Sport-Spektakel

Die Coque will gleich vier Europameisterschaften nach Luxemburg holen

Eine Basketball-Europameisterschaft, die allererste Indoor-Aquathlon-EM der Geschichte, ein Comeback beim TeamGym und eine Leichtathletik-Hallen-EM 2031: Die nächsten Jahre dürften für spektakuläre Momente und internationale Topbesetzungen auf dem Kirchberg sorgen.

Eine Luftaufnahme der Coque

Eine Luftaufnahme der Coque Foto: Editpress-Archiv/Pierre Matge

Basketball: Damen-Europameisterschaft 2029

Es ist längst keine Gedankenspielerei mehr. Wie Pit Rodenbourg, Verwaltungsdirektor des nationalen Basketballverbandes, erklärt, plant die FLBB, eine Kandidatur für die Austragung der Damen-Europameisterschaft 2029 zu stellen. Um genauer zu sein für eine Vorrundengruppe. Seit 2023 geht der europäische Basketballverband nämlich den Weg, eine EM an vier Co-Organisatoren zu vergeben. Jede dieser vier Nationen trägt dann die Vorrundenspiele einer von insgesamt vier Gruppen aus. Zusätzlich erhält eines dieser Länder auch noch die Finalphase, die mit dem Viertelfinale beginnt, für die FLBB aber derzeit kein Thema ist.

Würde Luxemburg den Zuschlag bekommen, dann wären das sechs Spiele, die zu stemmen wären. Ein Ereignis, für das die Arena der Coque, in der die FLBB jedes Jahr auch ihr Pokalfinale austrägt, mit ihrem Platz für 5.000 bis 6.000 Zuschauer jedenfalls die nötigen Kapazitäten bieten würde. „Die Stimmung im Gymnase ist bekanntlich besser. Doch es wäre gleichzeitig die Möglichkeit, in dieser Hinsicht auch ein Zukunftskonzept für die Arena zu entwickeln“, meint Rodenbourg. Im November war übrigens der Präsident von FIBA Europa, Jorge Garbajosa, beim Länderspiel der FLBB-Damen gegen Bosnien vor Ort. „Ihm hat die ganze Infrastruktur super gefallen.“ Zuletzt besuchten Rodenbourg und Präsident Samy Picard dann auch die Hauptgeschäftsstelle des europäischen Verbandes in München, wo es ein Treffen mit Kamil Novak (FIBA Executive Director Europe) gab.

Auch wenn der finanzielle Aspekt einer EM-Endrunde beachtlich ist, ist dies für Rodenbourg nichts, wofür man keine Lösungen finden würde. „Ich kann mir gut vorstellen, dass ein solches Turnier viele Zuschauer anlocken würde, könnte man immerhin attraktive Gegner wie Deutschland, Frankreich oder den derzeitigen Europameister Belgien zugelost bekommen.“

Eine EM wäre jedenfalls eine große Anerkennung für die derzeitige goldene Generation der Damennationalmannschaft, denn als Co-Organisator hätte Luxemburg sein Ticket für die Endrunde sicher. Dass die FLBB-Damen durchaus das Potenzial haben, sich für eine EM zu qualifizieren, haben sie in den letzten Monaten bekanntlich bewiesen.

Turnen: TeamGym-EM 2028

TeamGym Europameisterschaft 2022 in der Coque, organisiert von FLGym mit turnenden Athleten im Wettkampf

Bereits 2022 organisierte die FLGym eine TeamGym-EM in der Coque Foto: Editpress/Jeff Lahr

Eine EM in der Coque ist für den nationalen Turnverband längst kein Neuland mehr. 2022 fand immerhin die Europameisterschaft im TeamGym, im letzten Jahr die in der Akrobatik auf Kirchberg statt. Zwei Wettkämpfe, die aufgrund der Infrastruktur und des reibungslosen Ablaufs beim europäischen Turnverband Eindruck hinterlassen haben.

So will die FLGym sich nun für eine weitere Team-Gym-EM, die im Jahr 2028, bewerben. Dabei gibt es aktuell jedoch noch zwei Probleme, wie Silvio Sagramola, Generalsekretär des Verbandes, erklärt: „Die EM müsste in den Allerheiligenferien stattfinden. Wann diese aber genau sind, steht noch nicht fest. Auch hat die Coque für 2028 noch keinen aktuellen Plan, weiß nicht, was bei anderen Verbänden in diesem Zeitraum anfällt.“ An die Schulferien ist die FLGym jedenfalls gebunden, da der Verband für eine EM die komplette Coque bräuchte und sonst den dortigen Alltag zu sehr auf den Kopf stellen würde. „Wir müssten zwei identische Podien, einen für den Wettkampf und einen für das Aufwärmen, bereitstellen. Dafür brauchen wir einfach beide Hallen.“ Auch Catering und Büros müssen in der Coque untergebracht werden. Andere Schulferien kommen derweil nicht in Frage, da European Gymnastics zwar nicht die genaue Woche, jedoch einen gewissen Zeitraum für diese EM vorschreibt, und dieser fällt in den Spätherbst.

