Kampf gegen unsauberen Sport in Luxemburg

Von der ALAD zur ALIS: Die Agentur für Integrität im Sport erweitert ihren Aufgabenbereich

Es beginnt eine neue Ära im Kampf gegen unsauberen Sport in Luxemburg: Am 1. April hat die nationale Antidoping-Agentur (ALAD) offiziell den Schritt zur Agentur für Integrität im Sport (ALIS) vollzogen und ihren Aufgabenbereich erweitert. Das Team um Direktor Loïc Hoscheit engagiert sich neben der Antidopingarbeit nun auch in den Bereichen Safeguarding und Manipulationsbekämpfung.

Loïc Hoscheit, Direktor der ALIS, steht vor einem modernen Bürogebäude und lächelt in die Kamera

Loïc Hoscheit ist Direktor der ALIS Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Die Geschichte

Mit der Gründung des „Comité national de lutte contre le dopage dans le sport“ wurden 1990 die ersten Grundlagen für den Kampf gegen unsauberen Sport in Luxemburg gelegt. Einen entscheidenden Meilenstein markierte 2004 die Schaffung der „Agence Luxembourgeoise Antidopage“ (ALAD), die aus einer gemeinsamen Initiative des Sportministeriums und des nationalen Olympischen Komitees (COSL) hervorging. Als unabhängige Institution professionalisierte die Agentur seither den Kampf gegen Doping im Großherzogtum. Im Jahr 2026 beginnt nun eine neue Ära. Die ALAD wird zur „Agence Luxembourgeoise pour l’Intégrité dans le Sport“ (ALIS). Der Tätigkeitsbereich wird damit über die reine Antidoping-Arbeit hinaus erweitert.

Die Umstrukturierung

„Im Bereich der Integrität im Sport kommen ständig neue Herausforderungen auf uns zu“, sagte Direktor Loïc Hoscheit am Mittwochabend bei der offiziellen Vorstellung der ALIS. „Antidoping ist längst nicht mehr der einzige Faktor. Zukünftig fallen deswegen in unseren Zuständigkeitsbereich auch Safeguarding und Manipulation.“ Die ALIS bildet damit den Rahmen, der einen sicheren und glaubwürdigen Sport in Luxemburg fördern soll. Um den erweiterten Aufgaben gerecht zu werden, wurde die Personalstruktur bereits ausgebaut. „Als ich 2023 bei der ALAD anfing, waren wir zu dritt. Mittlerweile sind wir acht Leute. Perspektivisch sollen wir in zwei Jahren 15 sein.“

Sportministerin Martine Hansen mit COSL-Präsident Michel Knepper und Loïc Hoscheit bei ALIS-Ausstellung in der Coque

Sportministerin Martine Hansen schaut sich gemeinsam mit COSL-Präsident Michel Knepper und Loïc Hoscheit eine Ausstellung der ALIS in der Coque an Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Antidoping

Die Antidopingarbeit gehört zum Kernbereich der Agentur und soll weiter ausgebaut werden. Es ist ein komplexes Thema. „Wir haben 2.600 Seiten Antidopingregeln. Es ist schwer, von einem Sportler, Trainer oder Verbandspräsidenten zu erwarten, diese alle auswendig zu kennen“, erklärt Hoscheit. Neben Kontrollen, der Auswertung von Ergebnissen, Ermittlungen bei Verstößen sowie der Begleitung verletzter und erkrankter Sportler spielt deshalb auch Aufklärung weiterhin eine zentrale Rolle. „Wir können die wichtigen Dinge im Vorfeld erklären, damit die Sportler nicht so verloren sind – vor allem junge Sportler. Wir nehmen sie an die Hand. Die Antidopingarbeit bleibt wichtig für die Zukunft eines sauberen und integeren Sports.“

