Kunstturnen

Endlich zurück: Céleste Mordenti schnuppert nach Verletzung wieder Wettkampfluft

Eine komplexe Fußverletzung, acht Monate ohne Wettbewerb. Luxemburgs beste Kunstturnerin hat schwierige Monate hinter sich und freut sich darauf, bei den Luxembourg Open am Donnerstag endlich wieder Wettkampfluft schnuppern zu dürfen.

Céleste Mordenti fokussiert sich entschlossen auf die EM im August nach herausfordernden letzten Monaten

Céleste Mordenti möchte die schwierigen letzten Monate hinter sich lassen und hat die EM im August fest im Blick Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Das Jahr 2025 verlief für Céleste Mordenti zunächst vielversprechend. Beim Weltcup im bulgarischen Varna sicherte sich die junge Kunstturnerin im Mai eine weitere Bronzemedaille am Stufenbarren. Auch bei der Europameisterschaft im selben Monat zeigte sie eine solide Leistung, verpasste das Mehrkampffinale jedoch denkbar knapp um nur 0,433 Punkte und belegte am Ende Rang 31. Zudem wurde ein Element am Schwebebalken nach ihr benannt.

Ihre kontinuierliche Entwicklung seit dem Wechsel nach Amsterdam setzte sich damit nahtlos fort, sodass sich die inzwischen 23-Jährige für die Weltmeisterschaft im Herbst einiges vorgenommen hatte. Hinzu kam, dass im postolympischen Jahr kein Teamwettbewerb auf dem Programm stand und die Teilnehmerzahl entsprechend geringer war – die Chancen auf eine gute Platzierung also durchaus gegeben schienen. „Ich hatte das Gefühl, dass es hier wirklich mehr Möglichkeiten gewesen wären.“

Doch kurz vor dem World Challenge Cup in Paris im vergangenen September wurde sie durch eine Verletzung ausgebremst und musste passen. Zu diesem Zeitpunkt ging Mordenti noch davon aus, rechtzeitig zur einen Monat später stattfindenden WM in Jakarta zurückkehren zu können – eine Einschätzung, die sich als falsch herausstellte.

„Es war eine sehr komplexe Fußverletzung“, erklärt sie ein halbes Jahr später. Die Verletzung machte nicht nur ein geregeltes Training über Monate hinweg unmöglich, sondern beeinträchtigte auch ihren Alltag erheblich. Jeder Schritt war über Wochen hinweg mit starken Schmerzen verbunden, normales Gehen zeitweise gar nicht möglich.

„Man war sich nicht sicher, wie der Rehaprozess verlaufen würde, und im Endeffekt hat es länger gedauert, als ich gehofft hatte. Es war wirklich lang. Zwischendurch habe ich auch viel gezweifelt und mich gefragt, ob es überhaupt noch einmal besser werden würde“, berichtet die 23-Jährige.

Ein einziges Gerät

Zunächst ein Gips, dann ein Walker – noch Anfang Januar war an Wettkämpfe überhaupt nicht zu denken. „Seit Februar geht es aber endlich wieder bergauf. Die Ärzte waren in den letzten Wochen auch zunehmend beruhigt, dass es nun besser wird“, sagt die Turnerin mit einem leichten Lachen.

Auch wenn ihr Training weiterhin angepasst ist, zeigt die Entwicklung inzwischen klar in die richtige Richtung. Umso größer ist die Freude der COSL-Elitesportlerin, bei den Luxembourg Open in Belair am Donnerstag ins Wettkampfgeschehen zurückzukehren – wenn auch noch mit angezogener Handbremse. Denn Mordenti wird ausschließlich am Stufenbarren, ihrem Paradegerät, antreten.

Es war das Gerät, das ihr die schwierigen letzten Monate etwas leichter machte, wie sie verrät. „Ich habe in all dieser Zeit nie aufgehört, am Barren zu trainieren.“ Immerhin ist es das Gerät, bei dem der Fuß weniger belastet wird als zum Beispiel am Schwebebalken. „Für Donnerstag stellt sich eigentlich nur die Frage nach dem Abgang. Da habe ich in den letzten Wochen von Einheit zu Einheit geschaut und werde kurzfristig entscheiden, welche Variante am sinnvollsten ist.“

Abseits davon bestimmte vor allem die Reha ihren Alltag. „Viele Leute meinten, dass ich wegen meiner Verletzung viel mehr Zeit hätte – das war aber sicher nicht so“, sagt sie lachend. „Die ganzen Übungen, damit es dem Fuß endlich besser geht, haben sehr viel Energie und Zeit gekostet. Außerdem musste ich ständig schauen, wie ich mich vor Ort überhaupt fortbewege“, fügt sie hinzu.

