Nach tödlichen Messerstichen
Urteil des Berufungsgerichts für Jeunesse-Trainer fällt deutlich milder aus
Das Berufungsgericht hat am Mittwoch das Urteil für den ehemaligen Jeunesse-Trainer deutlich abgeschwächt: Acht statt 18 Jahren Haft.
Der ehemalige Trainer der Jeunesse Esch ist am Mittwoch auch in zweiter Instanz schuldig gesprochen worden Foto: Editpress/Tania Feller
Der ehemalige Minimes-Trainer der Jeunesse Esch, der 2023 in einen tödlichen Zwischenfall bei einem Training verwickelt war, ist am Mittwoch in zweiter Instanz schuldig gesprochen worden. Die Strafe fällt allerdings deutlich milder aus, als es das Urteil aus erster Instanz vorsah. Damals wertete der Richter den Tatbestand als Totschlag mit Tötungsabsicht. Das Berufungsgericht kam allerdings zu dem Schluss, dass es sich „um Körperverletzung mit Todesfolge ohne Tötungsabsicht handelt“, wie das Luxemburger Wort am Mittwoch berichtet. Der Angeklagte wurde demnach zu acht Jahren Haft, davon vier auf Bewährung, verurteilt. Das Urteil aus erster Instanz sah 18 Jahre Haft, davon zwölf auf Bewährung, vor.
Der Anwalt des Verurteilten, Me Mioli, sprach am Mittwoch bei Radio 100,7 trotz des Schuldspruchs von einem Sieg, da der Vorwurf des Totschlags mit Tötungsabsicht nicht bestehen blieb. „Sie haben sich für vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge ohne Tötungsabsicht entschieden. Mit dieser Entscheidung kann ich leben, und ich hoffe, mein Mandant kann das auch! Und ja, die auf ein angemessenes Maß reduzierte Strafe scheint mir angesichts dieses Falles, der doch alles andere als eindeutig war, ebenfalls eine gute Sache zu sein!“, sagte Mioli dem Radiosender.
Was war geschehen?
Ein 25-Jähriger drang am 20. Januar 2023 mit zwei Messern bewaffnet auf das Spielfeld beim Training der Jeunesse-Minimes (U13) vor. Der damals 22-jährige Trainer und ein Spielervater überwältigten den Eindringling. Dabei nutzte der Jugendtrainer eines der Messer, das der Angreifer laut einer Pressemitteilung der Justiz zuvor fallen gelassen hatte, und stach mehrmals auf den immobilisierten Angreifer ein. Doch habe er „zu diesem Zeitpunkt keine Gefahr mehr dargestellt“, hieß es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. Der Angreifer erlag einige Stunden später seinen Verletzungen. Über die Identität des Toten machte die Justiz keine Angaben.
Im Visier der Behörden waren zunächst mit dem Bruder des Trainers und zwei Vätern von Jugendspielern auch weitere Beteiligte am tödlichen Zwischenfall. Im Juli 2023 wurde der Tathergang vor Ort rekonstruiert. Wenig später wurde der Hauptverdächtige, der seit Januar 2023 in Sanem in Untersuchungshaft gesessen hatte, unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.