Neue Zahlen der Zentralbank

Sparzinsen steigen auf fast ein Prozent

Innerhalb weniger Monate hat sich die Lage auf dem Zinsmarkt deutlich verändert. Nach Jahren in einem Niedrigzinsumfeld sind die Zinsen für Sparguthaben nun wieder am Steigen. Mittlerweile liegen sie wieder bei einem Prozent. Trotzdem lohnt sich das Sparen mit einem traditionellen Sparbuch immer noch nicht.

Trotz steigender Zinsen lohnt sich, wegen der hohen Inflationsrate, das Sparen auf einem traditionellen Sparbuch immer noch nicht

Trotz steigender Zinsen lohnt sich, wegen der hohen Inflationsrate, das Sparen auf einem traditionellen Sparbuch immer noch nicht Foto: AFP/Philippe Huguen

Seit Jahren schon wird es den Menschen in Europa schwergemacht, Geld zu sparen. Die alte Weisheit, Geld auf ein Sparbuch zu legen und es für sich arbeiten zu lassen, wurde zu einer leeren Floskel.

Hintergrund war die Politik, die Europas Zentralbank nach der Finanz- und Schuldenkrise eingeführt hatte. Die Notenbanker wollten Bürger und Unternehmen damals dazu zwingen, ihr Vermögen auszugeben. Damit würde der Konsum und im Endeffekt das Wirtschaftswachstum steigen, so die Hoffnung der Zentralbanker.

Seit 2014 mussten Europas Banken somit einen Strafzins bezahlen, wenn sie bei der Zentralbank Geld parkten. Dies erhöhte ihre Kosten. Bei den Finanzinstituten entstand so das Bedürfnis, die Kosten an die Kunden weiterzugeben.

Negative Zinsen zu Jahresbeginn

Von den Strafzinsen blieb die Mehrheit der Privatleute zwar verschont. Meist wurden nur Konten mit mehr als einer halben Million Euro mit Negativzinsen belastet. Eine nennenswerte Vergütung für ihre Spareinlagen erhielt jedoch auch der weniger wohlhabende Mensch in den letzten Jahren keine mehr.

Doch mit den Jahren weiteten sich die Niedrigzinsen immer weiter aus. Laut den Zahlen der Luxemburger Zentralbank war der durchschnittlich angebotene Zinssatz auf neuen Spareinlagen („dépôts à terme“ von bis zu einem Jahr) für Privathaushalte erstmals im Dezember 2020 auf unter null gefallen. Der durchschnittliche Zinssatz erholte sich danach wieder leicht, fiel jedoch mehrmals wieder unter null.

Noch im Januar 2022 hatten die Banken ihren Kunden auf neuen Spareinlagen, im Schnitt, nur einen negativen Zinssatz von -0,16 Prozent angeboten. Im Februar 2022 ist der durchschnittliche Zinssatz, den Luxemburger Banken den Haushalten auf neu anlegten Geldern anboten, auf einen Rekordtiefststand von minus 0,39 Prozent gefallen.

Sparen mit Sparbüchern war komplett unmöglich geworden. Am Ende des Jahres steht bei den Sparern automatisch weniger Geld auf dem Sparkonto als am Jahresanfang.

Auf Strafzinsen folgt Geldentwertung

Für Firmen und „Nicht-Finanzgesellschaften“ war die Lage noch schwieriger. Unternehmen mussten beispielsweise im Januar 2022 im Schnitt schmerzhaftere -0,38 Prozent Strafzinsen auf ihren Spareinlagen in Kauf nehmen. Im März 2022 waren es sogar minus 0,44 Prozent. In Luxemburg zahlen sie im Schnitt bereits seit August 2015 auf Spareinlagen Strafzinsen.

Als nach dem Corona-Stillstand die Wirtschaft 2021 wieder stark zulegte und Lieferschwierigkeiten die Inflationsrate in die Höhe trieben, wurden Europas Währungshüter überrascht. Trotzdem entschieden sie sich, nicht mit Zinserhöhungen gegen die steigenden Preise vorzugehen. Es handle sich nur um eine „vorübergehende Entwicklung“, waren sie überzeugt.

Für die Menschen, die gerne Geld für Zukunftsprojekte sparen wollen, wird die Lage damit noch schwieriger. Zu dem negativen Zinssatz war nun noch die sehr hohe Geldentwertungsrate hinzugekommen. Europaweit lagen die Preise im Februar 2022 5,8 Prozent über denen vom Vorjahr. In Luxemburg lag die Inflationsrate in dem gleichen Monat bei 6,6 Prozent.

