Cyclocross

Ken Conter bestreitet am Sonntag sein letztes Rennen: „Radsport ist ein hartes Geschäft“

Kurz vor den Cyclocross-Landesmeisterschaften hat das Tageblatt sich mit Ken Conter, der seit 2022 im Trikot des Team Snooze unterwegs ist, unterhalten. Dabei blickt der 26-Jährige auf die Höhen und Tiefen seiner sportlichen Karriere zurück, die vor 20 Jahren begann und am Sonntag bei den nationalen Titelkämpfen im Cyclocross in Diekirch enden wird.

Ken Conter fährt bei den Cyclocross-Landesmeisterschaften in Diekirch sein letztes Rennen seiner Karriere am Sonntag

Ken Conter wird bei den Cyclocross-Landesmeisterschaften am Sonntag in Diekirch seine Karriere beenden Foto: Editpress/Gerry Schmit

Tageblatt: Ken Conter, wie sind Sie zum Radsport gekommen?

Ken Conter: Wie viele Kinder, habe ich zunächst Fußball gespielt. Es hat allerdings nicht lange gedauert, bis ich, im Alter von sechs Jahren, meine Freude am Radfahren bei den Kinder-Rennen entdeckt habe.

Vor Kurzem haben Sie bekannt gegeben, dass Sie einen Schlussstrich unter Ihre Karriere als Radsportler ziehen werden. Was sind die Beweggründe, dies im besten Sportleralter von 26 Jahren zu tun?

Ich spielte bereits seit einiger Zeit mit dem Gedanken, aufzuhören. Wenn man abends, nach einem langen Arbeitstag, in der Garage auf den Rollen trainiert, kommt man ins Grübeln. Zu Beginn dieser Saison war mir klar, dass es die letzte sein würde, obschon ich mich körperlich so gut fühle wie noch nie. Das hängt auch damit zusammen, dass ich in den letzten Jahren einen Schritt zurückgegangen bin. Mir war es wichtig, zu einem Zeitpunkt aufzuhören, an dem ich noch konkurrenzfähig bin – hoffentlich mit einem guten Ergebnis.

2017 haben Sie den Landesmeistertitel im Straßenrennen der Junioren gewonnen und wurden ein Jahr später ins Team Chambéry Cylisme Formation, dem Nachwuchsteam von Ag2r La Mondiale, aufgenommen. Wie kam es dazu?

Zur der Zeit war Ben Gastauer Profi bei Ag2r. Der Kontakt kam durch seinen Vater zustande, der auch mein Trainer war. Gleich nach meinem Abitur habe ich mich in Chambéry installiert.

Der Weg zum Radprofi schien vorgezeichnet.

In Chambéry habe ich mehr als eine Enttäuschung erlebt. Bei der Mannschaft ist es nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich wurde dort immer als Ausländer angesehen und bekam kaum die Gelegenheit, mich auszuzeichnen. Nach zwei Jahren habe ich die Mannschaft verlassen, da ich nicht einfach nur da sein wollte, nur um die Reihen zu füllen. Vielleicht bin ich den Schritt auch ein Jahr zu früh gegangen und es wäre besser gewesen, zunächst ein Jahr in einer anderen Mannschaft zu fahren, als mit 19 Jahren getrennt von der Familie zu leben. Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer.

Ken Conter im Ag2r La Mondiale Nachwuchsteam-Trikot während eines herausfordernden Radrennens

Im Trikot des Nachwuchsteams von Ag2r La Mondiale lief es für Ken Conter nicht wie gewünscht Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Danach kamen Sie zum Team Leopard. Der Einstieg ins Profigeschäft ist Ihnen nicht geglückt.

Ich hatte ein Angebot, das Leopard mir bereits gemacht hatte, bevor ich nach Chambéry ging, angenommen. Das war in einer Zeit, in der der Radsport im Wandel war und es immer schwieriger wurde, eine Mannschaft zu finden. Durch eine Mononukleose bin ich ein halbes Jahr ausgefallen. Der Wille, Profi zu werden, war immer noch intakt. Beim Team Leopard war auch nicht alles rosig. Hinzu kam, dass ich finanziell auf eigenen Beinen stehen wollte und angefangen habe, nebenbei als Vertretungslehrer zu arbeiten. Als der Kontrakt auslief, habe ich diesen dann nicht mehr verlängert.

