Volkswirtschaft

Der Arbeitsmarkt erholt sich, die Konjunktur schwächelt. Wie kann das sein?

Die Arbeitslosenquote sinkt, die Wirtschaft steht still, im Wettbewerbsranking geht es steil nach oben. Die gute Nachricht vom Arbeitsmarkt beschreibt vor allem eines: die Vergangenheit.

Der Arbeitsmarkt erholt sich, die Konjunktur schwächelt. Wie kann das sein?

Foto: Editpress

Beherrscht die Wirtschaft in Luxemburg das Spagat? Auf den ersten Blick sieht es so aus: Am 22. Juni teilt die ADEM mit, die Lage am Arbeitsmarkt habe sich im Mai leicht gebessert. Die Arbeitslosenquote sinke auf 6,2 Prozent. Es gebe weniger Neuanmeldungen und mehr gemeldete Stellen. Am 24. Juni meldet der Statec trübe Aussichten: Die Konjunktur habe sich im ersten Quartal nur mit Mühe gehalten. Im zweiten und wohl auch dritten Quartal werde die Dynamik nachlassen. Ein Widerspruch?

Ein Indikator, der hinterherläuft

Nein, denn der Arbeitsmarkt reagiert verspätet auf die Wirtschaftslage. Stellen werden nicht in dem Moment gestrichen, in dem die Aufträge ausbleiben, sondern erst Wochen oder Monate später. Umgekehrt stellen Betriebe erst dann wieder ein, wenn sie sich der Erholung sicher sind. Die Beschäftigung folgt der Konjunktur also mit Verzögerung.

Genau deshalb sind die Mai-Zahlen der ADEM mit Vorsicht zu lesen. Sie bilden das Jahresende 2025 ab, nicht die Abkühlung, die der Statec nun für das laufende Quartal erwartet. Die Entspannung am Arbeitsmarkt ist gewissermaßen ein Echo aus der Vergangenheit.

Dazu passt der Befund vom Monatsanfang: Luxemburgs Wirtschaft trat im ersten Quartal auf der Stelle, null Prozent Wachstum gegenüber den Vormonaten. Gerade die Industrie und der Finanzsektor sind am Schwächeln.

Globale Unsicherheiten

Den Bremsklotz für die kommenden Monate verortet das Statec vor allem außenwirtschaftlich. Die Blockade der Straße von Hormus hatte den Ölpreis zeitweise über 100 Dollar je Fass getrieben. Das schlägt über höhere Spritpreise auf die Inflation durch und drückt die Kaufkraft der Haushalte. Das Verbrauchervertrauen sinkt seit März, auch die Stimmung in den Unternehmen hat sich eingetrübt. Selbst nach der Einigung zwischen den USA und dem Iran vom 17. Juni rechnet der Statec nicht mit einer raschen Rückkehr zum alten Niveau, vor allem weil der Waffenstillstand noch längst nicht in trockenen Tüchern ist.

Aber selbst in den ADEM-Zahlen bröckelt die gute Nachricht bei genauerem Hinsehen. Besonders die hochqualifizierten Arbeitnehmer trifft die Jobflaute, mit einem Plus von 15,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Schwäche ist in den oberen Lohngruppen angekommen. Und der Zuwachs bei den gemeldeten Stellen geht laut ADEM vor allem auf saisonale Einstellungen eines einzigen Industriebetriebs zurück. Der Gesamtbestand an offenen Stellen schrumpft. Ein Lichtblick: Bei den unter 30-Jährigen fällt der Anstieg der Arbeitssuchenden mit 2,9 Prozent deutlich geringer aus als zuletzt.

Wie wenig tragfähig der Aufschwung ist, zeigt eine dritte Veröffentlichung in diesem Monat. Im Wettbewerbsfähigkeits-Ranking des IMD klettert Luxemburg zwar um sechs Plätze auf Rang 14. Doch der Sprung beruhe fast vollständig auf einem einzigen, schwankungsanfälligen Indikator, warnt die Handelskammer selbst. Die Binnenwirtschaft schwächelt, das Wachstum bleibt weit unter dem Schnitt der Vergleichsländer. Mag das Wetter auch heißlaufen, das Wirtschaftsklima in Luxemburg bleibt kühl mit Aussicht auf Frost.

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