Logement

„Nie wieder eine Neubauwohnung“: Käufer fühlen sich durch Aussagen von Minister Meisch vor den Kopf gestoßen

Das Logement bleibt eines der größten Sorgenkinder in Luxemburg. Die Unternehmen haben zu kämpfen, können aber auf die Unterstützung der Regierung zählen. Einige Käufer haben dagegen weiterhin das Gefühl, vergessen zu werden.

Dem Tageblatt wurde in den vergangenen Wochen von einigen Baustellen berichtet, auf denen seit Monaten Stillstand herrscht – trotz der zahlreichen Hilfsmaßnahmen der Regierung

Dem Tageblatt wurde in den vergangenen Wochen von einigen Baustellen berichtet, auf denen seit Monaten Stillstand herrscht – trotz der zahlreichen Hilfsmaßnahmen der Regierung Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

„Da fühlt man sich schon etwas vor den Kopf gestoßen.“ So reagierte Olivier Gritti auf eine Aussage von Wohnungsbauminister Claude Meisch. Der DP-Politiker hatte kurz zuvor in einem Interview mit RTL Infos erklärt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, um von den zahlreichen Beihilfen zu profitieren und in Immobilien zu investieren. Eine ähnliche Botschaft vermittelte auch Roland Kuhn, Präsident des Verbands der Bauunternehmer, gegenüber RTL.

Olivier Gritti ist nur einer von mehreren Käufern, die sich in den vergangenen Wochen beim Tageblatt gemeldet haben. Er hatte im Dezember 2020 eine Wohnung in Düdelingen erworben – ein Neubauprojekt nach dem Modell der sogenannten „Vente en l’état futur d’achèvement“ (VEFA), also genau die Art von Projekt, die die Regierung durch verschiedene Maßnahmen wiederbeleben will.

Stillstand auf der Baustelle

Doch im Fall von Olivier Gritti hat das bislang nicht funktioniert – und er ist damit nicht allein. Vor einigen Wochen berichtete das Tageblatt über einen Geschäftsmann, der zwei Wohnungen gekauft hat, die ebenfalls nicht fertiggestellt werden. Genau wie in Düdelingen herrscht auf diesen Baustellen weitgehender Stillstand. Im Fall des Geschäftsmannes wurden offenbar nur Alibiarbeiten durchgeführt, damit Bauträger weiterhin Rechnungen stellen konnten. „Jeder, der vorbeifährt, kann sehen, dass sich auf der Baustelle seit Monaten nichts tut“, erklärt Gritti gegenüber dem Tageblatt. Seine Wohnung hätte – selbst unter Berücksichtigung von Verzögerungen – im Oktober 2023 bezugsfertig sein sollen. Doch laut Gritti sei es unwahrscheinlich, dass dies selbst bis Oktober 2025 der Fall sein wird. „Ob und wann ich jemals in meiner Wohnung leben kann, ist völlig ungewiss“, sagt er. Einen Zeitplan haben die verantwortlichen Bauträger nicht vorgelegt; stattdessen herrsche weitgehend Funkstille.

In Grittis Fall sind es gleich zwei Bauträger, die für das Projekt verantwortlich sind – und ihren Streit offenbar auf Kosten der Käufer austragen. Wie schon der Geschäftsmann, der sich zuvor an das Tageblatt gewandt hatte, fühlt sich auch Gritti vom Staat im Stich gelassen.

Auswirkungen auf den Alltag

Eine Anfrage des Tageblatt an den Wohnungsbauminister Claude Meisch wurde lediglich schriftlich beantwortet. Auf die Frage, ob er verstehen könne, dass sich Käufer durch seinen Aufruf zum Immobilienkauf vor den Kopf gestoßen fühlten, erklärte sein Ministerium: „Die Regierung versteht, dass Menschen in finanziell schwierige Situationen geraten können. Aus diesem Grund wurden bereits einige Maßnahmen ergriffen, und es wird an weiteren Lösungen gearbeitet.“ Das Ministerium verwies unter anderem auf die Initiative von fünf Banken, die die Prolog SA gegründet haben, um Immobilienprojekte zu unterstützen, die sonst nicht oder nur mit Verzögerung realisiert worden wären.

Ich werde nie wieder eine Neubauwohnung kaufen. Nie wieder!

Olivier Gritti

Wie die von Meisch angesprochenen „weiteren Lösungen“ aussehen werden, bleibt abzuwarten. Zu große Erwartungen sollte man aber wohl nicht haben. Vor kurzem hatte Premierminister Luc Frieden im Tageblatt-Interview erklärt, dass zusätzliche Maßnahmen a priori nicht geplant seien und die Politik nie alle Probleme unserer Gesellschaft lösen könne.

Bessere Garantien gewährleisten

Für Gritti und viele andere Betroffene ist dies jedoch ein schwacher Trost. Er hatte bereits bei seiner Bank ein Moratorium beantragt und dieses verlängert. Um die Kredite für seine neue Wohnung zu bedienen, nahm er einen Überbrückungskredit auf. Doch als die Zinsen zu hoch wurden, blieb ihm keine Wahl: Er verkaufte seine alte Wohnung und zog in ein kleines Studio. „Da hängt so viel dran. Man kann sich in der Freizeit nichts mehr leisten“, berichtet Gritti. Auch seine Tochter kann ihn nicht besuchen, da das Studio zu klein ist.

Das Wohnungsbauministerium teilte in seiner schriftlichen Antwort außerdem mit, dass die Regierung plant, Käufer künftig besser zu schützen. Dazu werde die Gesetzgebung zu VEFA-Verträgen überarbeitet. Das Justizministerium habe bereits in enger Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteuren des Sektors eine Analyse begonnen. Austausch hatte das Justizministerium unter anderem bereits mit dem Konsumentenschutz. Es werden auch noch Gespräche mit anderen Akteuren gesucht, um festzustellen, ob eine Gesetzesanpassung notwendig ist, so das Justizministerium. Aufgrund der Komplexität, der praktischen und juristischen Implikationen sei es allerdings nicht möglich, eine konkrete Zeitschiene zu nennen. Ziel sei es aber, den Käufern bessere Garantien zu gewährleisten.

Für Olivier Gritti kommt diese Ankündigung zu spät. „Ich werde nie wieder eine Neubauwohnung kaufen. Nie wieder!“, betont er enttäuscht.

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