Tour de France

Einen Tag lang im Rampenlicht: Alex Kirsch prägt 4. Etappe, verpasst aber Top-Resultat

Alex Kirsch (Cofidis) stand auf der 4. Etappe der Tour de France im Rampenlicht. Der Luxemburger prägte die 181,9 Kilometer von Carcassonne nach Foix mit einer langen Flucht. Doch in der sengenden Hitze gingen ihm 40 Kilometer vor dem Ziel die Kräfte aus, sodass am Ende nur Platz 24 heraussprang. Während Ausreißer Mads Pedersen (Lidl-Trek) die Etappe gewann, durfte sich der Norweger Torstein Träen (Uno-X) das Gelbe Trikot überstreifen.

Alex Kirsch in der Mitte bei mutigem Auftritt auf der 4. Etappe der Tour de France am Dienstag

Alex Kirsch (Mitte) zeigte einen mutigen Auftritt auf der 4. Etappe der Tour de France am Dienstag Foto: AFP/Loic Venance

Es war heiß, sogar sehr heiß, an diesem Dienstag in Okzitanien. Bereits beim Start gegen 13 Uhr in Carcassonne wurden Temperaturen um die 40 Grad gemessen. Tadej Pogacar (UAE Team Emirates-XRG) sprach schon am Vortag von einem „logistischen Albtraum“, Tom Pidcock (Q36.5) fühlte sich auf den glühenden Straßen regelrecht „gekocht“. Und auch am Dienstag entwickelte sich die Etappe zu einer wahren Hitzeschlacht.

Sportlich standen vor dem Start der 4. Etappe vor allem die Ausreißer im Fokus. Die 181,6 Kilometer lange, hügelige Strecke und das fehlende Interesse vieler Favoriten am Tagessieg schufen ideale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fluchtgruppe – und genau so sollte es kommen. Kaum war der „Départ Réel“ freigegeben, folgten die ersten Attacken. Zunächst blieben alle Vorstöße ohne Erfolg, ehe Alex Kirsch (Cofidis) den entscheidenden Angriff setzte. Schnell schloss sein ehemaliger Teamkollege und guter Freund Mads Pedersen (Lidl-Trek) zu ihm auf, ehe sich zwölf weitere Fahrer dem Spitzenduo anschlossen.

Harter Kampf um die Fluchtgruppe

Da Teams wie Red Bull-Bora-Hansgrohe, Jayco AlUla und Groupama-FDJ zunächst keinen Fahrer in der Spitzengruppe platziert hatten, hielten sie das Tempo im Peloton weiter hoch. Bei Temperaturen, die inzwischen die 40-Grad-Marke überschritten hatten, entwickelte sich ein enorm intensiver Kampf um die Zusammensetzung der Fluchtgruppe. Kirsch, Pedersen und ihre Begleiter konnten sich zwar einen Vorsprung von rund zehn Sekunden erarbeiten, wirklich absetzen konnten sie sich jedoch nicht und mussten bereits früh im Rennen viel Kraft investieren.

Nach 14 Kilometern schlossen schließlich rund 20 weitere Fahrer zur Spitzengruppe auf, sodass nun insgesamt 34 Profis an der Spitze vertreten waren. Darunter befanden sich zahlreiche prominente Namen wie Pedersen, sein US-amerikanischer Teamkollege Quinn Simmons, Jasper Stuyven, Jasper Philipsen (beide Alpecin-Deceuninck), der französische Meister Romain Grégoire (Groupama-FDJ), Biniam Girmay (NSN), Kevin Vauquelin (Ineos) und Michael Valgren (EF Education-EasyPost).

Kirsch im Spitzentrio

Nach 19 gefahrenen Kilometern ließ das Peloton die große Spitzengruppe schließlich ziehen. Kirsch zeigte sich dabei immer wieder an der Spitze des Rennens und mischte auch am ersten Anstieg vorne mit. Am zweiten Berg sprinteten vier Fahrer um die Bergpunkte, setzten sich kurzzeitig ab, wurden jedoch wenig später wieder von der Gruppe gestellt.

Am Col de Coudons, dem ersten von zwei Anstiegen der zweiten Kategorie, mussten zunächst die Sprinter Girmay und Philipsen abreißen lassen. Kurz darauf setzten sich Jan Tratnik (Red Bull-Bora-hansgrohe) und Mathias Vacek (Lidl-Trek) vom Rest der Spitzengruppe ab und erarbeiteten sich einen Vorsprung von rund einer Minute.

Kirsch war es anschließend, der aus der Verfolgergruppe heraus die Initiative ergriff. Der luxemburgische Zeitfahrmeister demonstrierte seine Stärke, schloss die Lücke zum Führungsduo im Alleingang und bildete gemeinsam mit Tratnik und Vacek die neue Spitze des Rennens. Das Trio konnte seinen Vorsprung auf die 29-köpfige Verfolgergruppe wieder auf rund eine Minute ausbauen.

