Konjunktur
Luxemburgs Industrieproduktion bricht im ersten Halbjahr 2026 noch weiter ein
Die Industrieproduktion in Luxemburg ist im ersten Halbjahr 2026 heftig eingebrochen, wie aus neuen Statec-Informationen hervorgeht. Bereits in den Vorjahren waren spürbare Rückgänge verbucht worden.
In Luxemburg steht die Industrie mittlerweile für weniger als fünf Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Foto: Editpress/Julien Garroy
Um rund fünf Prozent ist die Luxemburger Industrieproduktion in den ersten sechs Monaten des Jahres eingebrochen, schreibt das statistische Institut Statec in seinem letzten „conjoncture flash“. Das ist deutlich stärker als der Rückgang, den die Industrie in der Eurozone (ohne Irland) im gleichen Zeitraum verbucht hat (minus 0,4 Prozent), so die Statistiker weiter.
Hinter diesem Rückgang stehen mehrere Branchen, die negative Zahlen verbucht hatten. Mit dazu zählt unter anderem ein Minus von zwölf Prozent bei Ausrüstungsgütern – ein Bereich, der historisch gesehen starken Schwankungen unterliegt, so die Statistiker.
Als besonders schwerwiegend heben sie den deutlichen Einbruch von 24 Prozent bei der Herstellung von Metallprodukten und das Minus von 13 Prozent in der Stahlindustrie hervor. In der Eurozone haben diese Bereiche im gleichen Zeitraum ein deutlich kleineres Minus von 0,4 Prozent bei Metallprodukten – und sogar ein Plus von einem Prozent in der Stahlindustrie – verbucht.
Entwicklung der Industrieproduktion Quelle: Statec
Als bemerkenswert bezeichnet Statec, dass sowohl die Metall- als auch die Stahlindustrie in den vergangenen Monaten eigentlich positiv zum Vertrauensindikator der Industrie beigetragen hatten. Dieser hatte im Januar 2026 einen Tiefpunkt erreicht und sich seither erholt. In den neuen Produktionszahlen sei davon aber noch nichts zu spüren, wundern sich die Statistiker.
Nicht überall in der Industrie sieht es jedoch schlecht aus, präzisiert Statec. Von den 18 Kategorien, die in die Statistik einfließen, verzeichnen elf ein Produktionsplus gegenüber dem Vorjahr, etwa die Herstellung von Glas, feuerfesten Erzeugnissen und Keramik, der Fahrzeugbau sowie der Bergbau. Diese haben jedoch weniger Gewicht als die, die Rückgänge verzeichnet haben.
Kluft zum Euroraum wird noch größer
Mit den schlechten neuen Zahlen vertieft sich damit die Kluft, die zwischen der Luxemburger Industrie und dem europäischen Trend bereits seit Jahren bemerkbar ist. Der jüngste Rückgang reiht sich nämlich in einen langfristigen Trend ein: Laut revidierten Zahlen von Eurostat war im Jahr 2025 der Anteil der Industrie an der Luxemburger Wirtschaftsleistung damit erstmals unter die Marke von fünf Prozent gefallen.
Früher war Luxemburg stolz auf seine Industrie. Dank der Stahlindustrie war Luxemburg zu einem wohlhabenden Land geworden. Die Rolle als Lokomotive der nationalen Wirtschaft wurde allmählich vom Finanzsektor und dem Bereich der spezialisierten Unternehmensdienstleistungen übernommen. Von 13,7 im Jahr 1995 auf mittlerweile nur noch 4,6 Prozent ist der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der gesamten nationalen Wirtschaftsleistung (BIP) im Jahr 2025 zurückgegangen.
In keinem anderen Land der Währungsunion ist das Gewicht der Industrie geringer. Nur in Luxemburg, Zypern (6 Prozent) und Malta (6,6 Prozent) lag ihr Wirtschaftsanteil 2025 unter der Marke von zehn Prozent. In Ländern wie Deutschland (20,7 Prozent), Polen (19 Prozent), Österreich (18,6 Prozent) oder der Schweiz (20,5 Prozent) sieht die Situation ganz anders aus, wie die Zahlen von Eurostat zeigen.
Auch die Beschäftigung geht zurück
Die schwache Produktion hat sich zuletzt auch auf die Beschäftigung ausgewirkt, schreibt Statec im „conjoncture flash“ weiter. Zwischen Anfang 2023 und dem zweiten Quartal 2026 gingen in der Luxemburger Industrie 1,5 Prozent der Stellen verloren, in der Eurozone derweil waren es nur 0,4 Prozent. Im verarbeitenden Gewerbe im engeren Sinne war der Rückgang mit 3,3 Prozent – rund 1.100 Arbeitsplätzen – noch ausgeprägter (Eurozone: minus 1,3 Prozent).
Dass es auch anders geht, zeigt Dänemark. In dem skandinavischen Land ist der Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung in den vergangenen fünf Jahren von leicht unter 15 Prozent auf über 20 Prozent gestiegen. Das, obwohl beide Länder europaweit als diejenigen gelten, die die höchsten Arbeitskosten pro Stunde haben.
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