125 Jahre und kein bisschen alt

Der Turnverein Réveil Bettemburg hat ein besonderes Erfolgsrezept

Beim Réveil Bettemburg laufen die Vorbereitungen für das Finale der Coupe de Luxembourg auf Hochtouren. Während der Turnverein in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert, zeigt sich einmal mehr, wie sehr Sport, Vereinsleben und ehrenamtliches Engagement ineinandergreifen – getragen von einer Generation, die im Klub großgeworden ist.

Steve Hoscheid und Nathalie Frosio beim Réveil, engagiert und leidenschaftlich in ihrer Arbeit für die Gemeinschaft

Steve Hoscheid und Nathalie Frosio sind beim Réveil großgeworden und engagieren sich noch immer mit viel Leidenschaft Foto: Editpress/Julien Garroy

Es war viel los in den letzten Tagen im Bettemburger Turnsaal. Konzentriert und fleißig wurde trainiert, denn die Tage vor dem Finalwochenende der Coupe de Luxembourg sind beim Réveil immer etwas ganz Besonderes. In diesem Jahr umso mehr, denn nicht nur verteidigt der Verein am Samstag gleich drei Pokale, es ist zugleich auch das Jahr des 125. Vereinsjubiläums.

„125 Jahre – da denkt man selbst ein bisschen darüber nach, wie lange man schon in diesem Verein lizenziert ist“, meint Nathalie Frosio mit einem Lachen. Bis zum letzten Jahr war sie beim Réveil noch Präsidentin der technischen Kommission, derzeit ist sie für den Bereich Kunstturnen verantwortlich. Eines fällt sofort auf: Es ist eine junge und engagierte Truppe, die den Verein aktuell leitet – Leute, die beim Réveil großgeworden sind. So wie auch der derzeitige Präsident Steve Hoscheid.

„Wir sind im Grunde ein alter Verein, aber innen drin sehr jung geblieben. Und genau das ist auch das, was einen Verein, der schon so lange besteht, so stark macht. Weil einfach immer wieder Generation für Generation in den Verein investiert wird“, sieht er die große Stärke des Klubs. „Ich denke, als Verein muss man offen sein für neue Ideen, für die Zusammenarbeit mit den Jungen, um gemeinsam Projekte zu machen. Man sollte nicht an alten, festen Strukturen festhalten.“

Auch jetzt noch bleiben Turner dem Réveil längerfristig erhalten. Mathis Kayser, der sich im letzten Jahr von einer möglichen Hochleistungssportkarriere verabschiedet hatte, ist inzwischen als Trainer „nach Hause“ zurückgekehrt. Auch sämtliche Turnerinnen der ersten Mannschaft engagieren sich in den Jugendkategorien. Eine Dynamik, die ihresgleichen sucht. „Wir kennen uns alle schon extrem lange und sind zusammen großgeworden. Das heißt nicht, dass wir immer bei allem einer Meinung sind oder dass alles reibungslos läuft, aber es besteht ein gewisses Vertrauen und auch Respekt gegenüber dem anderen, sodass man sich gegenseitig anhört“, meint Frosio.

Seriensieger bei den Damen

Es ist meine zweite Familie

Nathalie Frosio

über die Bedeutung des Réveil

Als Jungen- und Fechtverein im Jahr 1901 hat alles begonnen. Inzwischen sind es vor allem die Damen, die Jahr für Jahr für die großen sportlichen Höhepunkte sorgen. Allen voran in der Coupe de Luxembourg, in der die Espoirs-Mädchen seit 2015 ungeschlagen sind und die Damen zwischen 2009 und 2025 lediglich im Jahr 2024 nicht mit dem Pokal nach Hause gingen.

„Die Herren waren immer da, doch gerade hier gab es manchmal mehr und manchmal weniger Erfolg“, meint Hoscheid. Erst im vergangenen Jahr gewannen die Seniors-Herren dann auch erstmals in der Vereinsgeschichte den begehrten Cup. „Der Verein besteht größtenteils aus Frauen und der Fokus lag dementsprechend lange auf den Damen. Als ich jung war, musste ich viel kämpfen, um gewisse Dinge zu bekommen“, erklärt der Präsident, der selbst noch in der Masters-Gruppe aktiv ist. „Doch inzwischen ist ein besseres Gleichgewicht da – auch in der Zusammenarbeit“, ergänzt Frosio.

Seit zehn Jahren gibt es beim „Christmas Gym Cup“ auch einen Männerwettkampf, der stetig an Popularität gewinnt. Der traditionelle Termin im Dezember ist beim Réveil inzwischen seit 26 Jahren fest verankert. Es ist der einzige wirklich große internationale Wettkampf im Luxemburger Turnen, der noch von einem Verein organisiert wird – und neben der Coupe de Luxembourg der sportliche Höhepunkt im Kalender des Klubs. Das engagierte Duo ist seit Beginn mit dabei.