Ihr Fokus richtete sich danach mehr auf den Cyclocross?

Im ersten Jahr, als ich Landesmeister bei den Espoirs wurde, bin ich noch Straßenrennen gefahren. Cyclocross hat mir immer viel Spaß bereitet. Ich verfüge über eine gute Technik. Zudem ist es möglich, mit einem geringeren Aufwand gute Resultate zu erzielen.

Im Cyclocross zählen Sie seit Jahren zu den Besten einheimischen Spezialisten und haben die Gesamtwertung des Skoda Cross Cup mehrmals gewonnen. Den angestrebten Titel konnten Sie bislang nicht holen. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, dass es am Sonntag in Diekirch, bei Ihrem letzten Auftritt, klappen wird?

Ich befinde mich in ausgezeichneter Verfassung, bin auf den Punkt vorbereitet und fühle mich noch stärker als in den Jahren zuvor. Realistisch gesehen, und wenn alles normal läuft, sind die Chancen auf den Sieg am Sonntag ziemlich gering. Loïc (Bettendorff) fährt ganz einfach auf einem anderen Niveau. Dennoch werde versuchen, das Rennen interessant zu gestalten.

Bei der Generalprobe auf dem Hesperinger Holleschberg ging ja so ziemlich alles schief, was schiefgehen konnte.

Das kann man so sagen. Trotz eines mittelmäßigen Starts war ich zunächst vorne dabei. Dann bin ich plattgelaufen und kam kurz darauf, bei der Überrundung eines Konkurrenten, zu Fall. In der zweiten Rennhälfte wurde mir dann plötzlich schlecht und ich musste mich übergeben. Das hat mich veranlasst, vorzeitig auszusteigen.

Was waren die schönsten Momente in Ihrer Karriere?

Ein toller Moment war der Titel bei den U23, wo ich mich vor den Leopard-Profis behaupten konnte. In bester Erinnerung werde ich auch die Teilnahme an der Tour de Luxembourg, dem Test-Event vor den Olympischen Spielen in Tokio und natürlich auch die Cyclocross-WM, vor der stimmungsvollen Kulisse in Beles, behalten.

Worauf hätten Sie gerne verzichtet?

Ich behalte eigentlich nichts Negatives zurück. Der Radsport ist halt ein hartes Geschäft. Die Zuschauer, die den Sport im Fernsehen verfolgen, sehen nicht hinter die Kulissen. Die Fahrer stehen unter Druck und leben in der ständigen Ungewissheit, ob ihr Vertrag verlängert wird.

Was hat der Radsport Ihnen als Person gegeben?

Neben der Disziplin habe ich schnell gelernt, selbstständig zu werden. Durch den Radsport habe ich zudem einen guten Teamgeist entwickelt, der mir jetzt auch im Beruf zugute kommt.

Werden Sie dem Radsport in irgendeiner Form erhalten bleiben?

Gerne würde ich dem Sport etwas zurückgeben. Ich wäre motiviert, dem einen oder anderen Nachwuchstalent zu helfen, insbesondere was die Fahrtechnik anbelangt. In Luxemburg ist das etwas schwierig, weil das Ego von vielen Leuten ziemlich groß ist. Wenn ich Kinder im Alter von zwölf Jahren sehe, die mit Karbon-Rädern unterwegs sind, kann ich nur den Kopf schütteln.

Bleiben Sie sportlich aktiv?

Mit Sicherheit. Ich werde Verschiedenes ausprobieren, habe jedoch noch keine konkreten Vorstellungen. Rad werde ich auch noch fahren, allerdings nur bei schönem Wetter.

Conter beim Cyclocross-WM Juniorenrennen in Beles, kämpft auf schlammigem Kurs und belegt Platz 42

Bei der Cyclocross-WM in Beles belegte Conter im Rennen der Junioren Platz 42 Foto: Editpress/Julien Garroy

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