Auch wenn TeamGym nicht die bekannteste Turndisziplin ist, befindet sie sich in den letzten Jahren deutlich im Aufwind, wie Sagramola weiter erklärt. „So werden wir in diesem Jahr bei den Damen mit einem Junioren- und einem Seniorsteam zur EM nach Finnland reisen.“ Demnächst könnte dann auch ein Nationaltrainer auf 20-Stunden-Basis eingestellt werden. Demnach wäre eine zweite EM in Luxemburg eine weitere Möglichkeit, diese Turndisziplin hierzulande weiter voranzubringen.

Mit den beiden bisherigen Europameisterschaften hat die FLGym jedenfalls gute Erfahrungen gemacht. Auch wenn der finanzielle Aspekt nicht zu unterschätzen ist. „Beim TeamGym wird eine Kaution von 20.000 Euro fällig, die man jedoch zurückbekommt, wenn nichts Großes schiefgeht. Es müssen aber auch 30.000 Euro allein für Autorenrechte gezahlt werden. Insgesamt mussten wir vor vier Jahren schon ein Budget von einer Million aufbringen.“ In puncto Zuschauerzuspruch war die letzte EM jedenfalls ein Erfolg, denn viele Mannschaften reisen beim TeamGym auch mit einem begeisterungsfähigen Anhang an.

Das Budget kann von fünf bis neun Millionen Euro reichen

Jean-Sébastien Dauch

FLA-Generaldirektor

Leichtathletik: Hallen-EM 2031

Die Gedanken gibt es schon lange. In der Coque soll irgendwann einmal eine Hallen-Europameisterschaft der Leichtathletik stattfinden. Durch den gestiegenen Stellenwert des CMCM-Meetings und den damit verbundenen Imagegewinn nimmt diese Idee nun konkrete Formen an. Geht es nach dem Leichtathletik-Verband FLA, soll dieses Top-Event 2031 auf dem Kirchberg stattfinden.

Der Weg bis zur Bewerbung ist jedoch noch lang. Zunächst einmal muss die finanzielle Tragweite errechnet werden. „Das Budget kann von fünf bis neun Millionen Euro reichen. Derzeit ist diese Schere zu groß, um dieses Projekt dem Sportministerium zu präsentieren“, sagt FLA-Generaldirektor Jean-Sébastien Dauch. Zurzeit wird auf die finalen Zahlen aus Appeldoorn gewartet, wo 2025 die Hallen-EM stattfand. „Danach können wir uns mit der Ministerin Martine Hansen zusammensetzen. Ihr Vorgänger Georges Mischo war Unterstützer der Idee, wollte jedoch auch ein genaues Budget sehen“, so Dauch weiter.

Eine große Herausforderung wird die Kapazität der Coque darstellen. Aktuell gibt es 3.300 Plätze. Gefordert werden 5.000 Plätze. Die FLA und die Coque müssen demnach kreativ werden. „Wir haben uns bereits mit Experten und dem europäischen Verband über dieses Thema unterhalten. Es gibt so einige Möglichkeiten, um die Kapazität zu erhöhen, aber es wird nicht einfach werden. Man muss erfinderisch sein“, sagt Dauch.

Ein weiteres Problem stellt die außersportliche Organisation dar. Der Empfang der Athleten, der Transport und die Hotels müssen koordiniert werden. Eine große Herausforderung für einen doch kleinen Verband wie die FLA. „Wir können nicht während zwei Jahren drei Leute abstellen, um sich um diese Baustelle zu kümmern. Mir schwebt eine externe Lösung vor, die ich dem COSL und dem Sportministerium präsentieren werde und die auch anderen Veranstaltungen zugute kommen würde“, sagt Dauch, der sich zuversichtlich zeigte, dass die Bewerbung für 2031 eingereicht werden kann.

Ruben Querinjean und Team bereiten sich in Sportkleidung konzentriert auf Heim-EM vor

Ruben Querinjean (r.) und Co. fiebern auf die Heim-EM hin Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

FLTri: Eine Indoor-Aquathlon-EM 2028

Es wäre ein Stück Aquathlon-Geschichte: Der internationale Triathlonverband prüft gerade, ob 2028 die allererste Indoor-Europameisterschaft in der Coque stattfinden könnte. Der Vizepräsident der ETU war vor zwei Wochen deshalb auf Kirchberg zu Gast, um dem Team um FLTri-Präsident Christian Krombach über die Schulter zu schauen: „Er war beeindruckt von der Qualität der Einrichtungen. Auch was Logistik, Transport und Hotels angeht, ist die Coque ideal für internationale Events.“

Dabei wurden auch ein paar Punkte angesprochen, mit denen sich der nationale Verband nun beschäftigen wird. So kam die Idee auf, ein mobiles Becken ins Zentrum der Arena zu platzieren, damit die Zuschauer vor Ort voll auf ihre Kosten kommen und den Schwimm-Wettbewerb (der ansonsten im Trainingsbecken stattfinden würde) nicht auf einem Bildschirm verfolgen müssten. Für ein solches Becken müsste man mit etwa 36.000 Euro Kosten rechnen, zudem wäre es nicht unbedingt die ökologischste Lösung.

