Energieversorgung
Gaspreise in Luxemburg: Enovos erwartet 2027 einen Anstieg
Für Gaskunden in Luxemburg dürfte es 2027 teurer werden. Enovos-CEO Erik von Scholz rechnet mit steigenden Preisen, weil sich die derzeit hohen Einkaufspreise verzögert auf die Verbraucher auswirken.
Enovos-CEO Erik von Scholz sieht für die Gaspreise 2027 eine steigende Tendenz Fotos: Freepik; Editpress/Julien Garroy
Die Gaspreise für Luxemburger Haushalte dürften 2027 steigen. Für das laufende Jahr stellt Erik von Scholz dagegen weiterhin Preisstabilität in Aussicht. Wie stark die Preise im kommenden Jahr steigen werden, könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden, sagt der Enovos-CEO am Donnerstagmorgen im Gespräch mit dem Radiosender 100,7. Noch vor einem Jahr hatte Enovos auch für 2027 keine höheren Gaspreise erwartet. Diese Einschätzung hat sich inzwischen geändert.
Grund für die erwartete Entwicklung sind die derzeit hohen Preise auf den internationalen Gasmärkten. Enovos kauft Gas langfristig und teilweise bereits mehrere Jahre im Voraus ein. Dadurch werden kurzfristige Preisschwankungen abgefedert. Strukturelle Preissteigerungen erreichen die Kunden allerdings mit Verzögerung.
Gas derzeit günstiger als 2025
Aktuell ist die Lage für die Verbraucher noch vergleichsweise günstig, denn für die Kunden ist Gas zurzeit billiger als noch vor zwölf Monaten. Ein durchschnittlicher Haushalt zahle rund 2.700 Euro für Gas, erklärt von Scholz. Im vergangenen Jahr waren es im Durchschnitt knapp 3.100 Euro. Zusätzlich senkt die staatliche Unterstützung im Rahmen des Resilienzpakets den Preis derzeit um 15 Cent pro Kubikmeter.
Enovos ist nach Angaben des CEO zudem bereits teilweise für 2028 und 2029 eingedeckt. Das Unternehmen wolle bewusst nicht spekulativ am Markt agieren, sondern langfristig und verantwortungsvoll einkaufen.
Ein kalter Winter könnte Preise zusätzlich treiben
Wie stark sich die steigenden Einkaufspreise auf die Kunden auswirken, hängt laut von Scholz auch vom tatsächlichen Gasverbrauch ab. Sollte der kommende Winter besonders kalt ausfallen, könnte Enovos deutlich mehr Gas benötigen als bislang eingeplant. Das zusätzliche Gas müsste dann kurzfristig am Markt eingekauft werden – möglicherweise zu höheren Preisen.
Dabei spielt auch der Verbrauch der Privathaushalte eine wichtige Rolle. Dieser sei beim Gasverbrauch „sehr relevant“, erklärt von Scholz. Umso wichtiger seien Energieeffizienz und Einsparungen, insbesondere im Wärmesektor. Der verstärkte Einsatz von Wärmepumpen könne dazu beitragen, den Gasverbrauch langfristig zu reduzieren.
Ein milder Winter hätte den gegenteiligen Effekt: Der Gasbedarf wäre geringer als erwartet. Allerdings hängt die Preisentwicklung nicht allein vom Wetter in Europa ab. Auch die Nachfrage in Ländern wie den USA und China sowie die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen den weltweiten Gasmarkt. „Wir sehen ja schon, dass wir an einen Weltmarkt angeschlossen sind“, sagt von Scholz. Deswegen sei die Situation recht komplex.
Luxemburg hat Gasreserven im Ausland
Bei der Versorgungssicherheit sieht von Scholz Luxemburg gut aufgestellt. Da das Land selbst keine Gasspeicher besitzt, mietet Enovos Kapazitäten in Frankreich und Deutschland. Die gesetzlich vorgeschriebene Reserve von mindestens 15 Prozent des Gasverbrauchs werde erfüllt und teilweise sogar übertroffen.
Von Scholz sieht zudem Verbesserungsbedarf bei der europäischen Zusammenarbeit. Europa leide darunter, dass es keinen echten europäischen Markt gebe und die Mitgliedstaaten mit unterschiedlichen Mechanismen und Subventionen arbeiteten. Laut von Scholz sollten sie sich bei der Energieversorgung stärker abstimmen, statt jeweils eigene Strategien zu verfolgen. (DJ)