-Präsidentin Nora Back.
Patrick Dury (LCGB), Nora Back (OGBL) und Romain Wolff (CGFP) auf dem Weg zu ihrem Treffen mit Regierungsvertretern Foto: Editpress/Julien Garroy