Muttertag
Wie zwei Sportjournalistinnen Familie und Beruf unter einen Hut bringen
„Schreib’ doch mal darüber, wie es ist, Mutter und Sportjournalistin zu sein.“ Nun, es ist kein Tag wie der andere. Doch eins steht fest: Es gibt immer wieder Momente, für die sich der ganze Aufwand am Ende lohnt.
Christelle Diederich (l.) und Jenny Zeyen (r.) berichten täglich über Sport – oft zwischen Deadline und Abendbrot Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Echtes Teamwork
Ein Besuch in der Tageblatt-Redaktion ist für den Nachwuchs nichts Ungewöhnliches Foto: Editpress/Alain Rischard
Muttertag 2020 weckt bei mir ganz besondere Erinnerungen. Es war der Tag, an dem meine Mutter auf meinen Babybauch schaute und trocken meinte: „Das geht heute noch los.“ Und wie (fast) immer hatte Mama auch recht. Mein Erstgeborener hatte es kurz darauf dann auch ziemlich eilig. Vor fünf Jahren, zwischen den beiden ersten Corona-Wellen, war es eine Zeit der Entschleunigung, eigentlich die perfekte Zeit, um in die Rolle der Mama-Journalistin hineinzuschlüpfen. Im Oktober 2023 erblickte dann der kleine Bruder das Licht der Welt, die Familie war komplett und eine ordentliche Portion Chaos zog ins Haus ein. „Wie schaffst du das überhaupt mit zwei Kindern?“, eine Frage, die ich seither häufiger gehört und mir manchmal tatsächlich auch schon selbst gestellt habe.
Im Journalismus sind die Arbeitszeiten bekanntlich flexibel, im Sportjournalismus noch mehr. Wettkämpfe finden nun einmal nicht wochentags zwischen 9.00 und 17.00 Uhr statt. Ein Spiel abends um 20.45 Uhr ist da genauso Usus wie Veranstaltungen am Wochenende, sozusagen die „Stoßzeit“ des Sports, oder eine Woche im Ausland, wie noch vor wenigen Tagen bei den Spielen der kleinen Staaten in Andorra. Eine Woche, in der es auch nicht immer möglich war, lange mit den eigenen Kindern zu telefonieren, da man von einer Sportstätte zur nächsten hetzen, die Artikel meist irgendwo in der Zuschauertribüne oder in einer Ecke auf dem Boden schreiben und ganz nebenbei ja auch noch eine Deadline berücksichtigen musste.
Ohne den Rückhalt und auch eine gewisse Sportbegeisterung vom Partner zu Hause, ohne eine Schwester, die ihren Urlaubsplan auch schon einmal nach Sportveranstaltungen im Ausland erstellt, wäre mein Job und Mama-Sein sicherlich nicht möglich. Echtes Teamwork demnach, das es auch im September in der Tageblatt-Redaktion gab, als Mama ihre Basketball-Beilage fertigstellen musste und Papa genau an dem Tag einen wichtigen Termin reingedrückt bekam. Da versuchte dann auch der Chefredakteur, meinen Nachwuchs bei Laune zu halten. Es ist genau dieses Verständnis, das seit Corona zugenommen hat, das einem den Job am Ende dann doch um einiges leichter macht.
Und auch wenn der Schlaf in den letzten Jahren häufig zu kurz kam, wie zuletzt nach der Woche in Andorra, als ich nach mehr als 24 Stunden auf den Beinen nicht ins Bett fiel, sondern erst einmal bis zum nächsten Spielplatz spaziert bin, so würde ich keinesfalls tauschen wollen. Denn gibt es etwas Schöneres, als nach genau so einer Woche von zwei strahlenden Gesichtern empfangen zu werden? Die Welt und auch den Sport durch Kinderaugen noch einmal komplett neu zu entdecken? Für mich nicht. (Jenny Zeyen)
Mit dem gleichen Virus infiziert
Christelle Diederich mit ihren zwei Töchtern und ihrem Mann Foto: privat
Montagmorgen: der persönliche Erzfeind dieser Mama und Sportjournalistin. In der Küche beschwert sich das hochmotivierte Kind A bereits beim Mann des Hauses über die ungerechte Aufteilung der Trauben in der Brotdose, während Kind B einem noch völlig apathisch und überfordert im Hausflur entgegenkommt und sich wohl ebenso (wie Mama) fragt, welchen Tag wir gerade haben.
