„Eine echte Chance“
Konzern aus China kauft Eurofoil in Düdelingen
Ein chinesischer Konzern übernimmt den Düdelinger Industriebetrieb Eurofoil – und bringt konkrete Wachstumspläne mit. Für einen Industriestandort, der seit Jahrzehnten immer wieder den Besitzer wechselt, könnte dies eine Wende zum Besseren sein.
Hauchdünne Aluminiumfolien werden bei Eurofoil in Düdelingen hergestellt Foto: Eurofoil/François Rimlinger
Das Unternehmen Eurofoil zählt den vielen kleinen Industriebetrieben, die sich in den Jahren der schrumpfenden Stahlindustrie im Süden des Landes niedergelassen haben. Gegründet wurde der Betrieb im Jahre 1982 von Investoren aus den USA.
Hergestellt werden von aktuell 230 Mitarbeitern hier in Düdelingen hauchdünne Aluminiumfolien für unterschiedliche Zwecke. Meist geht es um Verpackungen für Produkte aus der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, etwa für Schokolade, Joghurt, Milch, Zigaretten oder Medikamente. Dank der Folien wird die Haltbarkeit der Produkte verlängert.
Der Arbeitsablauf ist stark automatisiert und elektronisch gesteuert. Aluminiumbarren werden eingekauft und anschließend geschmolzen und zu extrem dünnen Folien gewalzt und gepresst. Verkauft werden sie dann in Rollen mit einem Gewicht von 500 kg oder 1 Tonne. Das Volumen der Verkäufe der Produktion in Düdelingen lag letztes Jahr bei fast 100 Millionen Euro.
Seit seiner Gründung hat der Industriestandort alle paar Jahre den Besitzer gewechselt. Mal kamen die Aktionäre aus Schweden, mal aus Frankreich, mal aus Indien. In den letzten Dutzend Jahren war die Gesellschaft in der Hand des amerikanischen Private-Equity-Fonds AIAC – also einer Gesellschaft, die Firmen aufkauft, um sie später weiter zu verkaufen.
Nun hat Eurofoil erneut einen neuen Besitzer erhalten, wie diese Woche in einer Pressemitteilung mitgeteilt wurde. Dabei geht es um die Shantou Wanshun New Material Group. Der Konzern aus China ist börsennotiert, auf Aluminium-Produkte spezialisiert, beschäftigt rund 2.500 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 900 Millionen Dollar.
Von Luxemburg nach Europa
Dass es ein Konzern aus China ist, der Eurofoil übernehmen will, war bereits seit Jahresbeginn bekannt. Noch offen war dabei jedoch die Frage, ob das Luxemburger Wirtschaftsministerium, das seit geraumer Zeit das Recht und die Pflicht hat, ausländische Investitionen auf mögliche strategischen Risiken zu prüfen, grünes Licht geben würde. Das scheint nun jedoch geklappt zu haben. Die Übernahme sei „abgeschlossen“, so die Pressemitteilung.
Für den Standort Düdelingen sei der Kauf durch den chinesischen Konzern eine echte Chance, erläutert Francois Coëffic, frisch eingesetzter Vertreter des neuen Verwaltungsrats, am Donnerstag gegenüber dem Tageblatt.
Besonders erfreut ist er darüber, dass der neue Besitzer nicht ein Finanzinvestor ist, sondern ein finanzstarkes Unternehmen mit eigener Technologie und ausgewiesenen Marktkompetenzen im Sektor. „Wichtig ist für uns nicht die Nationalität des Aktionärs, sondern die Jobs in Luxemburg.“
Wanshun komme mit einer klaren Vision nach Luxemburg, sagt er weiter. Der Konzern wolle den Standort nutzen, um von hier aus den europäischen Markt zu erschließen. Und Europa sei interessant. Konkurrenten für das aktuelle bisherige Geschäft gebe es auf dem Kontinenten nur noch wenige: einer in Deutschland, einer in Spanien, einige in Italien, keinen in Frankreich oder Großbritannien.
Batterie-Folien als Wachstumsstrategie
Zudem sei geplant, auch wenn die Details noch zu regeln seien, neben dem Geschäft mit den Verpackungen auch noch einen weiteren, neuen Geschäftsbereich mit viel Wachstumspotential zu errichten, so Coëffic. Wanshun wolle einen Geschäftsbereich entwickeln, der in Europa noch in den Kinderschuhen steckt: Aluminiumfolien für Elektrofahrzeug-Batterien herstellen. „Das gibt es bisher fast nicht in Europa.“ Aber Wanshun habe Erfahrung darin. „Eine echte Chance. Ein richtiges Projekt und sehr interessant für Düdelingen.“
Für die Versorgung mit Rohstoffen zeigt sich Coëffic, trotz Iran-Konflikt, entspannt. Die benutzten Aluminiumbarren kommen aus Dünkirchen, sagt er. Vom Krieg im mittleren Osten und der bombardierten Fabrik sei man daher nicht direkt getroffen. Nur die höheren Preise für das Metall spüre man.
Für die Luxemburger Industrie dürfte diese Transaktion demnach eine positive Nachricht sein. Seit vielen Jahren schrumpft hierzulande das Gewicht der Industrie. 2025 ist ihr Anteil erstmals unter fünf Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung gefallen. In keinem anderen europäischen Land hat sie weniger Gewicht. Die Luxemburger Industrie schrumpft dabei nicht nur als Anteil an der Wirtschaftsleistung. In den letzten paar Jahren hat der Sektor zudem fast tausend Arbeitsplätze abgebaut.

Das Werk in Düdelingen Foto: Eurofoil/François Rimlinger