Cyclocross
Jempy Drucker zieht Bilanz: „Es gab Höhen und Tiefen“
Nationaltrainer Jempy Drucker zieht nach der Cyclocross-WM in Hulst eine positive Bilanz. Der 39-Jährige spricht im Interview über die Lebensmittelvergiftung, die sich einige FSCL-Radsportler zuzogen, aber auch über die sportliche Leistungen seiner Schützlinge.
Auch Nationaltrainer Jempy Drucker plagten am Samstag Magenbeschwerden Foto: FSCL/Hugo Barthélemy
Tageblatt: Jempy Drucker, wie lautet Ihr Fazit der Cyclocross-WM?
Jempy Drucker: Es gab Höhen und Tiefen (lacht). Wir hatten acht Fahrer im Aufgebot, davon konnten drei nicht an den Start gehen. Im Ernst, das tut weh – den Fahrern und mir. Wir hatten noch Glück, dass sich Ben (Fleming) gestern (Samstag) Nachmittag wieder gut gefühlt hat. Deswegen haben wir gesagt, dass er starten kann, wenn er das Essen normal verdaut.
Haben Sie so etwas schon mal erlebt?
Das passiert nun mal ab und zu. Ich hatte selbst auch etwas Bauchweh, aber gestern (Samstag) Nachmittag ging es wieder. Ich bin jetzt noch nicht bei 100 Prozent, aber so was kommt halt vor. Es ist aber großes Pech, wenn so etwas ein oder zwei Tage vor der WM passiert.
Gibt es Lehren, die Sie daraus ziehen?
Ja, tun wir, aber einen Koch mitzunehmen, ist manchmal kompliziert, manchmal nicht. Die Belgier zum Beispiel sind eine viel größere Nation (waren im selben Hotel wie die Luxemburger, von ihnen konnten auch vier Radsportler nicht starten, Anm. d. Red.). Man sollte mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Für die Zukunft ist es eine Idee, über die wir schon nachgedacht haben. Bei Rennen auf der Straße teilen wir uns oft mit anderen Nationen den Koch.
Wissen Sie, an was sich die Fahrer vergiftet haben könnten?
Nein, das wissen wir nicht. Das sind alles nur Spekualtionen. Im Endeffekt ändert es nichts. Wir waren krank. Woher es kommt, ist dann auch egal.
Ist es Ihre Aufgabe, Fahrern wie Loïc Bettendorff zu erklären, dass ein Start keinen Sinn ergibt?
Ich habe ihn gestern (Samstag) Abend gesehen – da gab es nichts zu diskutieren. Selbst wenn es ihm heute (Sonntag) besser geht: er hat den ganzen Samstag nichts gegessen. Es ist immer noch eine WM, da musst du im Vollbesitz deiner Kräfte sein. Es ist außerdem ein schwieriger Parcours. Es bringt nichts, eineinhalb Runden zu fahren und dann mit Tränen aufzuhören.
Wie lautet Ihr Fazit, wenn man auf die sportlichen Leistungen blickt?
Ich glaube, dass die Bilanz wirklich gut ist. Liv (Wenzel) hat ein gutes Rennen gemacht, sie ist in den Top 15 gelandet. Anfang der Saison haben wir uns Ziele gesetzt, da haben wir die Top 10 anvisiert. Sie ist nicht weit davon weg. Leider war ihre erste Runde nicht ganz so gut. Aber der Rest war gut, sie hat keine Fehler geamcht. Bei den Junioren war Ben (Fleming) am Samstag noch krank. Er hat trotzdem um die Top 30 gekämpft – und das im ersten Jahr bei den Junioren. Es ist eine schöne Erfahrung. In Anbetracht aller Umstände ist das wirklich gut. Aber auch der andere Ben (König) hat sich gut präsentiert. Lennox (Papi) ist auf seinem Platz (37. bei den Espoirs). Er hat kein außergewöhnliches Rennen gemacht, aber er war nicht schlecht. Auch er ist in seinem ersten Jahr bei den Espoirs. Wir haben eine junge Delegation. Marie (Schreiber) ist auch ein gutes Rennen gefahren. Es ähnelt ihrer Saison. Man hofft natürlich immer, dass sie am Tag X vielleicht in die Top 5 fahren kann. Sie hatte, genau wie Liv, Probleme in der ersten Runde. Marie hatte keinen guten Start, war dann aber nicht weit weg von der Gruppe, die um den dritten Platz gefahren ist. Wenn sie da reinfährt, dann ändert sich ihre Mentalität und es kann ein ganz anderes Rennen werden. Insgesamt war es eine gute WM. Schade, dass einige krank wurden. Es wäre schön gewesen, in jeder Kategorie einen Starter zu haben. Es wäre schön für Luxemburg gewesen, hier waren viele luxemburgische Flaggen. June (Nothum) ist aber noch jung, sie war in ihrem ersten Jahr. Auch für Loïc (Bettendorff) wäre es die erste WM bei den Espoirs gewesen. Schade, auch für Layla (Barthels). Man hat nicht immer die Chance, bei einer WM teilzunehmen.