FLBB-Damen
Darum hat Anne Simon in Campobasso das richtige Profileben kennengelernt
Wenn die FLBB-Damen am Mittwoch im Gymnase der Coque gegen Irland in das zweite Zeitfenster der EM-Qualifikation 2027 starten, wird auch auf Anne Simon einmal mehr eine wichtige Rolle zukommen. In ihrem zweiten Profijahr in Italien hat die 26-Jährige weitere wertvolle Erfahrungen gesammelt.
Für Anne Simon war der Wechsel nach Campobasso die richtige Erfahrung Foto: Editpress/Gerry Schmit
„Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung“, erklärt Anne Simon, als sie auf ihre bisherige Saison in Italien angesprochen wird. In ihrem zweiten Profijahr wagte die inzwischen 26-Jährige in der höchsten Liga Serie A1 den Schritt von San Martino zu Campobasso. Von einem kleinen Klub, der im vergangenen Jahr überraschend den Sprung ins Halbfinale geschafft hat, zu einem Team, das definitiv die Ambitionen hat, oben mitzuspielen.
Gleiche Liga, aber dennoch eine große Umstellung, wie die Nationalspielerin erklärt. „Durch diesen Wechsel habe ich mehr Erfahrung – auf jeden Fall, was das Profileben betrifft – bekommen. Wenn ich jetzt zurückblicke und das hier mit dem in San Martino vergleiche, habe ich eher das Gefühl, dass das letzte Jahr noch so ein zusätzliches Jahr am College war“, sagt sie lachend. Bei ihrem ersten Klub war der Kader jünger, wie Simon weiter erklärt, zudem haben die Spielerinnen zusammen gewohnt und auch außerhalb des Spielfeldes viel gemeinsam unternommen. „Jetzt sage ich mir, so sieht ein richtiges Profileben also aus.“
Eigene Wohnung
In Campobasso steht Anne Simon mit einer Reihe erfahrener Profispielerinnen auf dem Parkett. „Jede von ihnen hat schon ihr Leben neben dem Basketball aufgebaut“, erklärt sie weiter. „Neu war für mich vor allem auch, dass ich eine Wohnung für mich alleine habe. Wir wohnen zwar im gleichen Gebäudekomplex, doch hat jede eben ihren Ort, um sich zurückzuziehen.“ Die Luxemburgerin, die es genießt, unter Menschen zu sein, musste sich insbesondere daran erst einmal gewöhnen. Inzwischen fühlt sie sich jedoch pudelwohl in ihrem Klub, wie sie weiter betont, und auch sportlich läuft es für Simon und Magnolia Campobasso, trotz einiger Höhen und Tiefen, in dieser Saison bisher rund.
Derzeit haben sie, hinter dem Spitzenduo Schio und Venedig – zwei Mannschaften, die übrigens auch auf höchster europäischer Vereinsebene auflaufen –, ihren Platz als dritte Kraft der Liga gefestigt. Die reguläre Saison beendete Campobasso dann auch mit einer Bilanz von 15 Siegen und fünf Niederlagen auf Rang drei. Besonders der Erfolg gegen Venedig in der Rückrunde ragt positiv heraus, zumal auch das Hinspiel gegen den Tabellenzweiten nur knapp verloren wurde. Einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt jedoch das Pokalaus gegen Castelnuovo Scrivia. „Das Spiel haben wir einfach komplett verschlafen.“
Und auch vor ihrem Abflug nach Luxemburg mussten Simon und ihre Teamkolleginnen noch einmal eine deutliche 50:71-Pleite gegen San Giovanni, den Tabellenfünften, einstecken. „Man muss aber auch sagen, dass wir Verletzungsprobleme hatten. Unsere beiden Amis und auch unsere polnische Spielerin fehlten. Zudem ist unsere Kapitänin schwanger“, erzählt die Luxemburgerin, die betont, dass ihre Mannschaft die letzte Partie der Qualifikation noch bestmöglich über die Bühne bringen wollte. „Wir haben nur mit sieben Leuten gespielt und man muss auch sagen, dass es für uns um nichts mehr ging. Da es auch das letzte Spiel vor der Länderspielpause war, waren wir, glaube ich, auch schon mit dem Kopf woanders.“
EuroCup-Erfahrung
Dass für ihre persönliche Entwicklung der Wechsel im Sommer der richtige war, dessen ist sich Anne Simon inzwischen sicher. „Auch weil ich diese ganze EuroCup-Erfahrung machen durfte.“ Hier zog der italienische Klub in die Play-offs ein, wo dann jedoch gegen die litauischen Vertreter aus Vilnius Schluss war. „Ich konnte in den vergangenen Wochen viel lernen, sehen, wie es auch mit so vielen Auswärtsreisen ist.“ Immerhin liegt die knapp 50.000-Einwohner-Stadt Campobasso nicht in der Nähe von irgendwelchen Großstädten und damit auch nicht direkt an einem Flughafen. „Da kommen auch bei den Auswärtsspielen in der Liga schon einige Strecken zusammen.“
Nach der Länderspielpause geht es für Anne Simon und Co. mit den Viertelfinalspielen in der Meisterschaft weiter – wo man erneut auf Pokalschreck Scrivia treffen wird. „Es ist schon erschreckend, dass wir jetzt bereits an diesem Punkt stehen und die Saison auch schnell vorbei sein kann.“ Den Einzug ins Halbfinale wollen die Nationalspielerin und ihr Klub jedoch auf jeden Fall erreichen.
Es ist nicht unser Ziel, nur eine der drei Partien zu gewinnen
Anne Simon
Davor gilt der Fokus der 26-Jährigen, die bereits seit Donnerstag zurück in Luxemburg ist, voll und ganz der Nationalmannschaft. Und hier haben die FLBB-Damen einmal mehr die Möglichkeit, etwas Großes zu erreichen. Bereits am Mittwoch steht in der heimischen Coque das Schlüsselspiel gegen Irland an. Mit einem Sieg und einem gleichzeitigen Erfolg von Israel gegen Bosnien-Herzegowina hätte Luxemburg sein Ticket für die zweite Runde als sicherer Tabellenzweiter bereits in der Tasche.
Doch die Luxemburgerinnen wollen in diesem Zeitfenster mehr. „Es ist nicht unser Ziel, nur eine der drei Partien zu gewinnen. Erst einmal müssen wir schauen, gegen Irland von Anfang an im Spiel zu sein, wie im Hinspiel.“ Hier setzten sich Simon und Co. zum Auftakt der ersten EM-Qualifikationsrunde im November in Dublin deutlich 69:53 durch, lagen nach dem ersten Viertel schon mit 21:11 in Führung.
Dass die Partie kein Selbstläufer werden wird, dessen ist sich die Profispielerin aber auch bewusst, immerhin haben sich die Irinnen in den folgenden Partien gesteigert und erst nach Verlängerung gegen den Tabellenführer Israel verloren.
Doch für die Luxemburgerinnen ist auch klar, dass sie sich so eine große Möglichkeit nicht noch einmal entgehen lassen wollen. Und dabei wird auch auf die 26-Jährige, mit ihrem inzwischen großen Erfahrungsschatz, einmal mehr eine wichtige Rolle zukommen.