Das Format einer Indoor-Aquathlon-EM gibt es noch nicht. Wir wären die Ersten, weshalb der Dachverband auch erst einen Anforderungskatalog aufstellen muss.

Christian Krombach

FLTri-Präsident

Noch bleibt der FLTri ein Übergangsjahr: Entgegen der ersten Pläne, schon 2027 eine Indoor-Aquathlon-Europameisterschaft auf die Beine zu stellen, wird im nächsten Januar ein Europacup in der Coque stattfinden. Und auch für die nationalen Athleten bleibt der Termin bestehen: Samstags ist ein Open-Wettbewerb geplant, am Sonntag das Rennen der Elite. „Es ist eine Zwischenetappe für uns. Wenn alles gut verläuft, steht der EM ein Jahr später nichts mehr im Weg.“

Ein definitives Budget wurde noch nicht aufgestellt, doch die Organisatoren rechnen mit rund 40.000 Euro – und einer Verdopplung für die EM. Neben dem Sportministerium würden mit der Ville de Luxembourg und der Großregion weitere Partner mit finanzieller Unterstützung hinter dem Projekt stehen.

„Das Format einer Indoor-Aquathlon-EM gibt es noch nicht. Wir wären die Ersten, weshalb der Dachverband auch erst einen Anforderungskatalog aufstellen muss.“ Optimistisch ist man bei der FLTri auf jeden Fall. Nach einer Triathlon-EM 1993 in Echternach will der nationale Verband nämlich wieder ins organisatorische Rampenlicht. Die Möglichkeit, sich mit der neuen Sportministerin über das geplante europäische Event zu unterhalten, hatte Krombach noch nicht. „Es gab aber bereits vorher Gespräche, die positiv verlaufen sind.“

Seit Jahren arbeiten wir eng zusammen mit den Verbänden. Es wurde Vertrauen aufgebaut und man traut sich zu, gemeinsam solche Events zu organisieren.

Christian Jung

Direktor der Coque

Das sagt die Coque

Christian Jung, der seit 2018 Direktor des Sport- und Kulturzentrums Coque ist, freut sich auf die Herausforderungen, die ihm die Verbände in den nächsten Jahren bescheren werden: „Die Infrastruktur wurde zuletzt noch einmal verbessert und wir brauchen uns auf internationaler Ebene nicht zu verstecken. Es war das Ziel, irgendwann solche Großevents in der Coque zu haben und deshalb wünsche ich mir, dass unsere Verbände alle den Zuschlag erhalten werden.“

Jung ist sehr zuversichtlich, dass die Coque den Anforderungen gewachsen ist: „Seit Jahren arbeiten wir eng zusammen mit den Verbänden. Es wurde Vertrauen aufgebaut und man traut sich zu, gemeinsam solche Events zu organisieren. Unser Ziel als Coque ist es, eine große Stütze für den Sport zu sein.“

Eine große Herausforderung ist bekanntlich die Kapazität. Bei der Leichtathletik-EM muss die Halle beispielsweise 5.000 Plätze vorweisen. Derzeit ist die Coque bei 3.300. „Heutzutage gibt es immer Lösungen. Wir müssen jedoch schauen, was beispielsweise der internationale Verband zulässt. 5.000 Plätze stehen zwar im Anforderungskatalog drin, man kann jedoch auch Sondergenehmigungen beantragen und beispielsweise nur 4.500 Plätze anbieten“, erklärt Jung.

Gar keine Sorgen bereitet dem Direktor die Anfahrt zur Coque. „Glücklicherweise haben wir eine Tram, die fast vor die Halle fährt.“ Jung weist darauf hin, dass solche Events mehrere Veränderungen im Kalender mit sich bringen. „Wir haben täglich Aktivitäten von morgens bis abends. Bei solchen Veranstaltungen muss man flexibel sein und ich bin zuversichtlich, dass wir Lösungen für jeden finden werden.“

Jung und sein Team hoffen, schon bald mit den Vorbereitungen beginnen zu können: „Für Luxemburg und die Coque ist es eine tolle Gelegenheit, sich auf der internationalen Landkarte zu positionieren. Es war seit Jahren das Ziel, in einer Liga drüber mitspielen zu können.“

Freiwillige Volunteers unterstützen engagiert bei der Organisation großer Events und Großveranstaltungen.

Die Volunteers sind ein wichtiger Bestandteil der Großevents Foto: Editpress/Gerry Schmit

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