Safeguarding

„Unter Safeguarding versteht man alle proaktiven und reaktiven Maßnahmen, die man treffen kann, um gegen Gewalt im Sport vorzugehen“, erklärt Hoscheit. Ziel sei es, ein Umfeld zu schaffen, in dem jeder sicher Sport treiben kann. Neben präventiver Arbeit fungiert die ALIS auch als Anlaufstelle bei Gewaltvorfällen – sei es körperlicher, psychischer oder sexueller Natur. Noch bevor die neue Agentur am 1. April offiziell ihre Arbeit aufnahm, gab es bereits erste Meldungen. „Das heißt, es gibt ein Bedürfnis und eine Nachfrage, um Hilfe zu bekommen“, betont Hoscheit. Die ALIS nimmt solche Hinweise entgegen und begleitet Betroffene. „Wir haben ein ganzes Netzwerk aufgebaut mit professionellen Leuten, unter anderem aus dem juristischen und medizinischen Bereich, die bereit sind, zu helfen“, so der ALIS-Direktor. Zum Aufgabenbereich zählt auch die Aufarbeitung des Problems. Fälle außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs – etwa sexuelle Übergriffe – werden an Polizei und Justiz weitergeleitet. Liegt ein Fall jedoch im Kompetenzbereich der Agentur, wird er untersucht. Die Ergebnisse gehen anschließend an die zuständigen Verbände oder Vereine. „Das Ziel ist es, dass die Einheiten, die verantwortlich für den jeweiligen Sport sind, die Konsequenzen aus unseren Berichten ziehen“, erklärt Hoscheit. „Wir sind da, um sie zu unterstützen, wenn sie das wollen.“

Mitarbeiter der ALIS beim Kampf gegen Doping im Sport mit moderner Laborausrüstung und Analysegeräten

Der Kampf gegen Doping gehört zum Kernbereich der ALIS Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Manipulation

Der dritte Zuständigkeitsbereich der ALIS ist besonders komplex und reicht weit „über den Briefumschlag unter dem Tisch“ hinaus, wie Hoscheit betont. Im Fokus steht vor allem die Beeinflussung von Wettbewerben durch illegale Sportwetten. In Luxemburg existiert mit der „Loterie nationale“ lediglich ein legaler Anbieter mit gültiger Lizenz. „Um diesen müssen wir uns keine Sorgen machen“, so Hoscheit. „Die illegalen Wettanbieter sind das Problem. Das ist ein weltweit riesiger Markt. Schätzungsweise werden jährlich weltweit 1.700 Milliarden Dollar über illegale Sportwetten auf Wettbewerbe gesetzt.“ Dass Luxemburg davon unberührt ist, hält er für unwahrscheinlich. „Ich habe selbst im Sportwettbereich gearbeitet (bei Winamax) und gesehen, dass – nicht spezifisch in Luxemburg, aber auf vergleichbarem Niveau – unzählige Wettbewerbe und Spiele manipuliert werden. Je weniger hingeschaut wird, desto mehr wird gemacht.“ Die Bekämpfung gestaltet sich schwierig und erfordert internationale Kooperation, da es um eine weltweit organisierte Kriminalität geht. „Man weiß nicht, wo das Geld hinfließt und wo die Menschen dahinter sitzen. Es ist aber aufzuarbeiten und dagegen vorzugehen, wenn man es gemeinsam macht.“ Wie in den anderen Bereichen setzt die ALIS auch hier zunächst auf Sensibilisierung. „Wir müssen unsere jungen Sportler darauf vorbereiten, dass ihre Wettbewerbe wahrscheinlich weltweit verfügbar sind, um Wetten abzuschließen. Sie müssen wissen, dass sie wahrscheinlich über soziale Medien angesprochen werden, oder besser gesagt, bedroht werden, wenn sie verlieren oder sie nicht richtig gewinnen – mit 2:0 anstatt 3:0“, so Hoscheit. Konkrete Fälle in Luxemburg sind bislang nicht bekannt. „Bis heute hat aber auch noch niemand hingeschaut. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nichts wissen, weil wir nicht hinschauen“, sagt Hoscheit. Das soll sich nun ändern.

Einen Verstoß melden

Ob Doping, Safeguarding oder Manipulation – Verstöße können über ein Formular auf der neuen Webseite der ALIS (www.alis.lu) vertraulich und auf Wunsch auch anonym gemeldet werden. „Wir wollen, dass alle Leute, die im Umfeld eines Sportlers sind, uns Feedback geben“, so Hoscheit. „Wir können viele Dinge aufarbeiten, sind aber darauf angewiesen, kooperativ mit der Sportbewegung zusammenzuarbeiten.“

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