Kommentar
Flyer statt Maßnahme – Luxemburgs unkonkreter Gas-Sparplan
Die Minister Delles, Bofferding und Turmes haben auch das Wassersparen im Blick Foto: Editpress/Julien Garroy
Schon im Juli klingelte in Brüssel der Wecker: Alle Mitgliedstaaten sollten so langsam dann mal doch etwas weniger Gas verbrauchen. Los ging’s mit dem Europa-Gas-Sparplan offiziell am 1. August. Aber erdreistete man sich als Luxemburger Journalist in jenen heißen Sommerwochen, unsere lieben staatlichen Akteure auf ihre Ideen in Sachen Sparen anzusprechen, wurde man – so man denn Antwort erhielt – auf die große Energie-Pressekonferenz am 8. September verwiesen. Dort, so ging die Rede, würde dann alles geklärt, was energetisch zu klären sei: von der Abschaltung der Schwerindustrie über Sonntagsfahrverbote und Ausgangssperren bis hin zum Dimmen der Straßenbeleuchtung in Weiswampach.
Jetzt war sie also endlich da, die große Energie-PK. Aus Coolness-Gründen selbstverfreilich einen Monat nach der EU-Ansage. Und tatsächlich haben wir uns umsonst gesorgt. Denn Staat, Kommunen und Verbände managen die Energie so brillant, dass es bei uns keinen „Polizeistaat“ braucht. Ein paar Flyer, Aufkleber und gut klingende Gemeinde-Programme reichen bei dem „massiven Engagement“ – vor dem man sich ja fast nicht mehr zu retten weiß – und die größte Energiekrise der vergangenen 50 Jahre ist passé.
Apropos Energiespar-Infoblättchen. Die zeigen abermals auf eindrucksvolle Weise die Weitsicht der Exekutive – falls Putin uns als Nächstes auch noch das Wasser abdreht: „Stellen Sie Ihren WC-Spülkasten auf maximal 10 Liter Wasser pro Spülung ein – 30 Prozent geringerer Wasserverbrauch.“ Eat this, Wladimir!
Ist ja eigentlich auch egal. Denn nach dem EU-Energieminister-Treffen am Freitag werden wir alle von der energiearmen und flyerlosen Realität eingeholt. Man könnte fast meinen, dass die Luxemburger Politik das noch abwarten wollte – für die wahre Energiespar-Konferenz. Die im Dreierformat.