Männer positionieren sich weiter rechts

Polindex-Studie zu Politik und Gender bestätigt alte Rollenbilder in Luxemburg

Frauen interessieren sich weniger für Politik als Männer und bewerten gesellschaftliche Sachverhalte differenzierter. Während Männer mehrheitlich finden, dass in politischen Institutionen genug Frauen vertreten sind, sehen die Frauen das anders. Die Polindex-Studie zu Politik und Gender untermauert geschlechtsbezogene Stereotypen.

Politikerinnen betonen Werte wie Feinfühligkeit und Gerechtigkeit, Männer Autorität und Genauigkeit bei Befragten

Den Politikerinnen schreiben die Befragten Werte wie Feinfühligkeit und Gerechtigkeit zu, männliche Politiker assoziieren sie eher mit Autorität und Genauigkeit Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Das Interesse für Politik ist bei Männern größer als bei Frauen. Männer haben mehr Vertrauen in politische Institutionen, während Frauen Zwischenbewertungen und vorsichtige Einschätzungen bevorzugen. Frauen nehmen die Unterrepräsentation von Frauen in der Politik deutlich stärker wahr als Männer und sprechen sich häufiger für Maßnahmen zur Verbesserung des gleichberechtigten Zugangs zu politischen Ämtern aus. Zu diesen vier Schlussfolgerungen kommen die Autorinnen und Autoren des parlamentarischen Lehrstuhls an der Uni Luxemburg in einer vergangene Woche veröffentlichten Polindex-Untersuchung unter der Leitung des Politologen Philippe Poirier.

Laut dieser Studie positionieren Männer sich selbst etwas weiter rechts im politischen Spektrum als Frauen und sind zufriedener mit der Arbeit der Regierung. Wohnungsbau ist das wichtigste politische Thema für alle Befragten, Frauen ist es jedoch wichtiger als Männern. Während Frauen weiter Wert auf Themen wie Gesundheit, soziale Sicherheit und Pflege, Renten und Arbeit legen, stehen für Männer Kaufkraft, Umwelt, Klima und Energie, Sicherheit, Einwanderung und Wettbewerbsfähigkeit stärker im Vordergrund.

Konservative Männer

Diese Probleme zu lösen, das traut ein Viertel der befragten Männer am ehesten der CSV zu, von den Frauen weniger als ein Sechstel. Auch die ADR steht bei Männern höher im Kurs als bei Frauen, von denen rund ein Drittel auf die Frage, welcher Partei sie am ehesten zutrauen, die politischen Probleme zu lösen, mit „ich weiß es nicht“ antwortete.

Insgesamt gaben über drei Viertel der befragten Männer an, an Politik interessiert zu sein, bei den Frauen waren es weniger als zwei Drittel. Bei beiden Geschlechtern herrscht großes Misstrauen gegenüber der Politik, bei Männern überwiegen Respekt und Hoffnung, aber auch Abscheu, bei Frauen Langeweile und Angst. Während sich über die Hälfte der Männer über Politik in Tages- oder Wochenzeitungen informiert (gegenüber 42 Prozent der Frauen), hören Frauen häufiger Radio oder diskutieren Wahlergebnisse (in Deutschland und den USA) mit Freunden und Verwandten.

Die Demokratie und das demokratische System stoßen in Luxemburg insgesamt auf hohe Zustimmung, bei den Männern sind der Zuspruch und das Vertrauen in die Demokratie jedoch etwas größer. Andererseits fühlen sich mehr Männer ohnmächtig gegenüber der Politik, fühlen sich ausgeschlossen und sind der Auffassung, dass ihre Meinung nicht zählt.

Obwohl die Akzeptanz gegenüber Migranten und Grenzgängern insgesamt hoch ist, sind Frauen häufiger der Meinung, dass diese nicht in positivem Maß zur Wirtschaft und zum kulturellen Leben beitragen. Hinsichtlich des kulturellen Einflusses von Nicht-Luxemburgern würden Frauen häufiger eine Zwischenposition einnehmen und eine differenziertere und weniger eindeutige Meinung als Männer an den Tag legen, schreiben die Autorinnen. Diese vorsichtige Haltung spiegele sich darin wider, dass Frauen öfter eine Position in der Mitte der Bewertungsskala einnehmen, statt stark positive oder negative Urteile abzugeben: „Ces résultats viennent nuancer l’idée selon laquelle les femmes exprimeraient systématiquement une ouverture plus marquée à l’inclusion que les hommes“, steht in der Studie.

Feinfühlige Frauen

Während insgesamt 80 Prozent aller Befragten der Ansicht sind, dass Frauen heute die gleichen Rechte wie Männer haben, sind Frauen jedoch weitaus stärker der Meinung, dass sie gegenüber Männern benachteiligt sind und in politischen Institutionen wie der Regierung, der Abgeordnetenkammer, der EU-Kommission, dem Europaparlament und in politischen Parteien weit weniger stark repräsentiert sind als Männer. Dementsprechend sind Frauen auch offener gegenüber Quoten und anderen Fördermaßnahmen, um den gerechten Zugang zu politischen Ämtern zu gewährleisten. Frauen in der Politik schreiben die Befragten Werte wie Feinfühligkeit und Gerechtigkeit zu, männliche Politiker assoziieren sie eher mit Autorität und Genauigkeit.

Um die unterschiedlichen Bewertungen von Frauen und Männern zu erklären, haben die Forscherinnen Claire Poumarat und Agnes Darabos die Teilnehmer*innen der Studie nach ihrem Gemütszustand befragt: Während bei den Männern Wohlbefinden, Vertrauen und Gelassenheit überwiegen, sind es bei den Frauen Müdigkeit und Angst. Misstrauen verspüren beide Geschlechter in gleich hohem Maß.

Zur Durchführung der Polindex-Untersuchung hat Ilres im Auftrag des Lehrstuhls vom 21. Mai bis 3. Juni 2025 1.637 Einwohner über 18 Jahre befragt, davon 1.108 wahlberechtigte Luxemburger und 529 Nicht-Luxemburger.

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