WM 2026
Dänemark atmet auf: Eriksen nach Schockmoment auf dem Weg der Besserung
Nach dem neuerlichen Schockmoment um Christian Eriksen gibt es vorsichtige Entwarnung. Doch Fragen bleiben.
Die dänische Mannschaft stand am Sonntag unter Schock Foto: AFP
Nach einer Nacht des neuerlichen Bangens um Christian Eriksen gab der dänische Teamarzt am Montagmorgen Entwarnung – und die Fußballwelt atmete auf. Eriksen, Kapitän und Rekordnationalspieler seines Landes, könne nach seinem Zusammenbruch „schon bald aus dem Krankenhaus entlassen werden und nach Hause zurückkehren“, verkündete Mannschaftsarzt Morten Boesen in einer Verbandsmitteilung.
Eriksen selbst postete diesmal kein Daumen-hoch-Foto vom Krankenbett, so wie fast auf den Tag genau vor fünf Jahren nach seinem schockierenden Herzstillstand bei der EM 2021; Eriksens Instagram-Profil aber teilte das Statement des dänischen Verbandes. So etwas wie das Zeichen, dass alles gut werden wird.
Aber: Auch wenn es dem 34-Jährigen inzwischen „gut“ gehe und er „guter Dinge“ sei, weckte der Vorfall schmerzhafte Erinnerungen an die dramatischen Szenen vom 12. Juni 2021 in Kopenhagen, als er im EM-Spiel gegen Finnland kollabierte. Danach erholte Eriksen sich, ihm wurde ein Defibrillator eingesetzt, er konnte seine Karriere fortsetzen. Nun ein weiterer Vorfall. Fragen bleiben.
Am Sonntagabend war Eriksen während des Länderspiels gegen die Ukraine in Odense in der 65. Minute zusammengebrochen. Abgeschirmt von schwarzen Tüchern verließ er das Spielfeld immerhin auf eigenen Beinen. Boesen berichtete am Montag, er habe gesehen, wie Eriksen „sich an die Brust fasste, und ich meine, dass er ‚Au!‘ oder etwas Ähnliches rief“. Wahrscheinlich habe der Herzschrittmacher einen Impuls abgegeben.
2021 noch musste Eriksen auf dem Platz wiederbelebt werden. Er sei „fünf Minuten tot“ gewesen, sagte er später.
Die traumatischen Bilder von damals sind im dänischen Team bis heute präsent. Auch deshalb kündigte Sportdirektor Peter Möller besondere Fürsorge für die Nationalspieler nach dem Vorfall vom Sonntag an.
„Wir werden sichergehen, dass niemand allein nach Hause fährt. Sie fahren entweder mit ihren Eltern, der Familie oder als Gruppe“, sagte der Funktionär. In den kommenden Tagen wolle Nationaltrainer Brian Riemer zudem alle Spieler persönlich anrufen, um sich nach deren Befinden zu erkundigen.
Zahlreiche Vereine und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bekundeten inzwischen ihre Anteilnahme. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen schrieb bei Facebook: „Meine Gedanken sind heute Abend bei Christian Eriksen und all jenen in seinem Umfeld, die davon betroffen sind.“ Es sei ein „großer Schock“ gewesen, schrieb die Sozialdemokratin weiter. „Und eine große Erleichterung, dass es ihm den Umständen entsprechend gut geht.“
Auch der VfL Wolfsburg, mit dem Eriksen gerade aus der Bundesliga abgestiegen ist, meldete sich zu Wort. „Wir denken an dich, Christian“, schrieb der Klub in den sozialen Netzwerken am Sonntag.
Eigentlich hätten Medienberichten zufolge in dieser Woche Gespräche zwischen dem Spieler und den Niedersachsen stattfinden sollen. Dabei sollte es um die Frage gehen, ob sich Eriksen auch nach dem Abstieg einen Verbleib in Wolfsburg vorstellen kann.
Nach dem medizinischen Zwischenfall ist die sportliche Zukunft des 34-Jährigen jedoch ungewisser denn je. Auch Möller wollte sich nicht zu möglichen Konsequenzen äußern. „Das muss Christian beantworten. Ich weiß es nicht. Ich finde es absolut legitim, danach zu fragen. Aber ich weiß es nicht“, sagte der Sportdirektor.