Basketball
Für Billy McDaniel schließt sich ein Kreis
Nach acht Jahren kehrt Billy McDaniel am Samstag im Halbfinale der Coupe de Luxembourg aufs Spielfeld in der Coque zurück und hat mit 41 Jahren noch einmal die Chance, um Titel mitzuspielen. Für den Routinier schließt sich damit auch ein Kreis.
Billy McDaniel gewann 2018 zum letzten Mal den Pokal und spielt nun mit Ettelbrück im Halbfinale gegen den Klub, mit dem er seine goldenen Jahre erlebte Foto: Editpress/Luis Mangorrinha
Dass er noch einmal in der Coque auf dem Parkett stehen und um einen Titel spielen würde, das hätte Billy McDaniel noch vor zwei Jahren nicht geglaubt. Damals spielte der US-Amerikaner bei Mamer, wo er vom Abstieg in die Nationale 3 bis hin zum Aufstieg in die höchste Spielklasse alles erlebt hat. Zu dieser Zeit wollte der Routinier mit dem Klub eigentlich noch die Play-offs erreichen und es danach mit 40 Jahren endlich etwas ruhiger angehen lassen.
Doch bekanntlich schreibt das Leben seine eigenen Gesichten und so kam es doch ganz anders, als McDaniel dachte. Da vor der letzten Saison die „Non-Profi-Regelung“ eingeführt wurde, die es den Vereinen in den beiden höchsten Ligen erlaubt, neben den beiden Profis auch zwei ausländische Spieler einzusetzen, die einer anderen hauptberuflichen Tätigkeit nachgehen, wurde der ehemalige Profi-Spieler plötzlich wieder für Spitzenteams interessant. Denn Billy McDaniel, der 2008 seine erste Saison in Luxemburg beim Black Star Mersch bestritt, hat längst in Luxemburg ein neues Zuhause gefunden und lebt nicht mehr vom Sport.
Um ehrlich zu sein, habe ich nicht gedacht, dass ich überhaupt noch einmal auf einer solchen Bühne spielen würde
Billy McDaniel
So entschied sich der inzwischen 41-Jährige, doch noch einmal eine neue Herausforderung anzunehmen und wechselte zum Pokalsieger 2024, Résidence Walferdingen. Es war eine Saison, die für den Klub stark begann, danach allerdings schwach endete. Doch McDaniel bewies einmal mehr, dass ihm auch mit über 40 Jahren viele jüngere Gegenspieler noch längst nichts vormachen können.
Und so kam schließlich der Anruf vom amtierenden Meister Ettelbrück, der Ersatz für Center Yann Wolff suchte, der im Sommer einen Schlussstrich unter seine Karriere gezogen hatte. „Ich war schon überrascht, als sie bei mir nachfragten. Für mich war es dann, nachdem ich es mit meiner Frau diskutiert hatte, auch eine einfache Entscheidung. Wenn ein Team mit einem solchen Renommee einen schon haben möchte.“ Bei Ettelbrück liegt dann auch die Hauptverantwortung nicht mehr bei ihm, wie er weiter erklärt. „Ich kann in meiner Rolle etwas zurücktreten und weniger Minuten spielen, was in meinem Alter ja auch nicht von Nachteil ist. Ich bin wirklich froh, dass sie an mich gedacht haben, denn eine solche Chance erhält man nicht jeden Tag.“
Surreale Situation
Mit Ettelbrück spielt Billy McDaniel nun wieder bei einem absoluten Titelkandidaten und könnte tatsächlich noch einmal etwas Großes im luxemburgischen Basketball gewinnen. „Um ehrlich zu sein, habe ich nicht gedacht, dass ich überhaupt noch einmal auf einer solchen Bühne spielen würde“, gibt der 41-Jährige zu, der sich enorm auf das Halbfinale am Samstag freut. „Ich bin mir bewusst, dass das nicht selbstverständlich ist.“ Als Profi erlebte der erfahrene Spieler mit der Amicale Steinsel zwischen 2015 und 2018 seine goldenen Jahre. Drei Meistertitel und drei Pokalsiege konnte er in dieser Zeit feiern. 2018 war dann auch das letzte Mal, dass McDaniel eine Pokalpartie in der Coque bestritt, damals gewann er den Cup. Dass er acht Jahre später bei seiner Rückkehr aufs Parkett in Kirchberg nun ausgerechnet gegen Steinsel auflaufen wird, ist für ihn demnach eine kuriose Situation – in seinen Amicale-Jahren standen bereits Alex Laurent, Jonas Theisen und Noah Medeot mit ihm auf dem Platz.
Es ist in zweierlei Hinsicht ein Kreis, der sich schließt. Denn vor acht Jahren hieß der Gegner ausgerechnet Ettelbrück, wie sich McDaniel noch ganz genau erinnern kann. Es war eine der seltenen Niederlagen, die der Rekordpokalsieger in der Coque einstecken musste. „Irgendwie ist es schon etwas surreal, dass wir nun ausgerechnet gegen Steinsel spielen. Doch es ist, wie es ist.“
Eine weitere Niederlage gab es für die Etzella dann auch im letzten Jahr im Endspiel gegen den Basket Esch. Somit hat der ambitionierte Verein aus dem Norden in diesem Jahr mit dem Wettbewerb sicherlich eine Rechnung offen.
Familie fiebert mit
Dass er doch noch einmal auf diesem Level spielen kann, freut Billy McDaniel vor allem auch aufgrund seiner beiden Töchter, die sich an seinen letzten Titel vor acht Jahren nicht wirklich erinnern können. Heute sind die beiden zwölf und neun Jahre alt und fiebern der Partie ihres Vaters entgegen. Die gesamte Familie hofft, dass in vier Wochen eine weitere in der Coque folgen wird, dann würde die Etzella nämlich im Endspiel um den Titel kämpfen und mittendrin auch der 41-jährige Routinier.
2018 lief Billy McDaniel ein letztes Mal in der Coque auf und holte sich mit Steinsel den Pokal im Finale gegen Ettelbrück Foto: Editpress/Gerry Schmit