Cyclocross
Sanne Cant: „Marie hat das Talent dazu, eines Tages Weltmeisterin zu werden“
Seit dieser Saison arbeitet Marie Schreiber mit einer echten Legende zusammen: Cyclocross-Dreifachweltmeisterin Sanne Cant. Am Sonntag war die Belgierin bei den Landesmeisterschaften in Diekirch vor Ort. Dem Tageblatt verrät sie, warum sie der 22-jährigen Luxemburgerin eine große Zukunft zutraut.
Das Highlight dieser Saison findet für Marie Schreiber am 31. Januar in Hulst statt Foto: Editpress/Luis Mangorrinha
Es ist nicht oft der Fall, dass Sanne Cant in Luxemburg weilt. Sicherlich fährt die in der Nähe von Antwerpen lebende Belgierin hin und wieder durch das Großherzogtum – doch vor allem an diesen einen Tag erinnert sie sich gerne. „Ich denke gerne an die Zeit in Luxemburg zurück“, sagt Cant mit einem breiten Lächeln. Am 28. Januar 2017 fuhr sie in Beles ihren ersten von insgesamt drei Weltmeistertiteln ein. Damals setzte sie sich vor der Niederländerin Marianne Vos und der Tschechin Katerina Nash durch.
Im Februar 2025 beendete die 15-fache belgische Landesmeisterin ihre aktive Karriere – und trainiert seit dieser Saison das Cyclocross-Duo des Teams SD Worx Protime: Marie Schreiber und die Ungarin Kata Blanka Vas. Am Sonntag war Cant bei kalten Bedingungen in Diekirch vor Ort, um Schreiber zu unterstützen. „Um Rennen zu fahren, ist das wirklich gutes Wetter“, sagte die 35-Jährige. „Aber am Parcours zu stehen, ist doch noch mal was anders.“
Saison-Highlight am 31. Januar
Cant kennt Schreiber noch aus gemeinsamen Zeiten als Konkurrentin. In der vergangenen Saison fuhren beide noch Rennen gegeneinander, mittlerweile ist Cant ihre Trainerin. „Wir hatten jetzt eine harte Trainingswoche. Die Landesmeisterschaft gehört zum Trainingsblock dazu.“ In Diekirch setzte sich Schreiber wie erwartet souverän durch und feierte ihren dritten Landesmeistertitel in Folge.
Was jedoch wirklich zählt, ist das WM-Rennen am 31. Januar im niederländischen Hulst. Bis dahin will Cant ihren Schützling in Bestform bringen – trotz der Probleme, mit denen die Luxemburgerin zu Saisonbeginn zu kämpfen hatte. „Es ist eine harte Saison für sie. Aber wir haben jetzt noch drei Wochen Zeit und sie kann es bis dahin schaffen, bei 100 Prozent zu sein. Sie war sehr stark beim Rennen in Diegem. Das hat gezeigt, dass die Form eigentlich stimmt. Jetzt müssen wir im Training noch intensiver werden und dann bin ich optimistisch für Hulst.“
Mentale Herausforderung
Nach dem starken zweiten Platz in Diegem folgte für Schreiber nur wenige Tage später ein Rückschlag: Beim Weltcup in Zonhoven belegte sie lediglich Rang 21. Cant misst diesem Ergebnis jedoch keine allzu große Bedeutung bei. „Sie hat sich an dem Tag nicht gut gefühlt und dazu kam, dass sie aus der dritten Reihe starten musste. Mit dem Schnee und dem engen Parcours in Zonhoven war es sehr schwer, zu überholen.“
Für Schreiber ist die Situation jedoch vor allem mental nicht einfach. Doch die ruhige Art von Cant scheint positive Auswirkungen auf Schreiber zu haben. „Manchmal ist sie mental gut und manchmal nicht. Wir arbeiten daran. Ich kenne diese Situation und versuche sie zu beruhigen“, sagt Cant.
Susanne Cant wurde 2017 in Beles Cyclocross-Weltmeisterin Foto: Romain Helbach
Auf dem Weg zu Schreibers großem Ziel, eines Tages Weltmeisterin zu werden, kann die Unterstützung einer dreifachen Titelträgerin nur helfen. Welchen Einfluss Cant auf ihre Athletin hat, verriet Schreiber am vergangenen Donnerstag bei der Teampräsentation von SD Worx Protime: „Sanne weiß, was es bedeutet, eine WM zu gewinnen. Das hilft mir sehr. Eigentlich denke ich schon, dass ich weiß, was ich im Cyclocross tue. Aber dann höre ich Sanne zu und habe das Gefühl, dass ich doch nicht weiß, was ich tue. Sie weiß so viel und ich kann so viel von ihr lernen“, sagte Schreiber.
Schreiber in diesem Jahr ohne Druck
Für das WM-Rennen am 31. Januar in Hulst ist Cant aktuell optimistisch. Und sie traut der Luxemburgerin einiges zu. „Marie hat das Talent dazu, eines Tages Weltmeisterin zu werden.“ Im vergangenen Jahr gewann Schreiber den Weltcup in Hulst. Für die WM in diesem Jahr wurde der Parcours leicht verändert. „Wenn du letztes Jahr da gewonnen hast, kannst du auch dieses Jahr da gewinnen“, sagt Cant. „Sie mag es dort, es ist ihr Lieblingsrennen. Wenn du schon mit diesen positiven Gedanken in ein Rennen startest, dann kann das nur helfen.“
Druck verspürt Schreiber in diesem Jahr dennoch keinen. Es ist ihr erster Start bei der Elite – und das weiß auch Cant. „Ich hoffe, dass wir dort einfach ein gutes Resultat mit Marie einfahren.“ Was Cant unter einem guten Ergebnis versteht: „Wenn sie es bei ihrer ersten Elite-WM in die Top 5 schafft, dann wäre das schon sehr stark. Und dann haben wir immer noch Zeit in der Zukunft.“