Etagenbetten sollen helfen
Uerschterhaff am Limit: Gefangene schlafen auf Matratzen am Boden
Die Justizvollzugsanstalt Uerschterhaff ist teils nah an der Kapazitätsgrenze. Um mehr Gefangene unterbringen zu können, werden Doppelzellen zu Dreierzellen umfunktioniert.
Die hohe Auslastung in Uerschterhaff hat laut Justizministerin Margue keine Auswirkung auf den Justizalltag Foto: Vincent Lescaut/L'essentiel
In der Justizvollzugsanstalt Uerschterhaff sind weiterhin mehr Häftlinge untergebracht als ursprünglich vorgesehen. Das geht aus Antworten von Justizministerin Elisabeth Margue (CSV) auf parlamentarische Fragen der Abgeordneten Dan Biancalana (LSAP), Marc Goegen (Piraten) und Dan Hardy (ADR) hervor.
Demnach saßen im Oktober im Durchschnitt 406 Gefangene (Stand: 19. Oktober 2026) in Uerschterhaff ein – im September waren es 423 Häftlinge. Ursprünglich sei die Justizvollzugsanstalt für die Aufnahme von 400 Personen konzipiert gewesen, erklärt Margue.
Bis zu 432 Gefangene saßen gleichzeitig in Uerschterhaff ein
Damit liegt die durchschnittliche Auslastungsquote des Gefängnisses für den laufenden Monat bei rund 102 Prozent – für den September gar bei 106 Prozent. Der Höchststand sei am 15. September mit 432 Gefangenen erreicht worden.
Indes sei die Einrichtung auf erst 416 und anschließend 417 Plätze erweitert worden, so die CSV‑Politikerin. Künftig sollen in Uerschterhaff bis zu 437 Häftlinge untergebracht werden können. Zu diesem Zweck würden Ende Oktober 20 Doppelzellen mithilfe von Etagenbetten zu Dreierzellen unfunktioniert.
Die Justizministerin räumt derweil ein, dass seit Ende August Häftlinge auf Matratzen auf dem Boden schlafen würden. Diese befänden sich jedoch ausschließlich in den Zellen und nicht in den Gängen.
Die steigende Gefangenenzahl ist laut Margue vor allem auf mehr Neuaufnahmen zurückzuführen. Wurden 2023 insgesamt 820 Häftlinge aufgenommen, belaufe sich die Zahl im laufenden Jahr (Stand: 19. Oktober 2026) bereits auf 925. Würde sich dieser Trend fortsetzen, läge die Zahl der Aufnahmen am Jahresende bei 1.233, was einen Anstieg von 25 Prozent gegenüber 2025 bedeuten würde. Die Haftdauer bleibt jedoch relativ stabil.
Deutlich mehr Überstunden
Die hohe Auslastung „hat nach Angaben der Strafvollzugsverwaltung keine Auswirkungen auf den Vollzugsalltag“, betont die Ministerin. Zwar stelle die Zahl der Gefangenen eine organisatorische und sicherheitstechnische Herausforderung dar. Die Sicherheit des Personals und der Gefangenen könne wie auch die teils notwendige Trennung von Häftlingen jederzeit gewährleistet werden.
Zugleich habe sich das Verhältnis zwischen Gesamtpersonal und Gefangenen von 0,9 im Vorjahr im laufenden Jahr auf 1,1 verbessert. Ebenso stieg die Gesamtzahl der Beschäftigten nach Angaben der Ministerin – nach einem Rückgang im Vorjahr – im laufenden Jahr.
Die gesetzlichen Arbeits- und Ruhezeiten würden respektiert. Auch die Krankmeldungen blieben stabil. Allerdings nahm die Zahl der Überstunden deutlich zu: Während die Beschäftigten laut Margue zwischen Januar und März 2026 insgesamt durchschnittlich 120 Stunden Mehrarbeit pro Monat leisteten, stieg der Wert zwischen April und September auf 304 Stunden pro Monat an.
Besserung in Sicht?
Um die Situation in der Justizvollzugsanstalt Uerschterhaff zu verbessern, werde derzeit das Personal bei Polizei und Justiz verstärkt. Außerdem seien Gesetzesreformen für die Beschleunigung von Gerichtsverfahren auf den Weg gebracht worden, so die Justizministerin. Auch eine ausstehende Entscheidung der „Commission d’analyse critique“ (CAC) über die Sanierung des Gefängnisses in Schrassig dürfte sich auf die Zukunft der Justizvollzugsanstalt Uerschterhaff auswirken.
Die hohe Auslastung in luxemburgischen Gefängnissen stößt seit Längerem auf Kritik. Nach zwei Todesfällen binnen zwei Tagen schlug der Verein „eran, eraus … an elo?“ Ende September Alarm. Justizministerin Elisabeth Margue müsse die nötigen politischen und gesetzlichen Weichen stellen, um die Zahl der Gefangenen zu reduzieren, so die Interessensvertretung.