Dankbar zeigt sich Mordenti insbesondere für die Unterstützung durch die Experten des LIHPS in Luxemburg. Vor allem gegen Ende des Jahres 2025 hielt sie sich häufiger im Großherzogtum auf „Es hat sich wirklich gut angefühlt, in einer so schweren Phase so gut begleitet zu werden.“

Blick Richtung EM

Was bei Céleste Mordenti sofort auffällt, ist die große Freude darüber, endlich wieder im Wettkampf dabei sein zu können. „Ich bin einfach glücklich, überhaupt wieder turnen zu können – ich habe es wirklich vermisst.“ Dass die vergangenen Monate auch mental eine große Herausforderung waren, verschweigt sie nicht. Schließlich war es ihre erste wirklich langwierige Verletzungspause.

„Dass ich nicht zur WM konnte, damit hatte ich mich dann aber schnell abgefunden, weil es einfach auch nicht die wichtigste war“, erklärt sie. Eine Olympiaqualifikation stand im vergangenen Jahr ohnehin nicht auf dem Programm. Umso positiver ist für sie, dass die Höhepunkte der aktuellen Saison deutlich später stattfinden: Die Europameisterschaft in Zagreb beginnt nicht wie sonst häufig im Frühling, sondern erst im August, die Weltmeisterschaft in Rotterdam ist sogar erst für Mitte Oktober angesetzt. „Das ist wirklich das Gute am schlechten Verletzungs-Timing“, meint die 23-Jährige schmunzelnd. „Der Fokus liegt jetzt erst einmal auf der EM, bei der ich hoffentlich wieder einen kompletten Mehrkampf turnen kann.“

Zwischendurch habe ich auch viel gezweifelt und mich gefragt, ob es überhaupt noch einmal besser werden würde

Céleste Mordenti

über ihre Fußverletzung

Beim Wiederaufbau, der Schritt für Schrifft verläuft, soll auch der Weltcup in der kommenden Woche im kroatischen Osijek helfen. Ein weiterer Weltcup Mitte April in Doha war ursprünglich ebenfalls eingeplant, wurde jedoch aus geopolitischen Gründen abgesagt.

Um bis zur EM weitere wichtige Wettkampfpraxis zu sammeln, plant Luxemburgs beste Turnerin anschließend Starts bei mehreren kleineren Wettkämpfen in den Niederlanden. „Ich möchte mich einfach darauf konzentrieren, wieder auf allen vier Geräten antreten zu können.“

Positiv in die Zukunft schauen und die schweren letzten Monate hinter sich lassen, das ist das Ziel von Céleste Mordenti, die die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles weiter fest im Blick hat. Rückenwind gibt ihr auch ihr Studium in den Niederlanden: Ihren Bachelor in Künstlicher Intelligenz hat sie bereits in nur drei Jahren abgeschlossen, inzwischen hat sie ihr Masterstudium begonnen.

Eine Rekordauflage

Nach langer Pause organisierte die FLGym im Jahr 2023 wieder einen internationalen Wettkampf. Mit Erfolg: Die Luxembourg Open haben sich seither zu einem festen Termin, nicht nur im luxemburgischen Turnkalender entwickelt. In diesem Jahr können sich die Organisatoren, die erstmals auch ein kleines Preisgeld eingeführt haben, über eine Rekordteilnahme freuen. 22 Nationen, darunter Belgien, die Niederlande, Großbritannien, Italien, die Schweiz und Spanien, aber auch Länder wie Australien, Argentinien, Kanada, Hongkong und Honduras, haben sich angemeldet. Integriert in die Luxembourg Open sind auch wieder die nationalen Meisterschaften.

Im Überblick

Luxembourg Open 2026:

Donnerstag:

10.30 Uhr: Mehrkampf und Teamwettbewerb Junioren und Seniors (Damen und Herren)

16.15 Uhr: Mehrkampf um Teamwettbewerb Seniors (Damen und Herren)

Freitag:

13.00 Uhr: Gerätefinals Junioren (Damen und Herren)

16.15 Uhr: Gerätefinals Seniors (Damen und Herren)

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