Radsport

In spanischer Gelassenheit zur vollen Attacke: Mats Wenzel startet in seine zweite Profisaison

Mats Wenzel startet Ende Januar auf Mallorca in seine zweite Profi-Saison. Beim spanischen Team Kern Pharma hat er im vergangenen Jahr überzeugt – und bekommt in diesem Jahr erneut das Vertrauen, Resultate einzufahren.

Mats Wenzel beim Start seiner zweiten Profi-Saison im Fußball, fokussiert und entschlossen auf dem Spielfeld

Mats Wenzel geht in diesem Jahr in seine zweite Profi-Saison Foto: Editpress/Gerry Schmit

Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Spanier im Allgemeinen recht entspannt durchs Leben gehen. Siesta, ausgedehnte gemeinsame Mahlzeiten und das abendliche Schlendern durch die noch warme Sonne prägen dieses kulturelle Bild. Ein wenig scheint diese Gelassenheit inzwischen auch auf Mats Wenzel abgefärbt zu haben. Der 23-Jährige fährt seit einem Jahr für das spanische ProTeam Kern Pharma – und will nun etwas ruhiger in die Saison gehen. „Ich will in diesem Jahr auf jeden Fall entspannter sein“, sagt er.

Entspannter bedeutet jedoch keineswegs weniger ambitioniert – ganz im Gegenteil. Seine erste Profisaison beschreibt Wenzel rückblickend als „sehr stabil. Ich habe viel gelernt und viele Erfahrungen gemacht. Ich habe etwas Zeit gebraucht, um reinzufinden. Alle Rennen sind hart, da musste ich mich dran gewöhnen. Das hat mir aber schon im Sommer geholfen, besser zu werden.“ Vor allem in der zweiten Saisonhälfte ließ Wenzel sein großes Potenzial aufblitzen. Beim Arctic Race of Norway (2. Pro) belegte er Rang 10, bei der Tour of Britain (2. Pro) wurde er 20., bei der Tour de Luxembourg (2. Pro) wurde er 19. „Das Glück hat gefehlt, um richtig belohnt zu werden“, sagt er. Nicht zu vergessen ist auch ein ganz starker Auftritt im Trikot der Nationalmannschaft: Beim harten EM-Rennen, das Tadej Pogacar gewann, kamen nur 17 Radsportler ins Ziel – Wenzel war als 17. einer von ihnen.

„Merke, dass die Form schnell zurückkommt“

Die Ergebnisse auf diesem Niveau waren ein echtes Ausrufezeichen – insbesondere die Resultate der Etappenrennen, die Wenzel besonders liegen. „Ich erhole mich bei diesen Etappenrennen immer sehr gut. Sowohl in Norwegen als auch in Großbritannien und Luxemburg habe ich mich auf der letzten Etappe am besten gefühlt. Außerdem liegen mir die Profile dieser Rennen. Es sind Anstiege, die nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz sind. Das sind Rennen, die ich auch in Zukunft anvisieren will.“

Nach dem Ende der Saison 2025 gönnte sich Wenzel vier Wochen komplette Auszeit. „Das habe ich richtig gebraucht. Ich war nach meiner ersten Profi-Saison wirklich müde. Ich bin dann langsam wieder eingestiegen, will mir aber keinen Stress machen. Bei schlechterem Wetter habe ich auch mal etwas rausgenommen. Im Trainingslager im Dezember habe ich gemerkt, dass die Form schnell wieder zurückkommt. Ich bin 2025 ein ganzes Jahr quasi ohne Unterbrechung Rennen gefahren – das hilft schon sehr.“

Highlight Katalonien

Über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel war Wenzel zu Hause, bei den Cyclocross-Landesmeisterschaften am 11. Januar in Diekirch war er als Zuschauer vor Ort. Seit einigen Tagen befindet er sich nun im Trainingslager in Benidorm. Sein Fazit fällt positiv aus: „Der Winter war gut. Entspannt, nicht zu sehr gestresst. Das war mir wichtig.“

