Cyclcoross-WM
Rennen der Elite am Sonntag: Van der Poel vor dem großen Rekord
Seit mehr als zwei Jahren ist Mathieu van der Poel im Cyclocross ungeschlagen. Am Sonntag geht er bei der WM in Hulst als haushoher Favorit an den Start. Dort könnte er sich seinen achten WM-Titel sichern – ein Rekord.
Mathieu van der Poel will das Regenbogentrikot am Sonntag in Hulst verteidigen Foto: AFP/David Pintens
Im Falle eines Erfolgs wäre der Niederländer alleiniger Rekordhalter an Weltmeistertiteln. Bislang teilt er sich diese Bestmarke mit dem Belgier Erik De Vlaeminck, dem Star der Disziplin in den 1960er- und 1970er-Jahren, der vor zwölf Jahren verstorben ist.
„Das ist mein letztes großes Ziel im Cyclocross. Wenn ich am Sonntag nicht gewinne, mache ich weiter. Ich bin ganz nah an diesem Rekord. Und wenn ich gewinne? Über meine Zukunft habe ich noch nicht nachgedacht“, erklärte der Alpecin-Teamleader diese Woche auf einer Pressekonferenz.
Mit 31 Jahren könnte van der Poel somit seine letzten Weltmeisterschaften bestreiten – noch dazu vor heimischem Publikum in den Niederlanden. „Versteht mich nicht falsch: Ich liebe Cyclocross immer noch. Aber irgendwann muss Schluss sein. Und ich habe immer gehofft, auf dem Höhepunkt meiner Karriere zurückzutreten“, begründete er.
Van Aert nicht am Start
Ganz sicher scheint das achte Regenbogentrikot für ihn allerdings noch nicht zu sein. „Ich bin schon als Favorit zu einer WM gestartet und habe sie nicht gewonnen. Es ist nie eine Selbstverständlichkeit, das wäre zu einfach. So vieles kann passieren: technische Probleme, ein schlechter Tag, eine gerissene Kette … Aber ich bin körperlich in Topform und schaffe es auch, ruhiger zu bleiben und mich weniger schnell aufzuregen – so wie nach meinem Reifenschaden am Samstag (beim letzten Weltcuprennen) in Maasmechelen.“
Pech oder ein mögliches körperliches Problem dürften somit die größten Gegner des Enkels von Raymond Poulidor sein. Denn seine Konkurrenten scheinen sich bereits geschlagen zu geben. So meint der Belgier Thibau Nys: „Hinter Mathieu bleiben nur noch zwei Podestplätze.“
Der langjährige Rivale Wout van Aert wird nicht am Start sein. Nach seiner Verletzung Anfang Januar in Mol verzichtet der letzte Fahrer, der den niederländischen Dominator bezwingen konnte (Anfang 2024 in Benidorm), auf eine Teilnahme und konzentriert sich auf die Vorbereitung seiner Straßensaison.
Ein Parcours für Van der Poel
Neben dem belgischen Meister wird auch der niederländische Champion Tibor Del Grosso versuchen, so gut es geht am Hinterrad von van der Poel zu bleiben – auf einem Kurs, der zwar wenig Spannung verspricht, dafür aber großen Sport.
Die 3,2 Kilometer lange Strecke in der befestigten Stadt Hulst, unweit der belgischen Grenze, wechselt zwischen schnellen Passagen entlang der Wassergräben und technischen Abschnitten (fünf Holzpassagen, zwei sehr steile An- und Abstiege). Sie begünstigt explosive Antritte und schnelle Tempowechsel – genau die Stärken von van der Poel.
Duell Brand-Pieterse bei den Damen
Bei den Frauen gilt Lucinda Brand als Favoritin. Die dominierende Weltcupsiegerin mit 18 Saisonsiegen ist mit ihren 36 Jahren zwar die erfahrene Fahrerin des Teams Baloise, strahlt jedoch nicht dieselbe Ruhe aus wie ihr berühmter Landsmann.
Der Grund: Nach einem Sturz Anfang Januar litt Brand an einer leichten Gehirnerschütterung. Am vergangenen Samstag wurde sie im Weltcup von Maasmechelen nur Zehnte und verzichtete tags darauf in Hoogerheide ganz auf einen Start.
In Abwesenheit der amtierenden Weltmeisterin Fem van Empel könnte diese Unsicherheit ihrer Landsfrau Puck Pieterse in die Karten spielen. Sie scheint rechtzeitig ihren Formhöhepunkt erreicht zu haben, wie ihre beiden Siege am vergangenen Wochenende zeigen.
Und wenn es keine Niederländerin wird – warum nicht eine Französin? Die Überraschung der Saison, Amandine Fouquenet, reist mit Podiumsambitionen ins „Oranje“-Land.
Ein realistisches Ziel angesichts ihrer starken Wintersaison, die sie mit Platz drei der Weltrangliste abschloss – nach sieben Podestplätzen, darunter zwei Siege (im Superprestige).
Das Programm
Cyclocross-WM 2026 in Hulst (Niederlande):
Am Samstag:
11.00 Uhr: Juniorinnen mit June Nothum
13.00 Uhr: Espoirs (m) mit Lennox Papi
15.00 Uhr: Damen-Elite mit Marie Schreiber
Am Sonntag:
11.00 Uhr: Junioren mit Ben Fleming und Ben Koenig
13.00 Uhr: Espoirs (w) mit Liv Wenzel und Layla Barthels
15.00 Uhr: Männer-Elite mit Loïc Bettendorf