Alex Kirsch allein unter der heißen Sonne Frankreichs beim Radrennen in sommerlicher Hitze

Alleine in der französischen Hitze: Alex Kirsch Foto: AFP/Loic Venance

Doch dahinter wurde unermüdlich gearbeitet. Am Fuß des letzten Anstiegs des Tages, dem Col de Montségur, rund 41 Kilometer vor dem Ziel, musste Kirsch schließlich als Erster aus dem Spitzentrio abreißen lassen. Wenig später wurde er auch von der Verfolgergruppe eingeholt und distanziert. Tratnik und Vacek wurde ebenfalls gestellt.

Träen neuer Gesamtführender

Im Überblick

Mads Pedersen überquert als Sieger die Ziellinie der Etappe bei einem Radrennen

Mads Pedersen gewann die Etappe Foto: AFP/Loic Venance

113. Tour de France, 4. Etappe: Carcassonne - Foix (181,9 km):
1. Mads Pedersen (Dänemark/Lidl-Trek) in 4:10:45 Stunden, 2. Quinn Simmons (USA/Lidl-Trek), 3. Raul Pierna Garcia (Spanien/Movistar), 4. Marco Frigo (Italien/NSN), 5. Ramses Debruyne (Belgien/Alpecin), 6. Kévin Vauquelin (Frankreich/Ineos), 7. Sean Quinn (USA/EF Edcuation), 8. Torstein Träen (Norwegen/Uno-X), 9. Pablo Castrillo (Spanien/Movistar), 10. Mathias Vacec (Tschechien/Lidl-Trek) alle gleiche Zeit, ... 24. Alex Kirsch (Luxemburg/Cofidis) 7:54

Gesamtwertung nach 4 von 21 Etappen:
1. Träen 13:02:46 Stunden, 2. Quinn gleiche Zeit, 3. Vacek 3:50, 4. Tadej Pogacar (Slowenien/UAE) 7:53, 5. Jonas Vingegaard (Dänemar/Visma) gleiche Zeit, 6. Debruyne 8:06, 7. Isaac del Toro (Mexiko/UAE) 8:17, 8. Juan Ayuso (Spanien/UAE) 8:20, 9. Mattias Skjelmose (Dänemark/Lidl-Trek), 10. Castrillo 11:22, ... 41. Kirsch

Über den Col de Montsegur kamen zehn Fahrer in der ersten Gruppe, darunter Pedersen, Vacek und Vauquelin. Lidl-Trek spielte auf den letzten Kilometern seine numerische Überzahl stark aus. Simmons und Vacek leisteten eine enorme Vorarbeit für Pedersen, der den Sprint problemlos vor seinem Teamkollegen Simmons gewann. Mit in dieser Gruppe war auch Torstein Träen (Uno-X), der 12:59 Minuten vor dem Peloton um Pogacar ins Ziel fuhr und so nun das Gelbe Trikot übernimmt.

Am Mittwoch kommt es wohl zur nächsten Hitzeschlacht. „Wir sollten uns wirklich an einen Tisch setzen und herausfinden, wie wir in Zukunft vorgehen wollen, denn gesund ist das ganz sicher nicht“, erklärte Matteo Trentin (Tudor), der auch schon einen Lösungsgedanken parat hatte. „Vielleicht ist es keine kluge Idee, um 12.00 Uhr mittags in der prallen Sonne zu beginnen“, sagte er, allerdings in dem Wissen, dass es während der laufenden Tour „sehr schwierig“ sei, „Pläne zu ändern, die bereits seit Monaten vorbereitet wurden“.

Immerhin wird es vom Streckenprofil am Mittwoch nicht ganz so schwer – am fünften Tag der Tour ist alles auf einen Massensprint ausgerichtet. Auf den 158,3 Kilometern zwischen Lannemezan und Pau im Süden von Frankreich gibt es keine größeren Anstiege, nur eine kurze Bergwertung der dritten Kategorie steht auf dem Programm. Die Teams der Sprinter dürften sicherstellen, dass keine Ausreißer die Chance für ihre schnellen Männer wie Tim Merlier und Jasper Philipsen verderben. Pau ist zum 77. Mal Etappenort.

Gespannt wird man sein dürfen, wie Kirsch die Strapazen des Vortags verkraftet hat. Mit Milan Fretin hat sein Team Cofidis einen Sprinter dabei, der zu den Außenseitern gehört. Kirsch gehört zum Sprintzug seines Teams und ist in der Vorbereitung auf den letzten Metern eine wichtige Stütze.

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