Noch kein Ende der Blutspur
Protestwelle gegen das Mullah-Regime in Teheran trifft auf internationale Solidarität
Während sich die Demonstrationen gegen die iranischen Machthaber auf das ganze Land ausgeweitet haben, antwortet das Regime mit brutaler Repression. Derweil werden zunehmend mehr als nostalgische Rufe nach dem Schah-Sohn Reza Pahlavi als Symbolfigur des Aufstandes und als Anführer einer Demokratisierung des Irans laut.
Demonstrierende schwenken vor der iranischen Botschaft in Brüssel Fahnen mit den Insignien des alten Schah-Regimes Foto: Shabnam Sabzehi
Im Hintergrund ist die Menge der Demonstranten zu sehen, die sich vor der iranischen Botschaft in Brüssel versammelt haben, als Shabnam Sabzehi in der belgischen Hauptstadt ankommt und dem Tageblatt ein Interview gibt. In den Stunden, Tagen und Wochen zuvor haben sich die Proteste im Iran ausgeweitet. Zugleich antwortet das Mullah-Regime mit unerbittlicher Härte. „Die Situation dort eskaliert, das Regime reagiert mit grausamer Gewalt. Viele Menschen sind von dessen Schergen getötet worden“, sagt die Exil-Iranerin. „Die Krankenhäuser sind überfüllt. Es sind schreckliche Zustände. Außerdem hat die Regierung die Internetverbindungen für Tage gekappt, so dass es schwer war, an Informationen zu gelangen.“ Dennoch erreichen sie Nachrichten und Fotos aus verschiedenen Städten des Landes. Auf einem ist eine Menschenmasse zu sehen, die protestierend durch Teheran zieht.
Nach Angaben der Organisation Iran Human Rights mit Sitz in Oslo sind bis Sonntag mindestens 500 Menschen getötet worden, Tausende wurden festgenommen. Aus den Reihen der Demonstranten ist jedoch von einer Dunkelziffer von weitaus mehr Todesopfern die Rede. Die Proteste haben eine neue Dimension erreicht. Aber auch die brutale Repression. „Nach 47 Jahren an der Macht haben das Regime und seine engsten Verbündeten den tiefsten Punkt erreicht“, sagt Shabnam Sabzehi, während im Hintergrund iranische Fahnen wehen. An die europäischen Regierungen gerichtet: „Es muss endlich Schluss sein mit der grausamen Unterdrückung. Stoppt die lange blutige Spur, die das Regime hinterlässt.“