NFL

Tom Brady: Der „Spion“ mit zwei Hüten

Der ehemalige NFL-Superstar Tom Brady füllt seit seinem Rücktritt mehrere Rollen aus. Und das sorgt zunehmend für Unmut.

Tom Brady erhält als TV-Experte Einblicke in die Strategien und Match-Pläne der Teams

Tom Brady erhält als TV-Experte Einblicke in die Strategien und Match-Pläne der Teams Foto: AFP/Geoff Stellfox

Als Tom Brady noch Football spielte, hat er nur wenig falsch gemacht. Siebenmal gewann er den Super Bowl, fünfmal war er dabei der MVP. Brady ist der GOAT, der „Greatest of All Time“. Dass es der ehemalige Star-Quarterback in seiner einzigartigen Karriere mit der einen oder anderen Regel nicht immer genau nahm – fast vergessen. Neuerdings aber häuft sich wieder die Kritik an ihm.

Trotz seines Rücktritts vor zwei Jahren ist der 48-Jährige nach wie vor allgegenwärtig. Vor allem, weil er inzwischen für den Sender Fox Spiele der National Football League (NFL) kommentiert: Er befindet sich in der zweiten Saison eines Vertrags über zehn Jahre, für den er insgesamt 375 Millionen Dollar erhält. Was er dabei ins Mikrofon spricht, kommt nicht immer gut an.

Zunehmend kritisch wird Bradys Rolle als TV-Experte innerhalb der Liga gesehen. In der NFL ist es üblich, dass die Kommentatoren vor einem Spiel Hintergrundgespräche mit den Coaches der beiden Teams führen – dabei wird nicht zuletzt über Match-Pläne und Strategien geredet. Dadurch haben die Männer und Frauen am TV-Mikrofron einen Wissensvorsprung gegenüber dem Publikum. Im Normalfall.

Brady darf virtuell an diesen „production meetings“ teilnehmen – aber: Er hat noch einen zweiten Hut auf. Brady ist Miteigentümer der Las Vegas Raiders, und als solcher dürfte er dieses TV-Insider-Wissen nicht haben. Kein Wunder also, dass der Unmut über den Spion zunimmt, denn Brady scheint seine Einblicke als TV-Experte auch für die Raiders zu nutzen.

„Kein Dilemma“

Brady weist die Kritik in seinem wöchentlichen Newsletter zurück. Er fühle sich dem Sport, der ihm so viel gegeben habe, „moralisch und ethisch“ verpflichtet, schrieb er: „Deshalb ist der Punkt, an dem sich meine Rollen überschneiden, kein Konfliktpunkt, auch wenn Paranoiker und Misstrauische das vielleicht glauben mögen.“ Es gebe „kein Dilemma“ durch seine beiden Rollen.

Man kann das auch anders sehen: Am ersten Spieltag der neuen Saison kommentierte Brady das Spiel der New York Giants gegen die Washington Commanders, die nun in der dritten Woche im Montagspiel bei ESPN auf die Raiders trafen. Brady war selbstverständlich auch vor Ort – allerdings: Er saß mit Kopfhörern im „Coaches’ Booth“ der Raiders.

Immerhin: Der mutmaßliche Wettbewerbsvorteil war keiner, die Raiders verloren. Doch der nächste Streitfall steht schon bevor: Am vergangenen Sonntag war Brady der sogenannte „analyst“ beim Spiel der Chicago Bears gegen die Dallas Cowboys – und am kommenden Sonntag treffen die Raiders auf die Bears. Die Besitzer anderer Teams sprechen mittlerweile anonym von einem „unfairen Vorteil“. Brady hält die Kritiker für „geblendet von Misstrauen“.

Die NFL sieht an Bradys Verhalten nichts Verwerfliches. „Es gibt keine Richtlinien, die es einem Besitzer verbieten, während eines Spiels in der Trainerkabine zu sitzen oder ein Headset zu tragen“, teilte sie zu Wochenbeginn mit und betonte: Es bleibe am Ende jedem Klub, Trainer oder Spieler selbst überlassen, was er Brady in den TV-Hintergrundgesprächen sage – oder eben nicht.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Kampf gegen unsauberen Sport in Luxemburg

Von der ALAD zur ALIS: Die Agentur für Integrität im Sport erweitert ihren Aufgabenbereich