Körperliche Selbstbestimmung und reproduktive Rechte

UN-Bevölkerungsfonds klagt über Kürzungen und schwindende Ressourcen

Kooperationsminister Xavier Bettel unterstreicht auf einer Pressekonferenz mit Diene Keita, Direktorin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, die Bedeutung von reproduktiven Rechten und Chancengleichheit. Doch während Luxemburg weiter unterstützt, kürzen andere Staaten ihr Budget – mit drastischen Folgen.

Setzen sich für besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen ein: Vize-UNO-Generalsekretärin Diene Keita (l.) und Kooperationsminister Xavier Bettel

Setzen sich für besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen ein: Vize-UNO-Generalsekretärin Diene Keita (l.) und Kooperationsminister Xavier Bettel Foto: Editpress/Alain Rischard

Sie hatte die Chance, eine Schule und die Uni zu besuchen, frei von körperlicher und sexueller Gewalt aufzuwachsen und sich ihren Beruf selbst auszusuchen. Was für die einen selbstverständlich klingt, ist in vielen Teilen der Welt nicht gewährleistet. So eröffnet Diene Keita, Vize-UNO-Generalsekretärin, ihren Teil der Pressekonferenz mit Kooperationsminister Xavier Bettel (DP). Und spricht damit direkt den Elefanten im Raum an: Laut einer Studie hatten 2024 eine Viertel-Milliarde Frauen keinen Zugriff auf moderne Verhütungsmethoden, 2023 verstarb jede zweite Minute eine Frau während der Schwangerschaft oder der Geburt. Eine Realität in vielen Regionen der Welt im Jahr 2026. Und eine Realität, gegen die sich der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) aktiv einsetzt.

Kampf für Chancengerechtigkeit

Keita ist seit ziemlich genau einem Jahr Exekutivdirektorin des UNFPA. Ihr Ziel sei es, strukturelle Ungleichheit zu vermindern und für Menschenrechte und Chancengleichheit einzustehen. Dass Letztere nicht nur von der Herkunft abhängig ist, weiß auch Luxemburgs Kooperationsminister Bettel: „Ob Sie eine Frau oder ein Mann sind, ob Sie schwarz oder weiß sind, ob Sie Jude, Muslim oder Katholik sind, ob Sie hetero- oder homosexuell sind, heißt, dass Sie nicht die gleiche Chance haben, auf Bildung, auf Gesundheit, auf Überleben.“

Bettel hofft, dass der UNFPA mit der Zusammenarbeit Luxemburgs einen Teil dazu beitragen kann, diese Chancengleichheit zu fördern. Das Großherzogtum war das erste Land, das dem UNFPA seine finanzielle Unterstützung für die nächste fünfjährige Phase des Programms im vergangenen Jahr zugesichert hat. Seither habe man 400 Frauen in Entwicklungsländern durch Hebammen vor einer komplikationsvollen Geburt gerettet. Insgesamt wurde rund einer halben Million Menschen der Zugang zu sexueller Aufklärung und Gesundheit, Verhütungsmitteln und Abtreibungen ungewollter Schwangerschaften ermöglicht, so Keita.

Finanzkürzungen bedrohen Möglichkeiten

Mit ihrer Schwesterorganisation Unicef arbeitet der Bevölkerungsfonds mit demografischen Daten, um vulnerablen Bevölkerungsgruppen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, denn „jedes Leben verdient es, gerettet zu werden“, so Keita. Doch es gibt ein Problem. Mehr als 25 Prozent der Ressourcen der Mitgliedstaaten fehlen in dieser Phase der Kooperation im Vergleich zur vorherigen, ein „enormer Verlust“, erklärt die UNFPA-Direktorin, der vor allem darauf zurückzuführen ist, dass große Mitgliedstaaten wie die USA Finanzkürzungen bei der Unterstützung des Fonds unternommen haben.

Solche Kürzungen erzeugen einen hohen finanziellen Druck auf ein Programm, das auf freiwillige Beiträge der UNO-Mitgliedstaaten angewiesen ist, um Hilfe in die abgelegensten und gefährdetsten Regionen der Welt zu bringen. Derzeit versuche man, das zur Verfügung stehende Budget maximal auszunutzen, um möglichst wenig Personal vor Ort zu verlieren, so Keita.

Multilateralismus in Gefahr

Doch trotz aller finanzieller Bemühungen scheut sich Kooperationsminister Bettel nicht, auf einen kritischen Beigeschmack der Zusammenarbeit unter den UN-Mitgliedstaaten hinzuweisen. „Multilateralismus ist in Gefahr“, sagt Bettel, internationale Solidarität sei nicht mehr selbstverständlich.

Der Populismus und der Wandel zurück zur Tradition in der internationalen Parteienlandschaft stellen eine große Herausforderung für die internationale Entwicklungsarbeit dar. Wie der UNFPA beobachtet, schlägt sich dieses politische Klima direkt in den Communitys vulnerabler Regionen wie der Sahelzone nieder: Fortschritte schwinden, bestehende Maßnahmen greifen nicht mehr.

Um unter diesen erschwerten Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, steht die Organisation vor der Notwendigkeit, ihre Hilfe vor Ort widerstandsfähiger als zuvor zu gestalten. Das funktioniert unter anderem durch enge Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung und den intensiven Austausch der Mitgliedsstaaten. Letztlich sei der UNFPA stets der „last man standing“, so Keita, man kämpfe bis zum Schluss, um auch Menschen, die kein Glück hatten, eine Zukunft zu ermöglichen.

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