Sportjournalisten haben den härtesten Tag (was eben meist der Sonntag ist) der Woche gerade hinter sich – und so holt einen der Wecker auf brutalste Weise auf den harten Boden der Tatsachen zurück. Diese halbe Stunde, bevor der Nachwuchs das Haus verlässt, kann man sicherlich mit einem heißen Tanz auf einem Minenfeld beschreiben. Jede Bemerkung, jedes noch so kleine Detail konnte den Hausfrieden schon vor 7.00 Uhr hochgehen lassen.
Wesentlich entspannter geht es tatsächlich während der meisten anderen Morgenstunden der Woche zu. Es hilft, wenn Schulranzen, Kleidung und Sporttaschen abends nach dem Training vorbereitet werden und der Diskussionsradius dadurch im Vorfeld eingedämmt wird. An vielen Tagen dominiert beim Frühstück das Thema Sport: Wer hat gestern gewonnen, als wir schon im Bett lagen? Was bedeutet das für die Tabelle? Wer spielt heute?
Möglich ist das nur, weil die (nicht mehr so ganz) Mini-Diederichs seit Tag eins überall mitgeschleppt worden sind: zu Fußballspielen, zum Basketball, zur Flèche du Sud oder zu Olympischen Sommerspielen. Würde die ganze Familie die Sportbegeisterung nicht teilen, wäre das Verständnis für späte Telefonate mit Vereinspräsidenten, kurzfristige Seitenplanänderungen, spontane Pressekonferenzen oder das Zu-Bett-Gehen ohne einen Kuss von Mama sicher nicht möglich. Dazu gehört auch, dass sie schon so manches Interview im Auto mitgehört haben, schockierte Blicke ausgetauscht haben, wenn mal ein „böses Wort“ fiel, oder geholfen haben, irgendwelche McDonald’s-Kassenbons aus der Tür zu fischen, da der Notizblock nicht aufzufinden war.
Die Schuldgefühle, wenn man mal aufgrund des Berufs nicht bei einem Spiel oder Training der eigenen Kids dabei sein kann, sind heute definitiv besser erträglich als noch vor ein paar Jahren. Dabei hilft es, dass Kind B mittlerweile alt genug ist, um WhatsApp-Nachrichten zu schicken, während die verwackelten Handyfotos von Kind A ihren besonderen Charme behalten. Das dürfte aber nicht nur Sportjournalistinnen so ergehen, sondern generell allen Mamas mit leichtem Helikopter-Eltern-Touch.
Zwischen täglichem Taxi-Dienst zum Fußballtraining und Wäschebergen von Fast-Teenies ist die sogenannte „Work-Life-Balance“ besonders im Homeoffice im Ungleichgewicht. Fakt ist: Beides unter einen Hut zu bekommen, wird besser und leichter, je älter die eigenen Kinder werden. Sowohl das Muttersein als auch der Job sind jeden Tag aufs Neue mit Überraschungen und kurzfristigen Entscheidungen verbunden. Das macht auch den Charme des Ganzen aus. Das Interesse für Mamas Zeitungsartikel, ihr – zugegeben – schon etwas beängstigendes Wissen über BGL-Ligue-Kader und Aufstellungen oder das stolze Grinsen, wenn sie mir wieder zuflüstern: „Dich kennt ja hier wirklich jeder“ – das alles sind die Momente, für die sich der ganze Aufwand am Ende lohnt.
Und das Beste zum Schluss: Am kommenden Montag klingelt der Wecker nicht! (Christelle Diederich)