Gesundheitsministerium bestätigt
Trans-Personen erhalten fehlerhafte Informationen zu psychiatrischer Behandlung
Die Gesundheitsministerin Martine Deprez gibt zu: Es kursieren Falschinformationen zur verpflichtenden psychiatrischen Behandlung von Trans-Personen in Luxemburg. Bis auf ein Gespräch sind keine kurzfristigen Gegenmaßnahmen geplant.
Sucht in Arbeitsgruppen nach Lösungen für die Probleme von Trans-Personen und abinären Menschen: die Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) Foto: Editpress/Julien Garroy
In Luxemburg müssen unter anderem Trans-Personen der Nationalen Gesundheitskasse (CNS) einen psychiatrischen Bericht vorlegen und eine Zahlungsübernahme beantragen, damit die Kosten für die Hormonbehandlung und die geschlechtsangleichenden Operationen erstattet werden. Das Tageblatt berichtete im Juni über die Kritik an diesen Regelungen und offenbarte: Für viele Betroffene ist bereits die Suche nach verlässlichen Informationen ein Hürdenlauf. Zum Beispiel, wenn es um die Mindestdauer für die psychiatrische Behandlung geht.
Kein Wissen, hohe Kosten
Die CNS und das Gesundheitsministerium sollen Einzelpersonen gegenüber von ein bis zwei Jahren gesprochen haben. Nun klärt die Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der LSAP-Abgeordneten Claire Delcourt und Mars Di Bartolomeo auf: „Die geltenden Vorschriften (...) enthalten (...) keine festgelegte Mindestdauer einer psychiatrischen Begleitung.“
Transition in Luxemburg
Das aktuelle CNS-System treibt Trans-Personen auf den Schwarzmarkt
Dem Ministerium für Gesundheit und soziale Sicherheit seien die Falschauskünfte bekannt. Der Missstand würde „im Rahmen einer geplanten Sitzung mit den zuständigen Stellen eingehend erörtert, um künftig Fehlinformationen zu vermeiden“.
Die geltenden Vorschriften (...) enthalten (...) keine festgelegte Mindestdauer einer psychiatrischen Begleitung
Martine Deprez
Gesundheitsministerin
Auch die hohen Honorarsätze der psychiatrischen Fachkräfte – Delcourt und Di Bartolomeo schreiben von bis zu 230 Euro für administrative Berichte – sowie die Tatsache, dass „teils Betroffene die [psychiatrischen] Berichte selbst verfassen“, sind der Ministerin nicht neu. Die Schwierigkeiten würden in einer Arbeitsgruppe besprochen, die im Rahmen des „Plan d’action LGBTIQ+“ (PAN LGBTIQ+) einberufen wurde.
Warten auf Veränderung
Die Politik befasst sich spätestens seit 2014 mit dem Dossier. Damals trafen sich Intersex & Transgender Luxembourg (ITGL) mit Verantwortlichen des „Contrôle médical de la sécurité sociale“ (CMSS), um über die Regelungen der CNS zu sprechen. Eine Recherche von Reporter von 2019 zeigte zudem, dass sich Betroffene bereits damals an den Sozialversicherungsminister Romain Schneider (LSAP) gewandt hatten. Dennoch blieb die Situation bisher unverändert.

Der Kampf für die Rechte von Trans-Personen geht weiter, unter anderem bei der Trans Pride in der Escher Kulturfabrik im Juli 2026 Foto: Editpress/Miguel Moutinho De Sousa
Martine Deprez, die das Amt 2023 von Schneider übernahm, stellt jetzt in Aussicht, die Reformvorschläge zu prüfen. Dazu zähle auch das Modell des „Informed Consent“, das die umfassende Aufklärung der Betroffenen und deren freiwillige Entscheidung für oder gegen eine medizinische Behandlung in den Mittelpunkt stellt. Einen konkreten Zeitplan für die Gespräche nennt das Gesundheitsministerium bislang nicht.