Logement
Wenig Statistiken über VEFA-Vertäge: Im Blindflug durch die Baukrise
Luxemburgs Bausektor kriselt weiter vor sich hin. Darunter haben nicht nur die Unternehmen aus der Branche zu leiden, sondern auch die Käufer. Ob und welche regulatorischen Maßnahmen notwendig sind, ist schwer zu sagen, wie so oft fehlt es an relevanten Daten.
Die Käufer der „Résidence Mansfeld“ würden sich freuen, wenn demnächst mal wieder Handwerker vor Ort wären Fotos: privat
Bis auf die Ausgabe des Tageblatt ändert sich nicht viel am Motiv der Fotos. Sie zeigen die Baustelle an verschiedenen Tagen während der vergangenen zwei Wochen. Eigentlich sollten die Arbeiten an der Résidence Mansfeld auf Cents im Gange sein. Das hatte der Bauträger zumindest vor zwei Wochen behauptet. Zuvor hatte sich ein Käufer einer der Wohnungen der Residenz beim Tageblatt gemeldet. Wir nannten ihn Serge, seinen richtigen Namen wollte er aufgrund seiner beruflichen Aktivitäten nicht in der Zeitung lesen.
Serge hatte die Wohnung im September 2023* gekauft, damals war die Residenz zu 85 Prozent fertiggestellt. Heute ist sie nicht wesentlich weiter. Die Aussagen des Bauträgers, Feltes Promotions, machten Serge wütend. Er schaute quasi täglich auf der Baustelle vorbei, von Aktivität keine Spur. Auf den Fotos vom 5. November hätte man denken können, die Arbeiten würden fortgesetzt werden, aber der Lieferwagen, der zu sehen ist, gehörte zu der daneben liegenden Baustelle. „Es tut sich nichts, absolut nichts“, berichtet Serge.
Wenig Datenmaterial
Er hat noch eine weitere Neubauwohnung in Heisdorf gekauft, die ebenfalls nicht vorankommt. Der dortige Immobilienentwickler Antonio Da Silva ging sowohl mit seiner Baufirma MaçonLux als auch mit seiner Immobilienfirma Da Silva Promotions konkurs. Mit Letzterer kam er zwar wieder aus der Insolvenz heraus. Seitdem haben die Kunden aber bis auf eine Zahlungsaufforderung nichts gehört. Es wurde weder ein Zeitplan für die Fertigstellung kommuniziert, noch gab es eine Mitteilung, wann die Arbeiten wieder anfangen würden. Serge zahlt also weiterhin am Ende jedes Monats zwei Kredite zurück für Wohnungen, die er längst nutzen können sollte. Da dies nicht der Fall ist, kommen noch monatliche Mietkosten hinzu.
Sein Beispiel zeigt, dass die Baukrise zugleich eine Käuferkrise ist. Man höre immer wieder, dass Käufer von VEFA-Verträgen („Vente en l’état futur d’achèvement“) mit Situationen konfrontiert sind, in denen ihre Verträge nicht erfüllt werden, das heißt mit unvollendeten oder mangelhaft gebauten Wohnungen. Das unterstrichen die beiden LSAP-Abgeordneten Paulette Lenert und Franz Fayot in einer parlamentarischen Anfrage. Um die Auswirkungen der Rechtsstreitigkeiten in diesem Bereich besser zu erfassen sowie den Bedarf an regulatorischen Anpassungen im Interesse der Verbraucher und des Marktes zu bewerten, wollten die Abgeordneten von Justizministerin Elisabeth Margue (CSV) wissen, wie viele Insolvenzen und Auflösungen es in den vergangenen zehn Jahren gegeben hat.
Die Abgeordneten wollten eine Aufschlüsselung nach Verkäufern von Neubauprojekten, Bauträgern und Bauunternehmen. Die konnte die Ministerin in ihrer Antwort nicht liefern. Es gebe lediglich Zahlen für die gesamte Baubranche. Demnach belief sich in den vergangenen zehn Jahren die Anzahl der Insolvenzen im Baugewerbe auf 1.399. In den vergangenen sechs Jahren gab es 124 „liquidations judiciaires“ im Bausektor. Daten von 2014 bis 2017 sind laut Ministerin nicht verfügbar. Ebenso wenig wie Daten dazu, wie viele zivil- oder strafrechtliche Klagen im Zusammenhang mit verspäteter, fehlerhafter oder betrügerischer Ausführung in Zusammenhang mit VEFA-Projekten in den letzten zehn Jahren eingeleitet wurden.
Hohe Zinsen, wenig Personal
Zumindest für die Résidence Mansfeld soll es vorangehen, wie Marc Feltes, Mitgründer von Feltes Promotions, auf erneute Nachfrage des Tageblatt erklärte. Man sei mit der Baustelle in Verzug und würde nicht so vorankommen wie geplant, aber es gehe voran. In der kommenden Woche würde der Fliesenleger kommen und mit den Sanitäranlagen gehe es ebenfalls weiter. Es sei aber zu kurz gegriffen, die Krise an einer Baustelle festzumachen, so der Bauträger. „Es wird seit zwei Jahren einfach nichts verkauft.“ Bei VEFA-Projekten würde durch die Hilfe des Staates doch nun etwas mehr verkauft werden, bei ganz neuen Projekten, die lediglich auf Plänen existieren, sei dies aber ganz anders.
Die hohen Zinsen würden es vielen Menschen nicht mehr erlauben, etwas zu kaufen. Zudem würde es an Personal fehlen. „Die Bauunternehmen wussten, dass ein Einbruch bei den Aufträgen kommen würde, und einige haben mehr Aufträge angenommen, als sie abarbeiten konnten“, sagt Marc Feltes.
Entschädigungen für Käufer
Roland Kuhn, Präsident des Verbandes der Bauunternehmer, rechnet damit, dass es noch bis zu einem Jahr dauert, bis sich die Wiederaufnahme der Investitionen in der Baubranche bemerkbar macht. In dem gleichen RTL-Interview begrüßte Kuhn die vielen Bemühungen von allen Seiten, um der Baukrise entgegenzuwirken. Feltes hält allerdings fest, dass die vielen Maßnahmen der Regierung, die vor allem steuerlicher Natur sind, nur bedingt Abhilfe schaffen würden.
Die Situation bleibt angespannt, sowohl für die Bau- und Immobilienbranche als auch für die Käufer, die auf die Fertigstellung ihrer Wohnungen warten. Was seine eigenen Kunden angeht, kann Marc Feltes denen nur raten, sich zu melden. Denn wenn ein Bauprojekt nicht wie im Vertrag festgehalten fertig wird, würden sie die Käufer entschädigen.
* In einer früheren Version stand Sommer 2021, der notarielle Akt wurde aber erst im September 2023 unterschrieben