PDC folgt IOC
Ausschluss von Transfrauen im Darts
Die PDC verschärft ihre Richtlinien und lässt keine Transpersonen mehr an Frauenturnieren teilnehmen. Der Beschluss wirft Fragen auf.
Ist Noa-Lynn van Leuvens Karriere vorbei? Foto: John Walton
Hilflos blickte Noa-Lynn van Leuven in die Kamera, nachdem sie gerade unfreiwillig „in den Ruhestand geschickt“ worden war. „Ich habe jahrelang so verdammt hart gearbeitet, um hierhin zu kommen“, sagte die Dartsspielerin in einem Video auf Instagram: „Und jetzt, mit nur einer Entscheidung, wird mir gesagt, ich gehöre nicht mehr dazu.“
Die Regelhüter ihres Sports haben eine für van Leuven schwerwiegende Entscheidung getroffen. Am Donnerstag verkündete die Darts Regulation Authority (DRA), dass mit sofortiger Wirkung nur noch „biologische Frauen“ an Frauenturnieren teilnehmen dürfen. Das betrifft auch die PDC, die größte Organisation im Profidarts. Van Leuven hatte sich 2014 für eine geschlechtsangleichende Operation entschieden und ihre Transition 2022 abgeschlossen.
Das Thema sei „schwierig“, sagte Marcus Meier, Vizepräsident des Deutschen Dart-Verbandes (DDV) dem SID. In einigen Sportarten gebe es gewiss körperliche Vorteile für Transfrauen, „aber es gibt auch Spielerinnen, die sich mit der Männerriege messen können. Die hätten auch keine Probleme, gegen Transfrauen spielen zu müssen“, sagte Meier.
Die Diskussion gibt es seit Jahren, doch woher kommt das Umdenken? Die DRA war zuvor mit der Zulassung von Transfrauen für Frauenwettbewerbe den Kriterien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gefolgt - auch wenn Darts keine olympische Sportart ist. Das IOC führte Ende März genetische Geschlechtstests zur Klärung der Startberechtigung in Frauenwettbewerben ein und erklärte, dass männliche Chromosome einen Vorteil in Sportarten bieten, bei denen es auf Kraft oder Ausdauer ankomme.
Auf dieser Schlussfolgerung fußt auch die Entscheidung der DRA. Sie beruft sich auf einen Bericht der Entwicklungsbiologin Dr. Emma Hilton. In der Mitteilung hieß es, „dass sich mehrere Geschlechtsunterschiede geringen Ausmaßes summieren und zu einem Vorteil der Männer gegenüber den Frauen im Dartssport führen“. Darts sei somit „eine geschlechtsspezifische Sportart“.
Welche Testmethode - das IOC setzt auf das sogenannte SRY-Gen-Screening - verwendet werden soll, teilte die DRA nicht mit. Für van Leuven ist die Entscheidung nach den jüngsten IOC-Beschlüssen „ein weiterer schwerer Schlag für die Trans-Community“.
Der psychische Faktor scheint dabei eine nachrangige Rolle zu spielen. Immerhin gilt Darts in erster Linie als Mentalsport. Van Leuven errang auf der Women’s Series der PDC in diesem Jahr auch noch keinen Turniersieg, sie spielt ihre Kontrahentinnen also keineswegs in Grund und Boden.
Auf der anderen Seite haben Frauen bei den für beide Geschlechter offenen Turnieren der PDC bereits gegen Männer gewonnen. Fallon Sherrock besiegte bei der WM im Ally Pally 2019 als erste Frau gleich zwei männliche Kontrahenten. Seit diesem Jahr hält außerdem das englische Toptalent Beau Greaves eine Tourkarte bei der PDC, schlägt bei Turnieren regelmäßig ihre Kollegen und bezwang sogar schon Weltmeister Luke Littler mehrfach.
Die zweimalige WM-Teilnehmerin van Leuven richtet trotz des Rückschlags ihren Blick nach vorn, bei der Weltmeisterschaft und allen anderen PDC-Majors darf sie immerhin weiterhin starten. Der Ausschluss bei Frauenturnieren sei „nicht das Ende“, erklärte sie: „Ich fange einfach wieder von vorne an. Ich habe noch nicht aufgegeben.“