Der Startschuss in die neue Saison fällt für den jungen Luxemburger am 28. Januar bei der Trofeo Calvià (1.1), dem Auftaktrennen der Mallorca Challenge. Am darauffolgenden Tag steht mit der Trofeo Ses Salines (1.1) ein Teamzeitfahren auf dem Programm, ehe er die Rennserie mit der Trofeo Andratx-Pollenca (1.1) und der Trofeo Palma (1.1) abschließt. Vom 4. bis 8. Februar folgt die Volta Comunitat Valenciana (2. Pro), ehe vom 25. Februar bis 1. März der Giro di Sardegna (2.1) ansteht. Alles läuft dabei auf den ersten großen Saisonhöhepunkt hinaus: die Katalonien-Rundfahrt (2. UWT) vom 23. bis 29. März.

„Das Level dort ist extrem hoch“, sagt Wenzel, der die Rundfahrt bereits im vergangenen Jahr bestritt. Damals wurde er 95. und verpasste als Zweiter punktgleich mit Primoz Roglic nur knapp den Sieg in der Bergwertung. „Ich plane die Saison so, dass die Form Ende März stimmen sollte. Was ich dann in Katalonien mache, werden wir sehen. Entweder gehe ich in Gruppen und schaue auf das Bergtrikot oder ich versuche so gut es geht im Gesamtklassement abzuschließen. Als Team können wir dort nicht viel reißen, so ehrlich müssen wir sein. Ich glaube, jeder wird dort seine Chance bekommen.“ Für die Katalonien-Rundfahrt haben sich immerhin schon ganz große Fahrer angekündigt: Jonas Vingegaard, Remco Evenepoel oder Florian Lipowitz.

Die Vuelta im Hinterkopf

Wie es danach weitergeht, ist für Wenzel noch offen. Er hofft, dass Kern Pharma weitere Wildcards erhält, etwa für die Ardennen-Klassiker. Als ProTeam ist die Mannschaft auf Einladungen der Veranstalter angewiesen – auch bei den Grand Tours. Für die Vuelta a España darf sich Kern Pharma in diesem Jahr aber berechtigte Hoffnungen machen. Nachdem das Team 2024 noch drei Etappensiege bei der Spanien-Rundfahrt gefeiert hatte, war es im vergangenen Jahr nicht am Start. Die Organisatoren rotieren die Einladungen unter den spanischen Teams, sodass Kern Pharma in diesem Jahr wieder gute Karten hat. „Das ist ein Ziel in diesem Jahr“, sagt Wenzel mit Blick auf die Vuelta. „Ich muss mich im Jahr beweisen, damit ich mir diesen Platz verdiene. Aber bis dahin ist es noch lang. Ich bleibe ruhig und dann kommt de Rest von selbst.“

Die Chancen, sich zu zeigen und Resultate einzufahren, wird er bekommen. Das Vertrauen der Verantwortlichen hat er sich im vergangenen Jahr erarbeitet. „Mir wurde gesagt, dass der erste Teil der Saison wichtig sein wird, weil man da Punkte einfahren kann. Sie geben mir Chancen, dass ich auf Resultate fahren kann und ich versuche, sie zu nutzen. Das Level am Saisonbeginn wird aber hoch sein.“

Wohlfühlfaktor im Team

In seinem spanischen Team, das in dieser Saison aus 18 Spaniern, einem Kolumbianer, einem Taiwaner und eben einem Luxemburger besteht, fühlt sich Wenzel inzwischen sehr wohl. „Am Anfang war es schwierig, weil du am Tisch nichts verstehst. Aber mittlerweile verstehe ich die Sprache immer besser, nur Sprechen ist schwierig. Nach einem Jahr sprichst du noch kein fließendes Spanisch, wenn du bei null angefangen hast. Aber ich kann mich über nichts beschweren. Das Team ist sehr menschlich und professionell.“

Und so hat Wenzel auch ein Stück spanische Gelassenheit angenommen. „Ich weiß, wie es im Profibereich jetzt läuft. Ich will mir nicht so viel Druck machen wie letztes Jahr. Ich weiß jetzt, wie ich es angehen muss, und der Rest wird schon kommen.“

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