Vor Pressekonferenz

Wissenschaftliches Gutachten zur Impfpflicht in Luxemburg: Was bisher bekannt ist

Die Diskussionen in der Chamber zur Einführung einer Corona-Impfpflicht in Luxemburg rücken immer näher. Eine Expertengruppe sollte im Vorfeld ein wissenschaftliches Gutachten erstellen, um dessen Notwendigkeit zu prüfen. Die Gruppe tritt am Freitag vor die Presse und präsentiert ihre Ergebnisse. Das Tageblatt hat auf einen Blick zusammengefasst, was bereits bekannt ist.

Wissenschaftliches Gutachten zur Impfpflicht in Luxemburg: Was bisher bekannt ist

Foto: AFP/Hazem Bader

Auf Geheiß des Regierungsrats vom 7. Januar ist eine Gruppe bestehend aus fünf Experten damit beauftragt worden, ein wissenschaftliches Gutachten auszuarbeiten, worin die zwingenden medizinischen Gründe für die Einführung einer Impfpflicht gegen das Coronavirus angeführt werden sollen – das unter Berücksichtigung der aktuellen Pandemielage. Die Gruppe stellt ihr Gutachten auf einer Pressekonferenz am Freitag um 16 Uhr vor.

Die Experten sind keine unbekannten Gesichter in Luxemburg: Es handelt sich um Dr. Vic Arendt und Dr. Thérèse Staub vom „Service national des maladies infectieuses“, Prof. Claude Muller vom „Luxembourg Institute of Health“ (LIH), den Spezialisten für Infektionskrankheiten Dr. Gérard Schockmel aus den „Hôpitaux Robert Schuman“ und Prof. Dr. Paul Wilmes vom „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB) der Universität Luxemburg.

Paul Wilmes, ebenfalls Mitglied der Covid-Taskforce, teilte in einem RTL-Interview vom Freitag seine Einschätzungen zur Notwendigkeit der Impfpflicht in Luxemburg mit. „Es kann sicher sein, dass es nicht auf eine allgemeine Impfpflicht herauslaufen wird. Das wäre jetzt einfach zu breit“, sagt Wilmes. Vic Arendt machte bereits am Donnerstagabend im RTL-„Kloertext“ erste Äußerungen zu der Einschätzung der Expertengruppe. Er meinte, eine sektorielle Impfpflicht für Menschen, die mit gefährdeten Personen arbeiten und auch für Menschen ab einem bestimmten Alter sei am sinnvollsten.

Basierend auf den verfügbaren Daten würden die Experten schließen, dass man gezielter vorgehen müsse. Unter anderem auch deshalb, weil verschiedene gesellschaftliche Bereiche einfach mehr betroffen seien als andere. Die Gruppe habe sich laut Wilmes die verfügbaren Daten über Luxemburg systematisch angeschaut, die Effektivität der Impfung abgewägt und die Lage in den Krankenhäusern beobachtet.

Worterklärung: Endemie / endemisch

Als Endemie bezeichnet man eine Infektionskrankheit, die nur in einem bestimmten Gebiet oder bei einer bestimmten Population auftritt. Der Erreger bleibt in der Regel aber ständig präsent. Eine Endemie ist somit zeitlich unbegrenzt.

Ein langfristiger Lösungsansatz

Wilmes sagt ganz klar: „Sogar wenn die Impfpflicht heute kommen würde, damit haben wir keinen Impakt auf Omikron, auf diese Welle.“ Von daher müsse man die Impfpflicht eher als langfristigen Lösungsansatz sehen. Man müsse sich auf das vorbereiten, was in den nächsten Wochen und Monaten noch kommt. Niemand wisse, welche neue Variante als Nächstes auftauche.

Auf die Frage hin, ob die Einführung einer Impfpflicht den Rückgang in die Normalität und das Aufheben aller sanitären Maßnahmen ermöglichen würde, meint Wilmes: Sollten die Zahl der Hospitalisierungen, hauptsächlich jene auf der Intensivstation, und die Zahl der Todesfälle deutlich zurückgehen, könne man daran denken, Maßnahmen aufzuheben. Er hebt allerdings hervor: „Wir werden dieses Virus nicht ausrotten. Es wird endemisch werden. Auf lange Sicht müssen wir lernen, mit dem Virus zu leben.“

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