FIFA

UEFA-Boykott-Drohung vom Tisch, doch der Machtkampf tobt weiter

Im Kampf um die Macht bei der FIFA könnte die UEFA ihre Boykott-Drohung für Turniere des Weltverbandes zeitnah zurücknehmen.

Gianni Infantino (r.) hat die Unterstützung der UEFA um Präsident Aleksander Ceferin (l.) verloren

Gianni Infantino (r.) hat die Unterstützung der UEFA um Präsident Aleksander Ceferin (l.) verloren Foto: AFP/Kirill Kudryavtsev

Die Boykott-Drohung verschwindet wohl vom Tisch, doch der Machtkampf tobt weiter: Im Ringen um das Sagen bei der FIFA wird die Europäische Fußball-Union (UEFA) ihre Verweigerungshaltung für Turniere des Weltverbandes offenbar aufgeben. Hintergrund ist die angebliche Zusage der FIFA, wonach etwas Vergleichbares wie der inzwischen verworfene WM-Investorenplan von Präsident Gianni Infantino für die Zukunft ausgeschlossen sei. Diese Zusage hatte die UEFA verlangt. Am geforderten Rückzug Infantinos halten die Europäer dennoch fest.

Über weitere Schritte will die UEFA am Donnerstag beraten. Dann treffen sich die 55 nationalen Verbandsbosse und das Exekutivkomitee rund um die Auslosung zur Champions League in Monaco.

Die U20-WM der Frauen (ab 5. September), die als erstes Turnier von einem UEFA-Boykott betroffen wäre, dürfte wie geplant stattfinden. Die Vorbereitungen verliefen „planmäßig“, teilte der polnische Verband als Gastgeber am Mittwoch auf SID-Anfrage mit: „Zum jetzigen Zeitpunkt“ gebe es „keinerlei Informationen über einen möglichen Rückzug eines der teilnehmenden Teams vom Turnier“.

Zwei Optionen für Infantino

Nach dem Rückzug des Plans hatte die UEFA mitgeteilt, dass sie ihre Bedingungen für eine Rückkehr zu FIFA-Wettbewerben klar formuliert habe: Demnach müsse sichergestellt sein, „dass derartige Versuche, den Fußball auf diese Weise zu entstellen, niemals wieder unternommen werden“, hieß es Anfang August.

Beim Rückzug der Idee, Anteile an ihren Turnieren an private Investoren zu verkaufen, die auch aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump kommen, hatte die FIFA keine Zusicherung gegeben, dass ein ähnlicher Plan künftig nicht wieder verfolgt werde. Laut Guardian sei dies in Form eines „privaten Schreibens“ an die UEFA nun nachgeholt worden. Trotz des öffentlichen Machtkampfes sei hinter den Kulissen über die Bedingungen für die Aufhebung der Drohung verhandelt worden.

Die Streitigkeiten sind damit aber nicht beigelegt. Für den schwer angeschlagenen FIFA-Chef gebe es zwei Optionen, sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin zu Beginn der Woche im britischen Podcast „The Rest is Politics“. Infantino müsse erkennen, „dass er nicht über die nötige Unterstützung verfügt“ – und somit quasi selbst zurücktreten. Sollte er sich beim Kongress im März 2027 dennoch zur Wiederwahl stellen, werde es wohl einen Gegenkandidaten geben. Das Stimmungsbild in der Fußballwelt bleibt aber ziemlich diffus.

Er wisse noch nicht, wer ein möglicher Gegenkandidat sein werde, sagte Ceferin, eine eigene Kandidatur für den Posten an der FIFA-Spitze schloss der Slowene aber aus. Er bezweifelt dazu, dass der Katarer Nasser Al-Khelaifi, mächtiger Klubboss von Paris Saint-Germain, antreten wird. Vieles deutet inzwischen darauf hin, dass Victor Montagliani aus Kanada, Chef der Verbände aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik (Concacaf), bis zum Ende der Nominierungsfrist am 18. November als Herausforderer ins Rennen gehen könnte, um Infantino zu Fall zu bringen. (SID)

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