Zinswende im Juli

Seitdem haben die Hüter der Stabilität des Euro die veränderte Lage jedoch erkannt, und haben begonnen, den Leitzins zu erhöhen. Durch höhere Kosten für neue Darlehen soll so die Nachfrage gebremst – und damit schließlich auch die Preissteigerungsrate gebremst werden. Am 21. Juli hatte der EZB-Rat somit, erstmals seit elf Jahren, die Zinsen im Euroraum wieder angehoben. Die Phase der Negativzinspolitik war beendet: Geschäftsbanken müssen seither nicht mehr 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Im Oktober und September hatte sie die Zinssätze dann jeweils in Jumbo-Schritten um 0,75 Prozentpunkte nach oben gesetzt.

Die Luxemburger Banken folgten den Vorgaben aus Frankfurt. Im Juli stieg der durchschnittlich angebotene Zinssatz auf neuen Spareinlagen („dépôts à terme“ von bis zu einem Jahr) zunächst zaghaft auf 0,15 Prozent. Im August sprang er auf 0,72 Prozent. Im Oktober waren es, den neuesten Zahlen der Zentralbank zufolge, dann bereits 0,93 Prozent. Das ist der höchste Zinssatz seit Dezember 2011.

Der Aufwärtstrend dürfte derweil noch nicht vorbei sein. An diesem Donnerstag steht eine neue Sitzung des EZB-Rates an. Beobachter rechnen mit einer weiteren Zinserhöhung um 0,50 Prozentpunkte. Hintergrund der etwas langsameren Steigerungsrate ist die Hoffnung, dass der Inflationshöhepunkt womöglich bereits erreicht wurde. Die Verbraucherpreise waren im November nicht mehr ganz so rasant gestiegen. In Europa, und auch in Luxemburg.

Nicht nur Verlierer

Im November war die Inflationsrate in Luxemburg mit einer Steigerungsrate von 5,94 Prozent (im Jahresvergleich) überdurchschnittlich hoch geblieben, liegt jedoch deutlich unter den 6,85 Prozent vom Vormonat.

Für Menschen, die gerne Geld für die Zukunft sparen wollen, hat sich trotzdem nicht wirklich etwas verbessert. Zwar erhalten sie nun wieder einen kleinen Zinssatz auf ihren Spareinlagen – doch ist die Geldentwertungsrate dafür weiterhin deutlich höher. Nach wie vor ist die Kaufkraft von Geld, das ein Jahr auf einem Konto liegt, am Ende des Jahres geringer als am Jahresbeginn.

Bei einer hohen Inflationsrate gibt es derweil nicht nur Verlierer. Zwar ist sie für Verbraucher und Unternehmer eine Qual, doch aus Sicht von Regierungen ist die Lage nicht so eindeutig: Mit höheren Preisen steigen nämlich ganz automatisch auch die Steuereinnahmen. Gleichzeitig drückt eine hohe Inflationsrate die nationalen Verschuldungsquoten nach unten.

Eine Frage des Vermögens

Trotz der schleichenden Wertverluste legten die durchschnittlichen Kunden der Banken im Jahr 2021 satte 80 Prozent ihres Vermögens auf Giro- und Sparkonten an. Vermögende Kunden hingegen setzen lieber auf Investmentfonds (38 Prozent), Aktien (30 Prozent), und lassen nur 18 Prozent ihres Bank-Vermögens auf Sparkonten und in Sparbüchern.

Kredite werden teurer

Für Kreditnehmer ist die Lage derweil schwieriger geworden. Der variable Zinssatz für Immobilienkredite an private Haushalte beispielsweise lag im Oktober mit 2,26 Prozent deutlich über den 1,3 Prozent von Jahresbeginn. Für Immobilienkredite mit einem festen Zinssatz stieg die durchschnittliche Rate im Oktober 2022 derweil auf 3,17 Prozent – fast doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn. Ein Trend, wie er bereits seit einigen Monaten zu erkennen ist. Die Zinssätze für Darlehen mit sehr langen anfänglichen Zinsbindungsfristen, z.B. 30 Jahre, können zudem noch deutlich höher sein als der angegebene gewichtete Durchschnittssatz, so die Zentralbank.

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