„Damals waren gerade mal zwei Mannschaften eingeladen. Neulich habe ich ein Foto gefunden, auf dem wir zu sehen sind, wie wir das Mikrofon übernehmen und in einem Wörterbuch nach den richtigen englischen Begriffen suchen“, erinnert sich Nathalie Frosio lachend zurück.

Es sind Momente, an die sie sich gerne erinnert: „Wenn man sieht, welche kreativen Ideen wir über die Jahre hatten.“ Solche zeigte der Verein auch bei seinen zahlreichen Galas – dem außersportlichen Höhepunkt jedes Jahres, wenn der gesamte Klub zusammenkommt.

„Es ist immer noch der schönste Moment, wenn man nach der Gala in leuchtende Kinderaugen blickt und sieht, wie glücklich sie sind“, so Hoscheid.

Großer Stellenwert in der Gemeinde

Mit insgesamt 550 Lizenzen, 60 ehrenamtlichen und zwei hauptberuflichen Trainern ist der Réveil nach dem Fußball der größte Sportklub der Gemeinde und genießt dementsprechend einen Stellenwert, wie ihn sich viele andere Turnvereine im Land wünschen würden. Über die gute Zusammenarbeit mit der Kommune freuen sich auch Hoscheid und Frosio, die stolz auf den erst kürzlich erweiterten Turnsaal sind. Inzwischen gibt es neben den vielen klassischen Turnbereichen auch eine inklusive Bewegungsgruppe, eine Parcours-Sektion ist hinzugekommen und auch Cheerleading ist derzeit ein Thema.

Dass beim Réveil vieles so gut funktioniert, verdankt man nicht zuletzt den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die in vielen Bereichen bekanntlich immer weniger werden. Beim Bettemburger Turnklub ist dies jedoch etwas anders – auch weil man bewusst neue Wege geht.

„Im Vorstand haben wir eine Person, die sich speziell um die Ehrenamtlichen kümmert und auch mit der ‚Agence du bénévolat‘ zusammenarbeitet, um unsere Veranstaltungen dort anzumelden.“ Ein eigenes Helfer-Tool sorgt für einen besseren Überblick, zudem werden die Freiwilligen auf Social Media hervorgehoben.

„Es ist wichtig, mehr zu kommunizieren, auch einmal richtig Danke zu sagen und die Leute persönlich wieder zu Events einzuladen. Denn das, was sie tun, ist keine Selbstverständlichkeit“, erklärt Frosio.

Professionalisierung und Wartelisten

Wir sind im Grunde ein alter Verein, aber innen drin sehr jung geblieben

Steve Hoscheid

Präsident Réveil Bettemburg

Doch es gibt auch einige Herausforderungen, die Hoscheid für die Zukunft sieht – allen voran die zunehmende Professionalisierung. „Es ist eine Sache, hauptberufliche Trainer zu finden, die andere ist, sie auch hier zu halten. Denn mit dem, was wir ihnen bieten können, können sie nicht in Luxemburg wohnen. Es gibt zwar Zuschüsse vom Staat und der Gemeinde, doch eine finanzielle Planungssicherheit ist schwierig.“

Auch der pädagogische Aspekt dürfte laut Frosio künftig eine noch größere Rolle einnehmen. „Es geht darum, zuzuhören, wenn es den jungen Sportlern nicht gut geht, sie aufzufangen. Ich glaube, das ist auch einer unserer Erfolgsgaranten: dass wir niemanden fallen lassen. Wenn jemand nicht zum Training kommt, investieren wir auch dort und schauen hin.“

Und dann gibt es noch das allseits bekannte Problem der Wartelisten. „Die Zahl der Einwohner in Luxemburg ist gestiegen, die der Klubs eher zurückgegangen. Die Hälfte der Kinder bei uns kommt aus Bettemburg, der Rest aus dem Süden, dem Zentrum und sogar dem Osten. Man bräuchte mehr Vereine – doch wie bekommt man das hin? Eigentlich bräuchte jede Gemeinde eine Infrastruktur wie wir.“

Auch beim Réveil ist man inzwischen an Grenzen gestoßen – nicht unbedingt infrastrukturell, sondern personell, wie Frosio weiter erklärt: „Man muss das alles noch stemmen können und gleichzeitig eine gewisse Qualität garantieren. 60 freiwillige Trainer, das bedarf jetzt schon einer enormen Planung.“

Beim Réveil möchte das Duo trotzdem noch lange weitermachen. „Es ist meine zweite Familie“, sagt Nathalie Frosio. Eine Aussage, der Steve Hoscheid nur zustimmen kann: „Das würden hier sehr viele im Verein sofort unterschreiben.“ Und so hoffen sie, das sie schon am Samstag wieder gemeinsam feiern können.

Réveil Bettemburg
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Beim Réveil Bettemburg wird Zusammenhalt großgeschrieben und fleißig für die Titelverteidigung trainiert

© Foto: Editpress/Julien Garroy

Der Turnverein Réveil Bettemburg hat ein besonderes Erfolgsrezept
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Der Turnverein Réveil Bettemburg hat ein besonderes Erfolgsrezept
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